KMU werden durch einen beschränkten Zugang zu Finanzmitteln daran gehindert, nachhaltiger zu wirtschaften. Ein wesentlicher Grund für diesen Finanzierungsengpass ist der niedrige Digitalisierungsgrad.
Die Studie hat das Ziel, die wachsenden Nachhaltigkeitsambitionen von kleinen und mittleren Unternehmen systematisch mit ihrem tatsächlichen Zugang zur Finanzierung von Nachhaltigkeitsinitiativen abzugleichen. Sie identifiziert die zentralen Hindernisse auf dem Weg von KMU zu mehr Nachhaltigkeit und zeigt konkrete, praxistaugliche Lösungen auf, um diese Hindernisse zu beseitigen.
Kein fehlendes Engagement
KMU sind in besonderem Maße von den Folgen des Klimawandels betroffen. Steigende Energiekosten, unterbrochene Lieferketten oder extreme Wetterereignisse treffen kleinere Unternehmen besonders hart, weil sie über geringere finanzielle und organisatorische Puffer verfügen.
Gleichzeitig kann das Ziel der Klimaneutralität ohne ihre aktive Beteiligung nicht erreicht werden.

KMU werden sich ihrer Rolle im Kontext von Nachhaltigkeit zunehmend bewusst. Bereits 70 Prozent der befragten Unternehmen weltweit stufen Nachhaltigkeit als „zentral“ oder „wichtig“ für ihre Geschäftsaktivitäten ein, gegenüber 67 Prozent im Jahr 2024.
Auch bei der strategischen Verankerung sind Fortschritte erkennbar: 36 Prozent verfügen inzwischen über einen formalen Nachhaltigkeitsplan (2024: 31 Prozent), während 30 Prozent bereits Informationen zu ihrer Nachhaltigkeit veröffentlichen (2024: 24 Prozent). Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine deutliche Lücke in der operativen Umsetzung: Nur 8 Prozent der KMU nutzen spezialisierte Software für formale Nachhaltigkeitsberichte.
Von einer echten, umfassenden Transformation des Wirtschaftens kann daher noch nicht gesprochen werden. Zwar sind erste strukturelle Entwicklungen sichtbar, doch sie bleiben fragmentiert und in vielen Fällen noch im Anfangsstadium.
Besonders deutlich wird dies im operativen Bereich, in dem einzelne Maßnahmen zwar bereits verbreitet sind, aber selten in eine durchgängige Strategie eingebettet werden.
So haben 58 Prozent der Unternehmen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt (2024: 53 Prozent). 53 Prozent haben begonnen, ihren Abfall zu reduzieren oder Recyclingprozesse zu fördern (2024: 50 Prozent), und 32 Prozent setzen bereits erneuerbare Energien im Betrieb ein (2024: 30 Prozent). Diese Entwicklungen zeigen Bewegung, aber noch keinen flächendeckenden Wandel hin zu einer vollständig nachhaltigen Unternehmenspraxis.
Kernproblematik Finanzierung
In allen untersuchten Märkten fällt es kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) schwer, das notwendige Kapital zu beschaffen, um ihre Nachhaltigkeitsinitiativen zu skalieren.
Einige mittelgroße Unternehmen – insbesondere in der Fertigungs- und Transportbranche – haben jedoch einen Durchbruch erzielt: Sie erhalten 4,1-mal häufiger Zugang zu nachhaltiger Finanzierung als kleinere Unternehmen.
Für die Mehrheit der KMU bleibt die Kapitalbeschaffung dennoch eine große Hürde.
Ein wesentlicher Grund für diese Unterschiede liegt im Zugang zu KI-gestützten und digitalen Tools. Unternehmen, die digitale Buchhaltung, elektronische Rechnungsstellung und KI-Lösungen zur Überwachung ihres CO₂-Fußabdrucks einsetzen, legen deutlich häufiger Nachhaltigkeitsberichte vor – ein entscheidender Faktor, der ihnen den Zugang zu Finanzmitteln erleichtert. Fehlt diese digitale Basis, bleiben potenzielle Investitionen in Milliardenhöhe weiterhin ungenutzt.

