Frauen bekommen für die gleiche Arbeit immer noch deutlich weniger Geld als Männer. Darauf weist einmal mehr der Equal Pay Day hin, der heuer auf den 5. November fiel. Die aktuelle Datenauswertung der Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu basiert auf 75.844 Gehaltsangaben (Brutto-Jahresgehälter) von Arbeitnehmer:innen in Österreich.
Anders als bei der Berechnung des Equal Pay Day analysiert kununu ausschließlich Daten aus dem laufenden Kalenderjahr und zieht neben Voll- auch Teilzeitjobs in Betracht.
Einblicke in den Arbeitsmarkt
Der Einkommensunterschied ist auf nationaler Ebene zwar leicht geschrumpft, macht in einigen Bundesländern aber weiterhin fast ein Fünftel des Gehalts aus. Zudem veranschaulichen die Daten, dass das geschlechtsbedingte Gehaltsgefälle in Österreich nicht nur mit steigender Berufserfahrung wächst, sondern auch schon beim Berufseinstieg durchschnittlich 12,4 Prozent beträgt.

„Mehr Dienstjahre bedeuten im Schnitt auch eine größere Gehaltsschere. Bei drei bis sechs Jahren Berufserfahrung liegt das Arbeitsentgelt von Frauen 13,5 Prozent unter jenem der Männer. Bei über zehn Jahren Berufserfahrung beträgt der Unterschied bereits 19,5 Prozent. Traditionelle Geschlechterrollen in der Familie – die meist ja erst dann gegründet wird, wenn man schon mitten im Berufsleben steht – tragen in großem Ausmaß zu dieser Entwicklung bei. Allerdings ist der Einkommensunterschied schon ab dem ersten Tag im Job vorhanden. Berufseinsteigerinnen verdienen im Schnitt 12,4 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants“, analysiert Sandra Bascha, Senior Corporate Communications Manager bei kununu.
Die Auswertung liefert auch spezifische Einblicke in verschiedene Teilbereiche des Arbeitsmarkts. Beispielsweise lässt sich aus ihnen nicht nur der Gender Pay Gap beim Berufseinstieg ablesen, sondern auch, in welchen Jobs die Gehaltsschere am kleinsten beziehungsweise größten ausfällt.
Im Jahr 2026 gab es lediglich vier Berufsfelder, in denen Berufseinsteigerinnen ein höheres Einkommen erzielten als ihre männlichen Kollegen:
Am deutlichsten fiel der Vorsprung in der Gastronomie aus, wo Service-Mitarbeiterinnen um 4,1 Prozent mehr verdienten. Auch in der Logistik (plus 3,1 Prozent) und im IT-Support (plus 2,1 Prozent) lagen die Einstiegsgehälter von Frauen über jenen der Männer. Bei kaufmännischen Angestellten betrug der Unterschied hingegen nur 0,2 Prozent
Am unteren Ende des Gehaltsvergleichs rangierten hingegen Customer-Service-Managerinnen und Vertriebsmitarbeiterinnen. Ihre Einstiegsgehälter lagen im ersten Berufsjahr durchschnittlich um 14,7 beziehungsweise 15,0 Prozent unter jenen ihrer männlichen Kollegen. Damit zeigten sich gerade in diesen Berufsfeldern besonders ausgeprägte geschlechterspezifische Einkommensunterschiede.
Einkommensgleichheit bleibt die Ausnahme
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern spiegeln sich auch in den einzelnen Berufsfeldern wider. Eine Ausnahme bildet der IT-Support, wo Frauen unabhängig von ihrer Berufserfahrung durchschnittlich um 0,8 Prozent mehr verdienen als Männer.
„IT-Support ist ein klassisches Beispiel für ein Berufsfeld, in dem Ausbildung und Qualifikation nicht nur tonangebend sind, sondern sich auch im Gehalt niederschlagen. Stufensysteme mit Gehaltsbändern tragen dazu bei, dass der Entgelt für Frauen im Karriereverlauf nicht hinter jenen der Männer zurückfällt“, erörtert Sandra Bascha.

