Nach dem Einbruch in Reaktion auf den Kriegsbeginn im Iran stabilisierten sich die Konjunkturindikatoren zuletzt auf verhaltenem Niveau. In Österreich blieb die Stimmung der Unternehmen im Mai mehrheitlich skeptisch, wenngleich sich die Lageeinschätzungen leicht verbesserte. Die Wirtschaftsleistung expandiert moderat, getragen durch positive Impulse aus der Industrie, während die meisten Dienstleistungsbranchen schwächelten.
Welthandel
Die Straße von Hormus bleibt für den Schiffsverkehr weitgehend blockiert. Dadurch wird die zuvor robuste Entwicklung der Weltwirtschaft gebremst. Nach Angaben des Centraal Planbureau (CPB – niederländisches Büro für Wirtschaftspolitikanalyse – Anm. d. Red.) verringerte sich das Welthandelsvolumen im März gegenüber dem Vormonat um 2,1 Prozent. Besonders stark betroffen waren Afrika und der Mittlere Osten, wo Exporte und Importe deutlich zurückgingen. In den meisten Industrieländern setzte sich die Expansion des internationalen Handels hingegen fort.

„Infolge des Iran-Krieges und der Blockade der Straße von Hormus ging der internationale Handel im März zurück, vor allem in den unmittelbar betroffenen Regionen“, so die Autorin des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Sandra Bilek-Steindl.
Auch die globale Industrieproduktion verzeichnete im März einen Rückgang. Die Einschränkungen im internationalen Warenverkehr belasteten die weltweiten Lieferketten zusätzlich.
Seit Beginn der Seeblockade im Persischen Golf haben sich fossile Energieträger spürbar verteuert. Der Brent Rohölpreis stieg nach Kriegsausbruch deutlich an und lag im Mai durchschnittlich bei 104 Dollar je Barrel. Auch Erdgas verteuerte sich: Der europäische Referenzpreis Dutch TTF erreichte im Mai rund 47 Euro je MWh und lag damit um 37 Prozent über dem Vorjahreswert.
USA unter Druck
Die US-Wirtschaft zeigt sich robust. Allerdings belasten die gestiegenen Treibstoffpreise zunehmend die Konsumstimmung. Sowohl der von der University of Michigan als auch der vom Conference Board erhobene Indikator zum Verbrauchervertrauen gaben im Mai nach. Zudem stiegen die Inflationserwartungen der Haushalte für die kommenden fünf Jahre.
Die Inflationsrate erhöhte sich im April auf 3,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit Mai 2023. Vor allem Energie verteuerte sich deutlich, während die Kerninflation nur leicht auf 2,8 Prozent anzog.

Die Industrieproduktion entwickelte sich weiterhin positiv und lag im April über dem Vorjahresniveau. Auch die Einkaufsmanagerindizes signalisierten im Mai eine Expansion der Industrie und der Gesamtwirtschaft. Der Arbeitsmarkt blieb stabil: Die Beschäftigung wurde erneut ausgeweitet, während die Arbeitslosenquote unverändert bei 4,3 Prozent lag.
Stabilisierung des Euro-Raums
Die wirtschaftliche Stimmung im Euro-Raum stabilisierte sich im Mai nach dem Rückgang des Vormonats. Verbesserungen im Dienstleistungssektor und beim Verbrauchervertrauen standen einer schwächeren Einschätzung in Industrie, Einzelhandel und Bauwesen gegenüber.
Der Außenhandel der EU entwickelte sich im ersten Quartal rückläufig. Sowohl Importe als auch Exporte lagen unter dem Vorjahresniveau. Besonders stark gingen die Ausfuhren in die USA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück.
Robust zeigte sich hingegen der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote im Euro-Raum verharrte im April bei 6,3 Prozent, während die Jugendarbeitslosigkeit leicht zurückging. Die Inflation erhöhte sich im Mai geringfügig auf 3,2 Prozent. Bereits im April hatten insbesondere höhere Energie- und Kraftstoffpreise den Preisauftrieb verstärkt.

In Deutschland blieb die wirtschaftliche Aktivität im Mai gedämpft. Zwar verbesserte sich die Stimmung der Unternehmen laut ifo Geschäftsklimaindex wieder etwas, nachdem sie zuvor deutlich nachgegeben hatte. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen entwickelten sich günstiger.
Österreich mit verbesserter Lageeinschätzung
Die Ergebnisse zeigen ebenso eine leichte Verbesserung der Lageeinschätzungen in der österreichischen Wirtschaft. Die Erwartungen für die kommenden Monate blieben jedoch weiterhin verhalten. Belastend wirkten vor allem die Unsicherheit infolge des Iran Krieges sowie die gestiegenen Energiepreise.
In den meisten Wirtschaftsbereichen hellte sich die Stimmung gegenüber dem Vormonat auf. Eine Ausnahme bildete der Einzelhandel, wo sich die Einschätzungen erneut verschlechterten.

Die Bauwirtschaft entwickelte sich günstiger und überschritt wieder die Nulllinie. Die Erwartungen für die nächsten Monate veränderten sich insgesamt nur wenig.
Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im Mai leicht auf 51,7 Punkte und signalisiert damit weiterhin ein geringfügiges Wachstum.
Wirtschaftsleistung
Die aktuelle Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) zeigt für Österreich im ersten Quartal 2026 ein moderates Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent und setzte damit die seit sechs Quartalen anhaltende Expansionsphase fort. Im Jahresvergleich lag die Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent höher.
Die Sachgütererzeugung entwickelte sich zu Jahresbeginn weiterhin dynamisch und verzeichnete erneut Zuwächse. In der Bauwirtschaft ging die Wertschöpfung hingegen abermals zurück. Die Dienstleistungsbereiche zeigten ein uneinheitliches Bild, wobei konsumnahe Branchen und Teile des Handels sowie Verkehrs und der Gastronomie Rückgänge verzeichneten, während andere marktorientierte Dienstleistungen zulegten.
Die private Konsumnachfrage blieb insgesamt verhalten, lag jedoch leicht über dem Niveau des Vorquartals.
Der Außenhandel verlief im ersten Quartal ebenfalls schwach. Sowohl Exporte als auch Importe gingen laut VGR gegenüber dem Vorquartal zurück. Im Vorjahresvergleich ergab sich jedoch ein positiveres Bild, da die nominellen Ausfuhren und Einfuhren im Zeitraum Jänner bis März zulegten.

Die Inflationsrate stieg laut Schnellschätzung von Statistik Austria im Mai auf 3,7 Prozent. Besonders Dienstleistungen trugen aufgrund ihres hohen Gewichts im Warenkorb weiterhin wesentlich zum Preisauftrieb bei. Auch Nahrungsmittel sowie Industriegüter ohne Energie verteuerten sich, während die Energiepreise im Jahresvergleich zwar weiter stiegen, sich der Anstieg jedoch leicht abschwächte.

Die Zahl der Arbeitslosen inklusive Schulungsteilnahmen lag Ende Mai bei 378.300 Personen und damit leicht über dem Vorjahreswert. Während die Arbeitslosigkeit bei Männern geringfügig zurückging, nahm sie bei Frauen zu. Die Arbeitslosenquote lag nach nationaler Definition bei 7,1 Prozent.
Nähere Informationen zum vollständigen Bericht finden Sie hier.
