PwC-Studie: Die Mehrheit der geplanten ETFs in Europa wird eine ESG-Ausrichtung haben

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Thomas Steinbauer, Asset & Wealth Management Leader bei PwC Österreich

18.03.2022 | 2 min

PwC-Studie: Die Mehrheit der geplanten ETFs in Europa wird ESG-Ausrichtung haben

Umfrage unter 60 globalen Anbietern zeigt, dass Unternehmen sowohl auf regulatorischen Druck als auch auf die Nachfrage der AnlegerInnen reagieren.

Laut einer aktuellen PwC-Studie wird die Mehrheit der börsengehandelten Fonds (ETFs), die im nächsten Jahr in Europa aufgelegt werden, einen ökologischen, sozialen oder Governance-Ansatz haben. So gaben 80 Prozent der in Europa befragten ETF-Anbieter an, dass sie mehr als die Hälfte ihrer Produkte mit einem ESG-Ansatz investieren werden.

Veränderte Wettbewerbsdynamik

Die Anbieter reagieren damit vermehrt auf die starke Nachfrage von Anlegern sowie auf Regulierungen, die den ETF-Markt, der sich bis 2026 weltweit von heute 10 Billionen US-Dollar auf 20 Billionen US-Dollar verdoppeln soll, spürbar unter Druck setzen. Thomas Steinbauer, Asset & Wealth Management Leader bei PwC Österreich, erklärt: „Der Zustrom neuer Produkte und Teilnehmer verändert die Wettbewerbsdynamik auf dem ETF-Markt. Während der Wettbewerb zunimmt, bieten sich auch Chancen durch neue Produkte, Märkte und Vertriebskanäle. Beeindruckend ist auch, dass sich das Wachstum in verschiedenen Phasen der Marktvolatilität und der Unsicherheit im Zusammenhang mit der Pandemie aufrechterhalten hat. Die ETFs stellen sich weiterhin jeder Herausforderung.“

Große Chancen, aber auch Herausforderungen

Während weltweit 46 Prozent der befragten ETF-Anbieter erwarten, dass mehr als die Hälfte ihrer Produkteinführungen im kommenden Jahr einen Fokus auf ESG haben werden, sind es in Europa sogar über 80 Prozent. Viele AnlegerInnen beginnen mittlerweile, die ESG-Performance genauso eingehend zu prüfen wie finanzielle Erträge.

In Europa stehen Anbieter jedoch vor regulatorischen Herausforderungen, einschließlich einer „Fülle an ESG-Bezeichnungen und Berichtsanforderungen in verschiedenen Märkten, die selten einheitlich sind“, so die Studie. Die Einhaltung von Artikel 8 und 9 der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFRD) könnte für ETFs, die breite kapitalgewichtete oder thematische Indizes vollständig nachbilden, problematisch werden. „Das Fehlen eines vereinbarten, kohärenten und verbindlichen Rahmens für die Offenlegung, der mit den Rechnungslegungsstandards vergleichbar ist, hat hier zu Unsicherheit geführt. Emittenten stehen auch vor der Herausforderung, verlässliche und konsistente Daten zu beziehen, und treffen auf Unsicherheiten in Bezug auf ESG-Ratings und Scoring“, erklärt Thomas Steinbauer. Laut der PwC-Studie werden die regulatorischen Anforderungen im Zuge der Zusagen, die 2021 auf der UN-Klimakonferenz gemacht wurden, voraussichtlich ebenso steigen.

So gaben 46 Prozent der Anbieter in Europa an, die Auflegung eines Krypto-ETF zu planen, würden die Regulierungsbehörden die Zulassung dazu erteilen – ein weitaus größerer Anteil als in jeder anderen Region.

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Allzeithoch der Produktinnovation

Getrieben durch eine vermehrte Nachfrage nach Veränderung nimmt die Entwicklung und Einführung nicht-traditioneller Produkte wie thematischen und Krypto-ETFs stark an Fahrt auf. Insbesondere die Nachhaltigkeitsagenden treiben ein erhebliches Wachstum bei thematischen ETFs voran, die sich auf langfristige Trends wie technologische Durchbrüche, demografische Entwicklungen oder Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit konzentrieren. In einigen Märkten existieren jedoch nach wie vor rechtliche Hürden, die das Tempo der Produktionsinnovation hemmen oder verlangsamen.

So gaben 46 Prozent der Anbieter in Europa an, die Auflegung eines Krypto-ETF zu planen, würden die Regulierungsbehörden die Zulassung dazu erteilen – ein weitaus größerer Anteil als in jeder anderen Region.

Digitales Engagement und Online-Plattformen nehmen zu

Eine große Mehrheit (84 %) der weltweiten UmfrageteilnehmerInnen erwartet in den nächsten zwei bis drei Jahren einen erheblichen Anstieg an Online-Investing-Plattformen und erklärt diese als die wichtigste Quelle für die erwartete ETF-Nachfrage. Thomas Steinbauer kommentiert: „Die zunehmende Digitalisierung des ETF-Vertriebs kann Kosten senken, die Zugänglichkeit verbessern und neue Interessenten anziehen. Eine Kombination aus Pandemie und einer neuen Generation von AnlegerInnen, die in den ETF-Markt einsteigen, hat den Startschuss für Robo-Advice und verstärktes digitales Engagement gegeben.“

Auch der weltweite Zustrom an Geldern in Verbindung mit der zunehmenden Innovation eröffnet mehr Anlagemöglichkeiten und eine größere Auswahl für die Kunden. „Die Notwendigkeit, sich in einem zunehmend überfüllten und wettbewerbsintensiven Umfeld hervorzuheben, wird die weitere Entwicklung vorantreiben. Die Gewinner werden diejenigen sein, die sich schnell anpassen und die Chancen ergreifen, die das neue Umfeld nach der Pandemie mit sich bringt. Dazu gehören aktive ETF-Modelle, ESG- und Krypto-ETFs sowie Online-Plattformen,“ erklärt Thomas Steinbauer.

Mehr Infos zur Studie finden Sie hier

Über die Studie

Die Umfrage wurde Ende 2021 unter 60 führenden Executives der Vermögensverwaltungsbranche weltweit durchgeführt. Drei Viertel der TeilnehmerInnen waren ETF-Manager oder Sponsoren. Die übrigen Befragten setzten sich aus Dienstleistern, Market Makern und Vermögensverwaltern zusammen, die derzeit keine ETFs anbieten. Zusammen machen die teilnehmenden Firmen über 80 Prozent des weltweiten ETF-Vermögens aus.