Nur in einem weiteren Tätigkeitsbereich fällt der Einkommensvergleich zugunsten der Frauen aus: Buchhalterinnen erzielen ein um 0,7 Prozent höheres Gehalt, obwohl sie beim Berufseinstieg noch um 0,8 Prozent hinter ihren männlichen Kollegen liegen. Anders stellt sich die Situation im Vertrieb dar. Dort beträgt der Gehaltsnachteil von Frauen nach den ersten drei Berufsjahren rund 15 Prozent und liegt in der allgemeinen Auswertung sogar bei 19,9 Prozent.
„Wo Einkommen stark an Provisionen, Ziele und Kundengebiete gekoppelt sind, wächst der Gehaltsunterschied mit steigender Berufserfahrung. Unterschiede bei Gehaltsverhandlungen zum Einstieg können sich über Provisionen und Gehaltsrunden über Jahrzehnte hinweg fortschreiben. Anders sieht die Ausgangslage etwa beim Berufseinstieg als Service-Mitarbeiterin aus. Dass Frauen hier in puncto Gehalt vor den Männern liegen, dürfte unter anderem auf unterschiedliche Einsatzbereiche und die damit gekoppelten Zuschläge zurückzuführen sein. Männer arbeiten in der Gastronomie häufiger in der Küche oder als Hilfskräfte. Dadurch erhalten weniger Männer als Frauen die Abend-, Wochenend- und Feiertagszuschläge, die im Service weit verbreitet sind“, erklärt Sandra Bascha.
Branchen und Bundesländer
Auch zwischen den einzelnen Branchen zeigt sich eine erhebliche Spannweite bei den geschlechterspezifischen Einkommen.
Nahezu ausgeglichen war die Entlohnung 2026 im Tourismussektor, wo Frauen durchschnittlich lediglich 0,1 Prozent weniger verdienten als Männer. Vergleichsweise geringe Einkommensunterschiede wiesen auch der Maschinenbau (6,0 Prozent), die Druck- und Verpackungsindustrie (7,2 Prozent), die Automobilbranche (9,6 Prozent) sowie Bau und Architektur (9,8 Prozent) auf.
Deutlich größer fiel das Gefälle hingegen in anderen Wirtschaftszweigen aus. Zu den fünf Branchen mit den höchsten Einkommensunterschieden zählten die Banken (16,2 Prozent), die Versicherungen (16,4 Prozent), der Dienstleistungssektor (16,7 Prozent), das Bildungswesen (17,2 Prozent) und die Telekommunikation, wo Frauen im Durchschnitt um 18 Prozent weniger verdienten als Männer.
„Die große Kluft zwischen den Branchen Maschinenbau und Telekommunikation, lässt sich unter anderem dadurch erklären, wie Gehälter entstehen: Wo Führungs- und Spezialist:innenrollen besonders hoch vergütet werden und Aufstiegswege weniger klar sind, wächst der Abstand“, ergänzt die Expertin.
Auch auf regionaler Ebene fällt das geschlechterspezifische Einkommensgefälle unterschiedlich stark aus.
Am geringsten ist es im Burgenland, wo Frauen durchschnittlich 11,7 Prozent weniger verdienen als Männer. Wien (15,3 Prozent) und Niederösterreich (15,7 Prozent) folgen mit etwas größerem Abstand. Im Mittelfeld liegen Oberösterreich (16,7 Prozent), Kärnten (17,0 Prozent), Vorarlberg (17,2 Prozent) und Salzburg (17,9 Prozent).
Am anderen Ende der Skala finden sich Tirol mit 18,0 Prozent und die Steiermark, wo der Einkommensunterschied mit 19,2 Prozent österreichweit am höchsten ausfällt.
