Harald Luchs: Marktveränderungen aktiv zu Wettbewerbsvorteilen machen

Was früher funktioniert hat, überzeugt heute nicht mehr – und das ist eigentlich prima.
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Harald Luchs: Marktveränderungen aktiv zu Wettbewerbsvorteilen machen
Harald Luchs, Geschäftsführer Aon Österreich.

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In Gesprächen mit österreichischen Unternehmen wiederholt sich ein Muster mit einer Verlässlichkeit, die fast schon berührt: Was gestern im Risiko- und Versicherungsmanagement noch tadellos funktioniert hat, produziert heute rätselhafte Ergebnisse – ähnlich wie das WLAN, das immer genau dann ausfällt, wenn man es braucht.

Gleichzeitig schwimmen wir in Daten, haben leistungsfähigere Analysetools als je zuvor und neue Finanzierungsinstrumente, von denen man vor zehn Jahren nicht mal geträumt hätte. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob das Umfeld schwieriger wird – das tut es, Spoiler-Alarm – sondern wie man diese Entwicklung aktiv für sich nutzt.

Wer zuerst aufwacht, sahnt ab!

Die Spielregeln am österreichischen Markt verändern sich – schneller, als vielen lieb ist, und mit der Geduld einer Expresslieferung, die ausgerechnet dann klingelt, wenn man unter der Dusche ist. Steigende Unsicherheit, komplexere Risiken und ein volatiler Versicherungsmarkt zwingen dazu, eingespielte Routinen zu hinterfragen. Das klingt nach Mehrarbeit. Ist es auch.

Aber: Wer seine Risikosituation klar strukturiert, transparent macht und strategisch positioniert, kann sich in diesem Durcheinander einen echten Vorteil sichern – während die Konkurrenz noch überlegt, ob sie das Thema auf die nächste Vorstandsitzung vertagt.

Meine Erfahrung: Unternehmen, die bereit sind, gewohnte Pfade zu verlassen, ihre Daten konsequent aufzubereiten und ihren Risikotransfer aktiv zu steuern, bekommen spürbar bessere Konditionen – bei Kapazitäten, Prämien und Vertragsbedingungen. Anders gesagt: In einem anspruchsvollen Marktumfeld zahlt sich Professionalität im Risk Management direkt in der Marktperformance aus. Oder noch direkter: Wer seine Hausaufgaben macht, zahlt weniger. Bestechend simpel, eigentlich.

KI als koffeinfreier Kaffee? Nicht ganz.

Die schwierigsten Entscheidungen sind bekanntlich jene, bei denen vieles unklar ist und der Druck hoch ist – also im Grunde jede zweite Entscheidung im Geschäftsleben. Unsicherheit lässt sich nicht wegdiskutieren, aber man kann sie besser einordnen.

Je klarer das Bild über die eigene Risikosituation, desto leichter fällt es, Prioritäten zu setzen und Kurs zu halten – auch wenn der Wind von vorne kommt.

Harald Luchs: Marktveränderungen aktiv zu Wettbewerbsvorteilen machen
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Dabei helfen heute deutlich mehr Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren. Daten stehen in enormer Tiefe zur Verfügung, und moderne Technologien – inklusive KI, die in Präsentationen gerade überall auftaucht wie Avocado auf Brunchtellern – unterstützen dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Szenarien durchzuspielen und Alternativen vergleichbar zu machen. Am Ende geht es aber nicht um Technik an sich, sondern um das gute Gefühl, Entscheidungen treffen zu können, die nachvollziehbar sind und von allen Beteiligten getragen werden.

Besonders deutlich wird der Bedarf an dieser Klarheit in zwei Bereichen, die Unternehmen aktuell intensiv beschäftigen: Cyberrisiken und Finanzierung. Zwei Themen, bei denen „weiß ich nicht genau“ keine tragfähige Strategie ist.

Im Cyberbereich hat sich das Bild grundlegend gewandelt: Aus einzelnen, eher zufälligen Angriffen ist ein professionelles Geschäftsmodell geworden – mit Geschäftszeiten, Kundensupport und vermutlich auch Quartalszahlen. Betroffen sind längst nicht mehr nur IT-Systeme, sondern auch Lieferketten, Reputation und finanzielle Stabilität. Wer hier nur auf eine einzelne Polizze setzt, greift so großzügig zu kurz wie jemand, der einen Waldbrand mit einem Glas Wasser bekämpft. Erst wenn Cyber- und Vertrauensschadenversicherung zusammengedacht werden und organisatorische Maßnahmen hinzukommen, entsteht echter Schutz.

Ähnlich herausfordernd ist die Lage bei der Unternehmensfinanzierung. Hohe Zinsen, lange Zahlungsziele und gleichzeitig hoher Investitionsbedarf setzen Liquidität und Working Capital unter Druck – eine Kombination so angenehm wie nasse Socken im Winter. Viele Unternehmen merken gerade, wie eng der Spielraum werden kann. Genau hier kann ein aktiver Umgang mit Forderungen – etwa über Factoring in Kombination mit einer Kreditversicherung – helfen, Luft zu schaffen: Forderungen werden zu verlässlichen Zahlungsströmen, Finanzierungsspielräume werden erweitert, und Ausfallrisiken lassen sich besser steuern. Das verschafft der Unternehmensführung Zeit und Raum für das Wesentliche: die Weiterentwicklung des Geschäfts.

Erfolgsfaktoren für 2026 – drei Leitlinien, die jeder umsetzen kann

Was bedeutet das konkret? Drei einfache, aber wirksame Leitlinien für 2026:

  • Mehr Klarheit, weniger Bauchgefühl: Je besser Sie Ihre eigene Risikoposition kennen und je belastbarer Ihre Zahlen sind, desto souveräner können Sie mit Versicherern, Banken und Investoren verhandeln. Bauchgefühl ist nett beim Restaurantbesuch – im Risk Management bevorzugen wir Fakten.

  • Technologie bewusst einsetzen: KI und datenbasierte Tools sind kein Selbstzweck – und auch kein Allheilmittel, das man einfach über Probleme schüttet. Richtig genutzt helfen sie, komplexe Themen verständlich zu machen und Entscheidungen schneller und sicherer zu treffen. Falsch genutzt produzieren sie eindrucksvolle Präsentationen ohne Substanz.

  • Risikomanagement groß denken: Versicherungsschutz, Finanzierung, Liquidität und Cyberresilienz lassen sich heute nicht mehr sauber trennen – so wenig wie Arbeit und Privatleben im Homeoffice. Wer diese Themen gemeinsam betrachtet, schafft Stabilität und eröffnet sich neue Spielräume für Wachstum.

Autor: Harald Luchs

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