„Die Studie zeigt klar, dass kleine und mittlere Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen und bereits konkrete Initiativen zur Optimierung ihrer Geschäftsprozesse angestoßen haben. Gleichzeitig wird jedoch erneut deutlich, dass ein unzureichender Digitalisierungsgrad die Umsetzung in die Praxis erschwert. Ohne geeignete Softwarelösungen bleibt es für KMU schwierig, Zugang zu den erforderlichen Finanzmitteln zu erhalten. KI sollte von Grund auf in diese Lösungen integriert sein, damit sie Zugriff auf alle relevanten Daten erhält und Prozesse anstoßen sowie kontrollieren kann“, erklärt Alexander Trautmann, Director of Product Engineering bei Sage.
Verbesserungsvorschläge für KMU
1. Einführung benutzerfreundlicher und einheitlicher Berichtsstandards
Regierungen und internationale Standardisierungsgremien sollten leicht verständliche, harmonisierte Nachhaltigkeitsstandards entwickeln. KMU benötigen vereinfachte Regeln mit klaren Begriffen, präzisen Leitlinien und gebrauchsfertigen Vorlagen. Eine Orientierung an den Minimalanforderungen des Voluntary Sustainability Reporting Standard for Non-Listed Small and Medium Sized Enterprises (VSME) sowie des International Sustainability Standards Board (ISSB) bietet sich an. Einheitliche Anforderungen und Terminologien ermöglichen es KMU, ihre Daten einmal zu erfassen und anschließend mehrfach für Banken, Kunden und Aufsichtsbehörden zu nutzen.
2. Aufbau eines tragfähigen Ökosystems für Nachhaltigkeitsberichterstattung
Regierungen und ihre Entwicklungspartner sollten steuerliche Anreize, gemeinsame digitale Tools und gezielten Kompetenzaufbau bereitstellen. Zudem gilt es, die wirtschaftlichen Vorteile der Nachhaltigkeitsberichterstattung – etwa besseren Marktzugang, erleichterte Finanzierung und geringere Kosten – stärker zu vermitteln und durch Förderprogramme zu flankieren. Finanzinstitute und Technologieunternehmen sind gefordert, erschwingliche Lösungen zu entwickeln und KI so einzusetzen, dass Berichterstattung effizienter und weniger ressourcenintensiv wird.
3. Förderung digitaler Innovationen und KI-gestützter Reporting-Lösungen
Durch eine enge Zusammenarbeit von Regierungen und Technologieunternehmen sollten digitale Anwendungen und KI-Tools vorangetrieben werden, die Datenerfassung und Berichterstattung weitgehend automatisieren. KMU benötigen kostengünstige Lösungen, die Buchhaltung, E-Rechnungen und Energiedaten verknüpfen und die relevanten Felder für Finanzinstitute automatisch ausfüllen. System-zu-System-Integrationen können darüber hinaus aus den gesammelten Daten konkrete Handlungsempfehlungen und passgenaue Finanzierungsoptionen ableiten.
4. Standardisierung von Datenanforderungen über Ländergrenzen hinweg
Regierungen, Finanzinstitute und große Unternehmen sollten eine Vorreiterrolle einnehmen, indem sie Datenanforderungen national wie international harmonisieren. Einheitliche Standards reduzieren den Aufwand für KMU erheblich und erleichtern die Nutzung eines einmal erstellten Nachhaltigkeitsberichts für unterschiedliche Anfragen.
5. Erweiterung nachhaltigkeitsbezogener Finanz- und Unterstützungsangebote
Banken und öffentliche Finanzdienstleister sollten ihr Portfolio an nachhaltigkeitsorientierten Produkten deutlich ausbauen. Dazu gehören Kredite für Transformations- und Nachhaltigkeitsprojekte, Übergangskredite und grünes Leasing. Ergänzend sind Workshops, Schulungen und individuelle Beratungsangebote erforderlich, damit aus Plänen konkrete Projekte werden können.
Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „SME Climate Finance Stocktake: Turning Ambition into Action“, die von der internationalen Handelskammer (International Chamber of Commerce: ICC) und Sage durchgeführt wurde.
