Frauen treffen Geldentscheidungen und kommunizieren offener über Geld als Männer Bankenverband BAWAG Group Bankenverband

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V.l.n.r.: Gerald Resch/Generalsekretär des Bankenverbands, Valeska Grond-Szucsich/Senior Legal Expert beim Bankenverband und Projektverantwortliche, Enver Sirucic/Vorstandsmitglied des Bankenverbands und CFO der BAWAG Group.

20.01.2022 | 3 min

Frauen treffen Geldentscheidungen und kommunizieren offener über Geld als Männer

Der Bankenverband und die BAWAG Group untersuchten den Umgang mit Geld von Frauen im Vergleich zu Männern und die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Nicht das Geschlecht, sondern der Bildungsgrad ist für einen selbstbestimmten Umgang mit Geld entscheidend. Es gibt beim Umgang mit Geld heute kaum noch Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen reden allerdings offener über Geldthemen und besprechen Finanzentscheidungen häufiger mit ihrem Umfeld. Das zeigt die aktuelle Studie des Bankenverbands und der BAWAG Group zum Thema „Frauen und Finanzen“. „Frauen agieren bei ihren Finanzentscheidungen ebenso selbstbestimmt und unabhängig wie Männer. Besonders junge und gebildete Frauen haben ein hohes Interesse an Geld-, Finanz- und Wirtschaftsthemen“, sagt Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbands bei der Studienpräsentation. „Mit der Corona-Pandemie sind die finanziellen Sorgen in der Bevölkerung gestiegen“, erläutert Enver Sirucic, CFO der BAWAG Group. 29% der Frauen haben mehr finanzielle Sorgen als vor Corona, bei Männern sind es 25%.

Pandemie verändert den Umgang mit Geld

Neben den coronabedingten Geldsorgen der ÖsterreicherInnen hat die Pandemie das Geldleben generell verändert. „Die Risikobereitschaft bei Veranlagungen hat tendenziell abgenommen und die einzelnen Ausgaben werden stärker hinterfragt“, betont Sirucic. 29% der Frauen und 23% der Männer haben seit der Krise weniger Bereitschaft, Geld mit höherem Risiko anzulegen. Vier von zehn Frauen und drei von zehn Männern hinterfragen ihre Ausgaben stärker als vor der Krise.

Kaum Unterschiede in der Selbsteinschätzung

„Frauen und Männer schätzen ihren eigenen Umgang mit Geld nahezu gleich gut ein“, erklärt Resch. 76% der befragten Frauen und 75% der befragten Männer attestieren sich selbst einen „guten Umgang mit Geld“. Lediglich 6% der Frauen und Männer sagen, dass sie schlecht mit Geld umgehen. Unterschiede bei Finanzthemen zeigt die Studie in der Kommunikation. Männer treffen finanzielle Entscheidungen häufiger allein als Frauen dies tun. Frauen halten öfter Rücksprache zu ihren Finanzentscheidungen: 32% der Frauen, jedoch nur 22% der Männer diskutieren Investitionen mit ihrem Umfeld, bevor sie eine Entscheidung treffen. „Mit dem Bildungsgrad wächst die Autonomie in der Entscheidung“, erläutert der Generalsekretär des Bankenverbands. Die Hälfte (50%) der befragten Frauen mit Uni- oder FH-Abschluss treffen finanzielle Entscheidungen selbständig. Bei Frauen ohne Matura liegt der Wert bei 39% und mit Matura bei 42% Die Studie zeigt weiters, dass Frauen tendenziell offener über Geld sprechen als Männer. 57% der Frauen und 54% der Männer unterhalten sich „sehr offen“ mit ihrem Umfeld über Finanzen. 16% beider Geschlechter reden gar nicht darüber.

Die Mutter als Finanzexpertin

„Den Umgang mit Geld haben die Befragten stärker von ihrer Mutter als von ihrem Vater gelernt. 56% der Frauen und 51% der Männer geben an, dass sie das Wissen von ihrer Mutter erhalten haben. Lediglich 38% der Frauen und 45% der Männer nennen an dieser Stelle den Vater. Der Großteil der Befragten sagen, dass sie ihr Wissen über Geldthemen sich selbst beibringen. 55% der Frauen und 58% der Männer haben sich ihr Finanzwissen „selbst beigebracht“, so die Studie. Die Schule spielt hier eine geringe Rolle“, sagt Resch und ergänzt: „Ein systematischerer Zugang könnte Abhilfe schaffen – etwa über die Institutionalisierung von Finanzbildung im Schulunterricht“.

Getrübter Blick in die persönliche finanzielle Zukunft

„Frauen beurteilen ihre persönliche finanzielle Zukunft pessimistischer als ihre aktuelle Lage. Männer sind in dieser Frage wesentlich optimistischer“, erläutert Sirucic die Studienergebnisse. 47% der Frauen sehen ihre aktuelle finanzielle Situation optimistisch, während dies nur 36% für ihre eigene Zukunft erwarten. 55% der Männer sehen ihre aktuelle finanzielle Situation optimistisch, 45% erwarten dies für ihre eigene Zukunft. „Die Zuversicht kommt mit zunehmendem Alter“, betont der BAWAG Group-Vorstand und ergänzt: „Frauen ab 50% äußern sich zur aktuellen und zukünftigen finanziellen Situation deutlich optimistischer als jüngere Frauen.“

Gut vorbereitet auf die Pension fühlt sich etwa ein Drittel (34%) der Frauen. 27% sehen sich selbst „nicht gut gerüstet“ dafür. „Die Einschätzung der eigenen aktuellen finanziellen Situation korreliert mit dem Gefühl, besser oder schlechter vorbereitet zu sein“, erläutert Sirucic. 61% der Befragten, die sich heute finanziell sorgenfrei fühlen, sagen, dass sie „gut vorbereitet“ sind. Im Vergleich dazu gibt dies nur jede fünfte Frau an, die aktuell in einer finanziell angespannten Situation ist.

„Bildung ist der Schlüssel zur finanziellen Eigenständigkeit von Frauen. Frauen sehen sich als unabhängig und selbstbestimmt – und wollen das auch in der Pension sein. Die finanzielle Zukunft wird jedoch weniger positiv gesehen als die aktuelle Situation“, fasst Valeska Grond-Szucsich, Senior Legal Expert beim Bankenverband und Projektverantwortliche, die Ergebnisse zusammen.

Studiendetails

  • Marketmind im Auftrag von Bankenverband und BAWAG Group
  • 1.314 Befragte zwischen 18 und 65 Jahren, repräsentativ für Österreich nach Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland
  • Befragungszeitraum: Herbst 2021