Nach vier Jahren mit durchgängig negativen Umsatzprognosen sendet der deutsche Maschinen- und Anlagenbau erstmals wieder Hoffnungssignale. Der Anteil der Optimisten hat sich gegenüber dem Vorquartal nahezu verdoppelt und auch die Umsatzprognose für die Gesamtbranche fällt deutlich besser aus.
Von einer echten Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein: Die Kapazitätsauslastung bleibt historisch niedrig, der Kostendruck dominiert weiter das Stimmungsbild, und die Investitionsbereitschaft verharrt auf schwachem Niveau.
Konjunktur und Branchenentwicklung
Knapp ein Viertel der befragten Entscheidungsträger blickt wieder optimistisch auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland in den kommenden 12 Monaten. Im Vorquartal lag dieser Wert noch bei 14 %. Gleichzeitig rechnet die Mehrheit (51 %) weiterhin mit einer negativen Entwicklung.

Auch der Blick auf die Weltwirtschaft fällt etwas zuversichtlicher aus: 36 % der Befragten sind hier optimistisch gestimmt, 30 % pessimistisch (im Vorquartal lagen diese Werte bei 27 % beziehungsweise 34 %).

Für die Gesamtbranche erwarten die Befragten im Schnitt ein Umsatzrückgang von –0,7 %. Im Vorquartal lag die Prognose allerdings noch bei –2,8 %. Fast jeder zweite Befragte rechnet inzwischen mit Wachstum, im Vorquartal war es nur jeder Dritte.
Beim Blick auf das eigene Unternehmen fallen die Erwartungen nochmals deutlich besser aus: Im Schnitt prognostizieren die Befragten ein Umsatzwachstum von 2,2 %. Knapp sechs von zehn erwarten ein Plus, nur noch jedes vierte Unternehmen rechnet mit einem Rückgang.

Wie optimistisch die Befragten auf das eigene Unternehmen blicken, hängt dabei stark von der aktuellen Kapazitätsauslastung ab: Befragte Unternehmen mit einer aktuellen Auslastung von mindestens 90 % erwarten im Schnitt +5,2 % Umsatzwachstum, bei denjenigen mit unter 80 % sind es –2,8 %.
„Die Kluft zwischen Betrieben, die nahezu unter Volllast laufen, und denen mit stotternder Produktion ist beachtlich. Eine hohe Auslastung beeinflusst den Blick der Befragten positiv: der Kostendruck ist geringer, der Wettbewerb beflügelt, anstatt zu lähmen, generell ist Wachstum möglich. Gering ausgelastete Firmen stehen langsam mit dem Rücken zu Wand. Ein Gegensteuern – sei es durch schlankere Prozesse, Automatisierung oder neue digitale Ansätze – ist dringend geboten“, erklärt Bernd Jung, Senior Partner und Leiter der Praxisgruppe Industrial Manufacturing bei PwC Deutschland.
Mannigfaltige Herausforderungen
Die Herausforderungen der Branche sind vielfältig und verlangen nach Lösungen. Der steigende Kostendruck bleibt mit 81 % (Durchschnittsangabe – Anm. d. Red.) weiterhin das größte Wachstumshindernis für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Dahinter folgen politische Entwicklungen im Ausland mit 76 % und das schwierige Regulierungsumfeld mit 67 %.

Auch die schwache Nachfrage bleibt mit 64 % ein zentrales Thema. Der Fachkräftemangel fällt dagegen mit 51 % auf den niedrigsten Wert seit 2018. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck zu und wird inzwischen von 55 % der Befragten als Wachstumshindernis genannt.
Auch kurzfristig bleibt die Branche in der Zwickmühle. 47 % rechnen im kommenden Quartal mit steigenden Gesamtkosten. Gleichzeitig erwarten 59 % stabile Verkaufspreise, und nur 30 % gehen von steigenden Preisen aus. Entsprechend rechnen 24 % mit sinkenden Margen, während nur 16 % von steigenden Margen ausgehen.
„Der Kostendruck bleibt das Kernproblem der Branche. Wenn steigende Kosten nur begrenzt über den Preis weitergegeben werden können, geraten Profitabilität und Investitionsspielräume schnell unter Druck. Eine Erholung auf dem Energie- und Rohstoffmarkt ist in der gegenwärtigen Lage nicht absehbar. Umso wichtiger ist es, die eigene Kostenstruktur kritisch zu hinterfragen und Lieferketten widerstandsfähiger aufzustellen“, unterstreicht Bernd Jung.
Auslastung und Investitionen
Die Kapazitätsauslastung liegt bei durchschnittlich 81 % und damit unverändert zum Vorquartal. Jedes dritte Unternehmen bleibt unter der 80-%-Marke, nur knapp jedes fünfte arbeitet am oberen Kapazitätslimit.
Seit drei Jahren ist die durchschnittliche Auslastung nicht mehr über 90 % gestiegen. Die anhaltend niedrige Auslastung dürfte auch ein Grund dafür sein, dass der Fachkräftemangel an Bedeutung verliert.

Auch die Investitionsbereitschaft bleibt verhalten. 18 % planen steigende Investitionen, 21 % rechnen mit einem Rückgang, 59 % gehen von stabilen Investitionen aus. Kurzfristig haben die beschlossenen Sondervermögen des Bundes bislang keinen spürbaren Impuls gesetzt.
„Vereinzelte Hoffnungssignale ändern nichts daran, dass der Maschinen- und Anlagenbau weiter unter hohem Veränderungsdruck steht. Bis 2030 wird sich der Automatisierungsgrad im Maschinenbau weltweit nahezu verdreifachen. Deutsche Unternehmen investieren in KI und Automatisierung, jedoch häufig projektbezogen und mit Fokus auf konkrete Kundenanwendungen. Mit Blick auf China gilt es für den deutschen Maschinenbau, noch mutiger den Automatisierungsgrad zu beschleunigen“, ergänzt Bernd Jung abschließend.
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