Die Nebensaison gewinnt für den heimischen Tourismus zunehmend an Bedeutung und ist laut einer aktuellen Auswertung der Österreich Werbung (ÖW) ein Segment mit starker Wertschöpfung.
„Die Menschen denken längst nicht mehr in Saisonen, und das belegt auch die Studie. Frühling und Herbst ziehen attraktive Gästeschichten an, was die ÖW-Strategie zum Ganzjahrestourismus bestätigt. Der ganzjährige Tourismus hilft dabei, Investitionen rentabler zu machen und dauerhafte Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärt Astrid Steharnig-Staudinger, CEO der Österreich Werbung.
Hochwertiges Segment
Laut der Studie „T-MONA Nebensaisonen 2025“ (T-MONA – Tourismus-Monitor Austria – Anm. d. Red.) ist die Nebensaison weit mehr als eine abgeschwächte Variante des Sommers. Sie hat sich zu einem eigenständigen und hochwertigen Tourismussegment entwickelt.

Der typische Gast im Frühling und Herbst ist mit einem Durchschnittsalter von rund 53 Jahren vergleichsweise älter, etwa die Hälfte ist 55 Jahre oder älter. Er ist gut gebildet und verfügt über eine überdurchschnittliche Kaufkraft. Gereist wird überwiegend zu zweit oder allein, deutlich seltener als Familie.
Die einzelnen Merkmale hängen eng miteinander zusammen, wobei der Ferienkalender eine zentrale Rolle spielt. Da Frühling und Herbst außerhalb der Schulferien liegen, fällt die Familie als zentrale Zielgruppe weitgehend weg. Stattdessen dominieren zeitlich flexible und häufig ältere, gut situierte Paare.
Dieses Profil erklärt zahlreiche weitere Ergebnisse der Studie: Die Aufenthalte fallen kürzer aus, weil lange Familienurlaube seltener sind. Hotels werden Ferienwohnungen vorgezogen (bevorzugt werden 4-Sterne-Hotels), da der Bedarf an Selbstversorgung geringer ist. Die höhere Kaufkraft schlägt sich in entsprechend höheren Tagesausgaben nieder.

Pro Person und Tag geben Gäste im Frühling 228 Euro und im Herbst 198 Euro aus – mehr als im Sommer (188 Euro). Höher sind die Ausgaben nur im Winter (239 Euro). Am häufigsten entscheiden sich die Gäste für ein 4-Sterne-Hotel.
Angebot, Erholung und Genuss
Frühling und Herbst weisen zugleich ein deutlich unterschiedliches Profil auf. Der Herbst ist stärker von Kultur, Tradition und Wandern geprägt, internationaler ausgerichtet und stärker von der Gewinnung neuer Gäste bestimmt. Der Frühling präsentiert sich hingegen als frischere, stärker auf Wasser und Genuss ausgerichtete Saison.

Natur und Landschaft zählen zu den häufigsten Gründen für die Wahl der konkreten Urlaubsdestination (40 Prozent im Frühling und 46 Prozent im Herbst). Auch Sehenswürdigkeiten und das Kulturangebot sind ein relevanter Entscheidungsfaktor (41 Prozent im Frühling und 31 Prozent im Herbst).
Weniger Einfluss auf die Entscheidung hat der Preis: Nur für 7 Prozent der Befragten im Frühling bzw. 10 Prozent im Herbst ist der Preis ein Grund für die Wahl der jeweiligen Destination.
Bei den Aktivitäten der Gäste stehen Erholung und Genuss im Vordergrund: Der Anteil derer, die im Urlaub keinen Sport ausüben, ist im Frühling mit 38 Prozent und im Herbst mit 34 Prozent deutlich höher als im Sommer (18 Prozent) beziehungsweise Winter (14 Prozent). Wandern ist die häufigste sportliche Aktivität (38 Prozent im Frühling, 54 Prozent im Herbst), noch beliebter sind aber Spazierengehen/Flanieren (jeweils 65 Prozent) und der Besuch von Sehenswürdigkeiten (jeweils 59 Prozent).

Auch regionale Kulinarik und Kaffeehausbesuche sind fixer Bestandteil des Nebensaison-Erlebnisses: Jeder zweite Gast geht auswärts essen.
Neue Gäste
Tourismus ist längst nicht mehr allein eine Frage von Saison und Auslastung. Entscheidend ist zunehmend, welche Gäste zu welcher Zeit nach Österreich kommen und welche Potenziale sich daraus für die Branche ergeben. Dabei zeigen sich zwischen den einzelnen Reisezeiten bemerkenswerte Unterschiede.

Der Stammgästeanteil ist bei Urlaub in Österreich besonders hoch, das gilt speziell für den Winter (81 Prozent). Heißt im Umkehrschluss: Neue Gäste gewinnt Österreich vermehrt in der Nebensaison. Erstbesucher:innen machen im Frühling 13 Prozent und im Herbst 14 Prozent der Gäste aus – im Winter nur 6 Prozent.
Die Gästebefragung T-MONA ist eine seit 2004 bestehende Kooperation der Österreich Werbung mit den neun Landestourismusorganisationen unter Beteiligung von österreichischen Tourismusdestinationen. Die Umsetzung erfolgt durch das Marktforschungsunternehmen MANOVA.
