ESG-Themen: Heimischen Unternehmen fehlen konkrete Pläne

Rund elf Prozent aller Befragten wissen nicht, ob sie von Berichtspflichten betroffen sind.
© GrECo / Ingo Folie
ESG-Themen: Heimischen Unternehmen fehlen konkrete Pläne
Georg Winter, CEO der GrECo Group.

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In diesem Jahr befragten die Risk Engineering Expert:innen von GrECo zum ersten Mal knapp 200 ausgewählte österreichische Klienten zum Thema ESG (Environmental, Social and Governance).

Die quantitative Studie richtete den Blick einerseits auf gesetzliche Regulatorien und Richtlinien, um den aktuellen Informations- und Kenntnisstand der Unternehmen zu EU-Taxonomie, Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) Berichtslegung und Anforderungen an die Lieferketten zu erfassen.

Andererseits lag der Schwerpunkt auf der Relevanz einzelner Nachhaltigkeitsthemen – unter anderem, was die Unternehmen als größte Aufgaben und Ressourcenbindung im Zusammenhang mit ESG einschätzen.

Nachhaltigkeitsstrategien und Reportingpflichten

Die Ergebnisse zeichnen ein durchwachsenes Bild: Während über 90 % der Teilnehmer:innen erklären, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit für ihr Unternehmen einen hohen Stellenwert einnehmen, verfügt derzeit aber nur jedes Zweite über eine schriftliche Nachhaltigkeitsstrategie.

Obwohl vor allem CEOs ESG-Themen große Priorität einräumen, zeigt die Studie, dass es noch viele Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und deren Offenlegung zu klären gibt, insbesondere im Kontext der CSRD.

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Knapp elf Prozent aller Befragten wissen demnach nicht, ob sie von Berichtspflichten betroffen sind. Davon ist mit fast einem Drittel die Unsicherheit bei Unternehmen mit über 250 Mitarbeiter:innen überraschend groß – sie können nämlich unter die Berichtspflicht nach CSRD fallen. In dieser Kohorte gibt ebenfalls jedes fünfte Unternehmen (20 %) an, ESG-Risiken in der Lieferkette nicht zu kennen und Aspekte wie Korruptionsindex oder Achtung von Menschenrechten nicht zu bewerten.

Erneuerbare Energiequellen im Fokus

„Wir sehen, dass unsere Klientinnen und Klienten bereit sind, sich mit den ökologischen sowie sozialen Folgen ihres Handelns auseinanderzusetzen. Was oft noch fehlt, sind konkrete Pläne, um den ESG-Standards zu entsprechen“, erklärt Harald Ketzer, Studienautor und Risk & ESG Consultant bei GrECo.

So beurteilen zwei Drittel der befragten Unternehmen, unabhängig von der Branchenzugehörigkeit, für die nächsten fünf bis zehn Jahre die Umstellung von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energiequellen als besonders starken Einflussfaktor auf ihre Tätigkeiten.

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Geht man konkret auf Transformationsstrategien der Unternehmen ein, zeigt sich jedoch, dass notwendige Anpassungen von Geschäftsmodellen bei ebenfalls zwei Drittel der Umfrageteilnehmer:innen noch nicht in Strategieprozesse eingeflossen sind. Der Großteil (78 %) wünscht sich, dass sich Maßnahmen lohnen müssen und Versicherungen bei der Prämiengestaltung Schritte zur Risikoverbesserung anerkennen.

Hoher Stellenwert des Klimaschutzes

Knapp ein Drittel der Befragten (32 %) geht davon aus, dass sie Faktoren des Klimawandels, wie Extremwetterereignisse oder steigende Temperaturen in den nächsten fünf bis zehn Jahren stark beschäftigen werden.

Besonders starke Zustimmung gibt es bei größeren Unternehmen mit über 500 Mitarbeiter:innen (45 %), sowie in den Branchen Bauwesen, Immobilien (38 %) und Energiewirtschaft (21 %). Diese Einschätzung zeigt sich auch bei der Frage, für welche Themen die Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren die meisten Ressourcen einsetzen werden müssen.

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Hier liegt die Kategorie „Maßnahmen zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes“ mit 66 % nur knapp vor Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel wie etwa erhöhte Temperaturen, Starkregenereignisse, Wassermangel u.a. mit 61 %.

„Unternehmen sind zunehmend gefordert, vorausschauend zu handeln und ihre langfristigen Nachhaltigkeitsziele im Blick zu behalten. Sie erkennen die Risiken und die Chancen, die eine erfolgreiche Umstellung bringt, denn ein ‚Business as usual‘ kann es in Zukunft nicht mehr geben“, ordnet Georg Winter, CEO der GrECo Group die Ergebnisse ein.

Soziale Schutzmaßnahmen

Die Einhaltung sozialer Mindestschutzmaßnahmen sowohl im eigenen Unternehmen als auch in der Lieferkette erreicht bei der Frage nach dem langfristigen Ressourcenaufwand hinter Umweltaspekten nur den fünften Platz (39 %).

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ESG-Themen: Heimischen Unternehmen fehlen konkrete Pläne

Bei genauerer Betrachtung werden Antidiskriminierung sowie die Verletzung von Menschenrechten lediglich von einem bzw. vier Prozent der Befragten als Herausforderung gesehen. Durch die Veränderungen rechtlicher Rahmenbedingungen wie dem EU-Lieferkettengesetz dürfte sich diese Einschätzung künftig jedoch noch verändern.

Fazit

Die Welt befindet sich im größten Umbruch seit der industriellen Revolution, wobei es vier wesentliche Treiber für diese Veränderung gibt. Dazu gehören zunehmende Umweltgefährdung, Entwicklungen im sozialen Bereich, Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft sowie geopolitische Herausforderungen.

Dieser systemische Wandel transformiert auch die Risikolandschaft von Unternehmen. Die Herausforderung für die Zukunft besteht darin, Unternehmen im Prozess der Risikotransformation bestmöglich zu begleiten, um künftige substanzielle Risiken zu antizipieren und zu managen.

„Transformation bedeutet bis zu einem gewissen Grad auch immer Risiko. Nur wer dieses kennt und die richtigen Spezialist:innen zur Seite hat, ist regulatorischen Anforderungen gewappnet“, schließt GrECo-Experte Harald Ketzer.

Hier können Sie die vollständigen Umfrageergebnisse gratis anfordern.

https://greco.services

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