Hohe Erwartungen an einen vielversprechenden Weinjahrgang 2022

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Chris Yorke (Geschäftsführer Österreich Wein Marketing GmbH), Johannes Schmuckenschlager (Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes) und Josef Glatt (Direktor Österreichischer Weinbauverband).

11.09.2022 | 3 min

Hohe Erwartungen an einen vielversprechenden Weinjahrgang 2022 

Aufgrund der Sommertrockenheit etwas geringere Mostausbeute prognostiziert, Reifezustand bereits sehr zufriedenstellend.

Einen vielversprechenden Weinjahrgang 2022 mit etwas geringerer Erntemenge erwartet der Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, Johannes Schmuckenschlager, in einer klimatisch und kostenmäßig herausfordernden Saison. „Österreichs Weinbäuerinnen und Weinbauern bereiten sich bereits intensiv auf die heurige Weinlese vor. In frühen Anbaugebieten wie dem Seewinkel hat sie bereits begonnen. Aufgrund des Witterungsverlaufs findet sie etwas früher als im Vorjahr statt. Die erwartete Weinmenge wird bestenfalls im Durchschnitt der Vorjahre bei ca. 2,4 Mio. hl liegen“, betonte Schmuckenschlager bei einem Pressegespräch in Wien. 

Allerdings können genaue Angaben heuer schwer gegeben werden, da der Saftanteil der Trauben aufgrund der Trockenheit etwas geringer ausfällt. In Gebieten, in denen jetzt noch Niederschlag gekommen ist beziehungsweise kommt, kann sich das weiterhin erheblich verbessern. „Nach wirtschaftlich turbulenten Corona-Zeiten blicken die Winzer auf ein Jahr mit gutem Weinabsatz zurück. Daher schauen sie auch dem kommenden, vielversprechenden Weinjahrgang 2022 hoffnungsvoll entgegen. Sorgen bereiten den Winzer:innen allerdings die stark gestiegenen Produktionskosten, vor allem im Bereich der Energie und der Verpackungsmaterialien“, so der Weinbau-Präsident. 

Aufmerksame Pflege erforderlich 

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„Der Witterungsverlauf 2022 war aus verschiedensten Gründen herausfordernd. Im Frühjahr wechselten sich kühle und warme Phasen ab, wobei es insgesamt zu trocken war. Der Rebaustrieb fand auch heuer wieder relativ spät statt, nämlich erst gegen Ende April. Im Hinblick auf die drohende Spätfrostgefahr, die üblicherweise bis Mitte Mai besteht, war das aber durchaus als positiv einzustufen. Aufgrund der warmen Witterung fand die Blüte dann relativ früh statt. Danach gab es auch die lange erhofften Niederschläge. Da diese rund um die Blüte zu verzeichnen waren, einem sehr empfindlichen Stadium der Rebe während des Vegetationsverlaufes, gab es erheblichen Pilzdruck. Um Schäden zu verhindern, waren die Winzer gefordert, ihre Reben besonders aufmerksam zu pflegen“, berichtete Schmuckenschlager.  

„Im Juli und August hatten die Reben wiederum mit enormer Dürre zu kämpfen. Trockenheit und Hitzetage über 30 °C waren für die Reben eine erhebliche Herausforderung. Gerade bei Junganlagen mussten die Winzerfamilien die Trauben reduzieren, um die Rebstöcke zu entlasten. Bewässerungsanlagen zeigten heuer besonders ihre Notwendigkeit. Hagel und Starkregenereignisse waren nur punktuell beziehungsweise vereinzelt anzutreffen.“ 

Ähnlichkeiten zum Spitzenjahr 2019 

„Zu einem Zeitpunkt, als die meisten Weingärten durch die Trockenheit bereits an ihre Belastungsgrenze gekommen waren, gab es jetzt Ende August den ersehnten Niederschlag. Durch die in der Folge zur Verfügung stehende Feuchte in den Böden wird die Reifeentwicklung der Trauben zügig fortgesetzt. Grundsätzlich sind die hohen Temperaturen des Sommers aber verantwortlich dafür, dass die Zuckergehalte in den Trauben bereits relativ weit fortgeschritten sind. Bei Vergleichen der Parameter zum Reifeverlauf zeigt sich interessanterweise eine ähnliche Kurve wie im Spitzenjahr 2019. Es wird aber sehr auf das Fingerspitzengefühl der Winzer:innen ankommen, um heuer bei Weißwein den richtigen Lesezeitpunkt zu treffen. Gerade bei den Rotweinen ist die Erwartungshaltung sehr hoch, da durch die eher kleinen Beeren entsprechend dichte und farbintensive Rotweine zu erwarten sind“, zeigte sich der Weinbau-Präsident optimistisch. 

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Durchschnittliche Erntemenge 

„Mengenmäßig kann von einer bestenfalls durchschnittlichen Erntemenge ausgegangen werden. Den Schätzungen der einzelnen Weinbaugebiete zufolge ist mit 2,4 Mio. hl zu rechnen. Der Rebansatz war durchwegs gut, durch die Trockenheit im Sommer sind die Beeren aber eher klein geblieben und daher wird die Saftausbeute auch etwas geringer ausfallen als in manch anderen Jahren. Der Lesezeitpunkt wird entscheidend sein, um im heurigen Jahr harmonische und fruchtige Weine einzubringen“, so Schmuckenschlager.  

Positive Erwartungen 

„Die gute Nachfrage nach österreichischem Wein im In- und Ausland spiegelt sich auch im regen Interesse der Aufkäufer am Traubenmarkt wider. Damit sollten auch Mehrkosten der Produktion zu decken sein. Am Weinmarkt hat es aufgrund der vielfältigen Betriebsformen – von klein bis – keine erheblichen Verwerfungen gegeben. Die gestiegenen Mehrkosten werden auch weitergegeben, es sind aber keine extremen, spekulativen Steigerungen bzw. Verdoppelungen wie in anderen Bereichen zu erwarten. Unsere Winzerfamilien produzieren auch in dieser schwierigen Situation und sind verlässliche Partner des Weinhandels. Deswegen habe ich im heurigen Jahr keine Bedenken, dass es bei den Traubenpreisen Preisdrücker und Spielchen der Aufkäufer gibt“, unterstrich Schmuckenschlager.  

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