Vor dem „Hessischen Abend“ fand noch die 71. Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) statt. Nach rückläufigen Ergebnissen in den Jahren 2023 und 2024 haben sich die deutsch-österreichischen Handlungsbeziehungen zwar wieder erholt, doch von einem Aufschwung kann noch nicht die Rede sein und die Herausforderungen sind nach wie vor groß.
„Angesichts der anhaltenden Inflationsrisiken sind in Österreich und Deutschland derzeit moderate Lohnsteigerungen das Gebot der Stunde“, betonte Hans Dieter Pötsch, Präsident der DHK.
So verständlich der Wunsch nach einem vollständigen Ausgleich der Kaufkraftverluste sei, müssten die Tarifpartner in Deutschland und Österreich auch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen im Blick behalten. Wichtig sei es nun, die Teuerung nicht weiter anzuheizen und den Unternehmen Spielraum für Investitionen zu erhalten.
Bürokratieabbau im Fokus
„Deutschland und Österreich stehen vor vergleichbaren Herausforderungen: einem weiterhin schwachen wirtschaftlichen Umfeld, hohen Energie- und Standortkosten, zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck sowie einer immer komplexeren Regulierung“, analysiert Hans Dieter Pötsch.
Insbesondere an den von der Politik angekündigten Bürokratieabbau knüpft der DHK Präsident Erwartungen:
„Der Abbau ist bislang in unseren Unternehmen kaum angekommen.“
Umso wichtiger sei es, dass Deutschland und Österreich ihre Stärken gemeinsam nutzen. Diese sieht Hans Dieter Pötsch in den leistungsfähigen Industrieunternehmen, den hervorragenden Fachkräften sowie der international anerkannten Forschungs- und Technologiekompetenz beider Länder.
Ehrung langjähriger Mitglieder
Im Zuge der Feierlichkeiten im Wiener Innenstadtpalais Niederösterreich ehrte die Deutsche Handelskammer in Österreich ihre langjährigen Mitgliedsunternehmen.

Für ihre 70-jährige Mitgliedschaft gewürdigt wurden RHI Magnesita GmbH und die beiden Industrie- und Handelskammern für Niederbayern in Passau sowie Frankfurt am Main. Auf 60 Jahre Mitgliedschaft und enge Verbindung mit der DHK blicken die Messe Offenbach GmbH und die ÖSWAG Werft Linz GmbH zurück.
Für ihre 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden die Deutsche Zentrale für Tourismus e. V., die Gebrüder Weiss Gesellschaft m.b.H., GPK Pegger Kofler & Partner Rechtsanwälte GmbH & Co KG sowie XERVON Austria GmbH.
Hessischer Abend bringt Wirtschaft und Politik zusammen
Im Anschluss an die Generalversammlung luden das Land Hessen und die Deutsche Handelskammer in Österreich zum „Hessischen Abend“. Im Mittelpunkt stand die Zusammenarbeit zwischen Österreich und einem der wirtschaftsstärksten deutschen Bundesländer.
„Hessen ist ein bedeutendes europäisches Wirtschaftsdrehkreuz, ein führender Standort für Weltmarktführer, Hochtechnologie und Finanzwirtschaft“, stellte Hans Dieter Pötsch das deutsche Bundesland vor.
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein betonte in seiner Festrede die enge Partnerschaft zwischen Hessen und Österreich, die von wirtschaftlicher Stärke, Innovationskraft und gegenseitigem Vertrauen geprägt sei.

„Wir teilen Werte wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sowie die feste Überzeugung, dass sich Leistung lohnen muss. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten kommt es darauf an, diese Zusammenarbeit weiter zu vertiefen – in der Gesundheitswirtschaft, bei Industrie 4.0 und Automatisierung, bei Elektromotoren und Mobilität. Gemeinsam wollen wir neue Chancen für Unternehmen erschließen, Freiräume für unternehmerisches Handeln schaffen und Europa als wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort stärken“, verdeutlicht Boris Rhein.
Als Vertreter der österreichischen Bundesregierung bedankte sich Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung, Verfassung, öffentlichen Dienst, Koordinierung und Kampf gegen Antisemitismus, in seinen Grußworten für die gute Zusammenarbeit von Hessen mit Österreich:
„Wir haben die Chance, Dinge positiv zu verändern“, so Alexander Pröll mit Verweis auf Künstliche Intelligenz und die aktuellen Transformationsprozesse in der Wirtschaft. „Es liegt an uns, diese Chancen bestmöglich zu nutzen.“
LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf hob in Vertretung der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Bedeutung der Energieversorgung für die Wirtschaft hervor. Niederösterreich setze dabei stark auf den Ausbau erneuerbarer Energie, insbesondere der Windkraft. Gemeinsamkeiten von Niederösterreich mit Hessen sieht Stephan Pernkopf nicht nur in der Innovationskraft beider Regionen, sondern auch in der Kultur und dem Weinbau.
Mehr als 200 Gäste nutzten die Gelegenheit zur Vernetzung und zum Austausch. Unter ihnen die DHK Präsidiumsmitglieder Axel Kühner (ASK Management), Elisabeth Hintermann (Mühldorfer GmbH & Co. KG), Thomas Birtel, Joachim Schönbeck (Andritz AG) sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik beider Länder, wie der deutsche Botschafter Vito Cecere, Willibald Ehrenhöfer (Zukunftsressort des Landes Steiermark), Jürgen Ratzinger (Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main), Björn Hertzer (Deutsche Bank), Helmut Weinwurm (Robert Bosch), Mahmut Türker (Airbus Defence and Space), Peter Koren (Industriellenvereinigung) u.v.m.
