Whistleblowing gewinnt in Europa weiter an gesellschaftlicher Akzeptanz

Die Nutzung interner Hinweisgebersysteme durch Unternehmen steigt seit Jahren an.
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Whistleblowing gewinnt in Europa weiter an gesellschaftlicher Akzeptanz
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei NAVEX.

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Compliance hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt: Was lange Zeit vor allem als regulatorische Pflicht verstanden wurde, entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Steuerungsfunktion innerhalb von Unternehmen.

Themen wie Datenschutz, Künstliche Intelligenz und regulatorische Anforderungen erhöhen dabei die Komplexität von Compliance-Prozessen und deren Umsetzung im Unternehmensalltag. Gleichzeitig investieren viele Unternehmen verstärkt in interne Richtlinien und digitale Meldesysteme.

„In Österreich verfügen viele Organisationen heute bereits über die notwendigen Strukturen. Entscheidend ist nun, diese Systeme auch im Alltag wirksam zu verankern und Mitarbeitenden das Vertrauen zu geben, potenzielle Risiken frühzeitig anzusprechen“, erklärt Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei NAVEX.

Verstärkte Nutzung interner Meldesysteme

Die praktische Nutzung von Whistleblowing-Systemen rückt stärker in den Fokus. Seit Inkrafttreten des Hinweisgeberschutzgesetzes sind Unternehmen in Österreich ab 50 Mitarbeitenden verpflichtet, interne Meldekanäle einzurichten, über die mögliche Verstöße gemeldet werden können. Die strukturellen Voraussetzungen dafür sind damit geschaffen.

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Gleichzeitig zeigt der NAVEX-Report „2026 Whistleblowing und Compliance in Europa – Datengestützte Einblicke und Benchmarks“, dass interne Hinweisgebersysteme in Europa von Unternehmen auch zunehmend genutzt werden: Während das mediane Meldungsvolumen im Jahr 2022 bei 0,53 Meldungen pro 100 Mitarbeiter lag, stieg dieser Wert bis 2025 auf 0,85. Im Vergleich zu Nordamerika, wo das Meldevolumen bei 1,86 Meldungen pro 100 Mitarbeitende liegt, reifen Nutzung und Akzeptanz von Whistleblowing in Europa weiter.

„Niedrigere Melderaten sind kein Hinweis auf geringere Risiken im Unternehmen“, unterstreicht Oliver Riehl.

Für österreichische Unternehmen sieht der Experte deshalb vor allem eine zentrale Aufgabe: Vertrauen in interne Hinweissysteme weiter zu stärken und klar zu kommunizieren, dass Hinweise ernst genommen und professionell bearbeitet werden.

Anonymität – zwischen Schutz und Vertrauen

Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft den Anteil an anonymen Meldungen: Im Median werden 58 Prozent der Meldungen in Unternehmen auf dem europäischen Festland anonym eingereicht. Für manche Mitarbeitende ist Anonymität eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Meldungen überhaupt erst eingereicht werden. Gleichzeitig kann ein hoher Anteil anonymer Hinweise jedoch auch darauf hindeuten, dass Mitarbeiter mögliche negative Konsequenzen oder persönliche Nachteile befürchten.

„Anonymität ist ein wichtiges Instrument, um Hemmschwellen abzubauen. Langfristig müssen Unternehmen jedoch weiter daran arbeiten, Vertrauen in ihre Unternehmenskultur aufzubauen“, verdeutlicht Oliver Riehl.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass Whistleblowing-Systeme ihre volle Wirkung nicht allein durch technische Sicherheit entfalten können. Entscheidend ist, ob sie als zuverlässige und transparente Instrumente wahrgenommen werden und ob die Mitarbeiter darauf vertrauen, dass ihre Bedenken ernst genommen werden und sie vor Repressalien geschützt sind.

Bearbeitungszeiten als entscheidender Faktor

Neben der Frage, ob Hinweise überhaupt gemeldet werden, ist auch entscheidend, wie sie bearbeitet werden. Auf dem europäischen Festland ist die Medianzeit bis zum Abschluss eines Falles – 53 Tage – über mehrere Jahre hinweg generell konstant geblieben – trotz steigender Meldungszahlen.

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„Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen trotz einer höheren Fallzahl zumindest in der Lage sind, das Meldevolumen zu bewältigen“, so Oliver Riehl.

Für Organisationen ist dies jedoch mehr als eine operative Kennzahl: Langsame Prozesse und verzögerte Reaktionen erhöhen das Risiko, dass Probleme zu spät erkannt werden, außerhalb des Unternehmens eskalieren oder sich wiederholen. Gleichzeitig geht wertvolle Zeit verloren, in der Unternehmen aktiv gegensteuern können.

„Außerdem könnten Mitarbeitende das Gefühl bekommen, dass ihre Vorwürfe nicht effizient aufgearbeitet werden, was wiederum ihr Vertrauen in solche Systeme schwächt. Zeit ist im Risikomanagement ein entscheidender Faktor. Je schneller Hinweise geprüft und eingeordnet werden, desto besser können Unternehmen Risiken bewerten und geeignete Maßnahmen setzen“, informiert der Experte.

Transparenz und Compliance

Vor diesem Hintergrund verändert sich auch der Blick auf interne Meldesysteme. Unternehmen profitieren nicht von möglichst wenigen Meldungen, sondern von mehr Transparenz und einer stärkeren Nutzung aller internen Berichtsmechanismen. Hinweise liefern wichtige Informationen über potenzielle Risiken, strukturelle Schwachstellen und operative Herausforderungen.

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„Organisationen, die Hinweise systematisch auswerten und in ihre Prozesse integrieren, schaffen eine wichtige Grundlage für fundierte Entscheidungen“, ergänzt Oliver Riehl.

Gleichzeitig wächst die zugrunde liegende NAVEX EthicsPoint-Datenbank, die größte Datenbank ihrer Art, stetig weiter: Mit weltweit mehr als 2,37 Millionen ausgewerteten Fällen zeigt die neuste NAVEX-Analyse, dass Whistleblowing-Systeme heute zunehmend als integraler Bestandteil moderner Risiko- und Compliance-Strategien verstanden werden.

Nähere Informationen zum vollständigen Report finden Sie hier.

https://www.navex.com

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