Wie verteilen Unternehmen 2027 ihre verfügbaren Personalbudgets?

57 Prozent der Betriebe wollen ihre Mittel auf High Performer und Schlüsselpositionen konzentrieren.
© Kienbaum
Wie verteilen Unternehmen 2027 ihre verfügbaren Personalbudgets?
David Jaksch, Manager Compensation & Performance Management bei Kienbaum.

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Das Beratungsunternehmen Kienbaum hat seine aktuelle Gehaltsentwicklungsprognose für das Jahr 2027 veröffentlicht. Mehr als 1.500 Unternehmen nahmen an der Befragung teil. Nach der Bereinigung von Ausreißern, unplausiblem Antwortverhalten und unvollständigen Angaben wurden 1.039 Datensätze ausgewertet.

Die Gehälter in Österreich werden 2027 voraussichtlich um durchschnittlich 2,9 Prozent steigen. Bei einer prognostizierten Inflation von 2,6 Prozent entspricht das einer realen Gehaltsentwicklung von 0,3 Prozent.

Spezialisten mit stärkstem Gehaltsanstieg

Die prognostizierte Gehaltsentwicklung unterscheidet sich in Österreich leicht nach Hierarchieebene.

Wie verteilen Unternehmen 2027 ihre verfügbaren Personalbudgets?
© Kienbaum / Prognose zur Gehaltsentwicklung 2027

Für Spezialist:innen und Fachkräfte erwarten die befragten Unternehmen mit durchschnittlich 3 Prozent den stärksten Anstieg. Für das Top Management werden 2,6 Prozent prognostiziert. Im Senior, Middle und Lower Management liegen die erwarteten Steigerungen jeweils bei 2,8 Prozent.

Im DACH-Vergleich liegt der für Österreich ausgewiesene Durchschnitt von 2,9 Prozent über den Werten für Deutschland mit 2,6 Prozent und für die Schweiz mit 1,1 Prozent. Aufgrund der unterschiedlichen Inflationserwartungen fällt die reale Entwicklung anders aus: Für Österreich und Deutschland weist die Studie jeweils 0,3 Prozent aus, für die Schweiz 0,6 Prozent.

Kollektivverträge begrenzen freien Gestaltungsspielraum

Österreich stellt innerhalb des DACH-Raums eine strukturelle Besonderheit dar. Laut Studie dominieren bei 75 Prozent der österreichischen Unternehmen die Kollektivverträge die Gehaltsentwicklung und begrenzen den frei steuerbaren Anteil des Budgets.

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© Kienbaum / Prognose zur Gehaltsentwicklung 2027

Nur 3 Prozent der österreichischen Unternehmen geben an, ihr Gehaltserhöhungsbudget vollständig frei einsetzen zu können. Bei 21 Prozent sind bis zu 10 Prozent des Budgets durch externe oder regulatorische Vorgaben gebunden. Bei 12 Prozent sind zwischen 11 und 50 Prozent, bei 15 Prozent zwischen 51 und 75 Prozent und bei 49 Prozent mehr als 75 Prozent gebunden.

„Unternehmen schauen bei der Gehaltsrunde genauer darauf, wo die aktuell eher knappen Mittel tatsächlich eingesetzt werden sollen. Leistung, Schlüsselpositionen und die wirtschaftliche Situation des eigenen Unternehmens gewinnen dabei an Gewicht. Gleichzeitig lässt der breite Druck durch den Fachkräftemangel nach“, erörtert David Jaksch, Manager im Bereich Compensation & Performance Management bei Kienbaum.

Leistung und Equal Pay gewinnen in Österreich an Bedeutung

57 Prozent der österreichischen Unternehmen wollen ihr Budget auf High Performer und Schlüsselpositionen konzentrieren. Im Vorjahr waren es 41 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die die Gehaltsrunde für Equal-Pay-Anpassungen nutzen, von 31 auf 48 Prozent gestiegen.

Die Studie ordnet diese Entwicklung in die besondere Budgetsituation in Österreich ein: Wo nur ein kleiner Teil des Budgets frei steuerbar ist, wird selektiver entschieden, wofür dieser Spielraum eingesetzt wird.

Stabiler wirtschaftlicher Ausblick für Österreich

60 Prozent der österreichischen Unternehmen bewerten ihre mittelfristigen Ergebnisaussichten als stabil. 21 Prozent schätzen sie optimistisch und 19 Prozent pessimistisch ein.

© Kienbaum / Prognose zur Gehaltsentwicklung 2027

Bei den Personalkostenbudgets planen 43 Prozent der österreichischen Unternehmen eine leichte Erhöhung zwischen 1 und 5 Prozent. Ein Prozent erwartet eine Erhöhung um mehr als 5 Prozent. 31 Prozent planen keine Veränderung von mehr als plus oder minus 1 Prozent. 19 Prozent erwarten eine leichte Reduktion zwischen 1 und 5 Prozent, 7 Prozent eine Reduktion um mehr als 5 Prozent.

Arbeitsmarkt entspannt sich bei anhaltendem Gehaltsdruck

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf die Gesamtstichprobe: 55 Prozent der befragten Unternehmen geben an, offene Stellen leichter besetzen zu können als im Vorjahr. In der vorherigen Erhebung waren es 46 Prozent. 26 Prozent beobachten sinkende Erwartungen von Bewerbenden an Einstiegsgehälter, nach 15 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig gehen 71 Prozent davon aus, dass der Druck auf wettbewerbsfähige Gehälter bestehen bleibt.

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© Kienbaum / Prognose zur Gehaltsentwicklung 2027

Auch der Fachkräftemangel verliert in der Gesamtstichprobe als Treiber der Gehaltsentwicklung an Bedeutung. 25 Prozent nennen ihn als Einflussfaktor, nach 35 Prozent im Vorjahr. Die Studie hält zudem fest, dass seine Bedeutung in Österreich und der Schweiz in den vergangenen zwei Jahren abgenommen hat; eigene Prozentwerte für diese Entwicklung weist sie nicht aus.

KI als Finanzierungshebel

Auch die Ergebnisse zu künstlicher Intelligenz beziehen sich auf die Gesamtstichprobe. 59 Prozent nennen Investitionen in KI als Hebel zur Finanzierung steigender Lohnkosten, nach 43 Prozent im Vorjahr. Damit liegt KI nahe an Produktivitätssteigerungen mit 65 Prozent und Wachstum mit 62 Prozent.

In der Personalarbeit investieren 58 Prozent der befragten Unternehmen in KI-Weiterbildung. 39 Prozent berücksichtigen KI-Kompetenzen im Recruiting. Bei Vergütungsentscheidungen spielen KI-Kompetenzen bislang bei 5 Prozent eine Rolle.

Die Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose erscheint jährlich und untersucht die erwartete Entwicklung der Gehälter sowie zentrale Einflussfaktoren auf die Vergütungsplanung von Unternehmen. Neben der nominalen Gehaltsentwicklung berücksichtigt Kienbaum die prognostizierte Inflation, um die erwartete reale Gehaltsentwicklung auszuweisen. Die Inflationsdaten stammen aus der Prognose des Internationalen Währungsfonds.

https://www.kienbaum.com

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