Wem gehören die größten Unternehmen Österreichs – und wie verteilen sich Eigentum und Einfluss zwischen privaten Eigentümer:innen, Unternehmen und dem Staat?
Trotz zunehmender Internationalisierung der Wirtschaft ist die Eigentümerstruktur der größten österreichischen Unternehmen weiterhin stark von privaten Eigentümer:innen geprägt. Einzelpersonen, Familien und Stiftungen (EFS) halten im Durchschnitt rund 39 Prozent der Anteile an den 500 größten Unternehmen des Landes. Den größten Anteil halten allerdings Unternehmen, Holdings und Beteiligungsgesellschaften mit knapp 48 Prozent-
Der österreichische Staat ist im Durchschnitt mit rund sieben Prozent an einem Top 500 Unternehmen beteiligt, sechs Prozent der Unternehmen befinden sich in Streubesitz.
„Österreich ist insbesondere im Mittelstand traditionell stark von familiengeführten Unternehmen geprägt – aber auch in den Eigentümerstrukturen der Großunternehmen des Landes zeigt sich ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Privateigner:innen. Private Eigentümer:innen spielen eine zentrale Rolle für Stabilität, langfristige Entscheidungen und unternehmerische Kontinuität. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten erweist sich diese langfristige Perspektive oft als wichtiger Stabilitätsfaktor für Unternehmen und Standort“, erklärt Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich.
Unternehmen und Gesellschaften als größte Anteilseigner
Der Anteil von Einzelpersonen, Familien und Stiftungen (EFS) variiert je nach Unternehmensgröße deutlich.
Am höchsten ist er bei Unternehmen mit 501 bis 3.500 Mitarbeitenden: Hier halten diese Eigentümergruppen durchschnittlich rund 45 Prozent der Anteile, bei den größten Unternehmen ab 3.500 Mitarbeitenden sind es 42 Prozent. Bei kleineren Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten liegt der Anteil dagegen bei durchschnittlich nur 22 Prozent.

Den größten Anteil am Eigentum halten quer durch die Top 500 Unternehmen hinweg jedoch Unternehmen, Holdings und Beteiligungsgesellschaften.
Bei Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitenden liegt ihr Anteil bei 69 Prozent, bei Unternehmen mit bis zu 3.500 Mitarbeitenden gleichauf mit EFS bei etwa 45 Prozent und bei den größten Unternehmen mit mehr als 3.500 Mitarbeitenden bei rund 34 Prozent.
Der staatliche Anteil ist hingegen vor allem bei den größten Unternehmen relevant: Dort liegt er bei rund 13 Prozent, während er bei kleineren Unternehmen der Top 500 nur vier bis sechs Prozent beträgt.
„Viele der Top 500 Unternehmen wurden über Generationen hinweg durch Familien aufgebaut und geführt. Der Anteil der Privateigner:innen prägt nicht nur die Eigentümerstruktur, sondern oft auch die Unternehmenskultur und langfristige strategische Ausrichtung“, konstatiert Erich Lehner, Partner und Verantwortlicher für den Mittelstand bei EY Österreich.
Zwischen den Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders hoch ist der Anteil von EFS bei Industrieunternehmen mit durchschnittlich rund 45 Prozent. Im Handel und Dienstleistungssektor liegt er hingegen deutlich niedriger (33 bzw. 30 %), während im Dienstleistungsbereich der staatliche Anteil mit durchschnittlich 24 Prozent vergleichsweise hoch ist (Industrie & Handel je 3 %).

Eine detaillierte Branchenbetrachtung zeigt zudem, dass private Eigentümer:innen besonders stark in Sektoren wie Holz (69 %) sowie Bauwesen und Bauindustrie (62 %) vertreten sind. Deutlich geringer ist ihr Anteil hingegen in kapitalintensiven Branchen wie Energie, IT oder Automobilindustrie (je 17 %).
Geschlechterparität im Unternehmenseigentum noch nicht erreicht
Ungleich verteilt ist das Unternehmenseigentum zwischen den Geschlechtern. Frauen sind im Durchschnitt nur zu 3,3 Prozent an einem Top 500 Unternehmen beteiligt. Männer halten dagegen durchschnittlich 14,8 Prozent der Anteile – also mehr als das Vierfache.
Der Eigentumsanteil von Frauen ist bei den Unternehmen mit 501 bis 3.500 Angestellten mit 4,2 Prozent am höchsten, bei den größeren und kleineren Einheiten halten Frauen nur etwas über zwei Prozent der Eigentumsanteile.

Zum Vergleich: In Großunternehmen ab 3.500 Mitarbeitenden gehört Männern knapp ein Drittel der Eigentumsanteile (30,2 %), in mittelgroßen Unternehmen immerhin noch ein Viertel (24,1 %) – nur bei Kleinunternehmen nähern sich die Unternehmensanteile mit 5,4 Prozent an die der Frauen an, sind aber immer noch mehr als doppelt so hoch.
Besonders deutlich wird das Ungleichgewicht beim Blick auf die Eigentümerstruktur der Unternehmen: Nur an 56 der 500 größten Unternehmen Österreichs – also rund elf Prozent – ist mindestens eine Frau als Eigentümerin beteiligt. Dagegen ist an 127 Unternehmen, also rund jedem vierten, mindestens ein Mann beteiligt.
„Der geringe Anteil von Frauen am Unternehmenseigentum zeigt, dass wirtschaftliche Teilhabe noch immer sehr ungleich verteilt ist. Gerade bei Unternehmensnachfolgen und Beteiligungsmodellen wird es künftig entscheidend sein, Frauen stärker einzubinden“, analysiert Erich Lehner.
Viele Unternehmen vollständig in privater Hand
Insgesamt sind an 46 Prozent der Top 500 Unternehmen Einzelpersonen, Familien oder Stiftungen beteiligt – also fast an jedem zweiten Unternehmen. Bei 40 Prozent der Unternehmen halten diese Eigentümergruppen sogar eine Mehrheitsbeteiligung von mindestens 50 Prozent. Jedes dritte der größten Unternehmen Österreichs – 34 Prozent – befindet sich vollständig im Alleineigentum von Einzelpersonen, Familien oder Stiftungen.

„Diese Zahlen zeigen, wie stark das Steuerrad auch von Großunternehmen in Österreich weiterhin in privater Hand liegt. Das sorgt häufig für langfristige Stabilität, kann aber auch bedeuten, dass Eigentums- und Nachfolgefragen eine besonders große Rolle spielen“, unterstreicht Gunther Reimoser.
„Gerade Familienunternehmen leisten dabei einen unverzichtbaren Beitrag: Im Unterschied zu kapitalmarktorientierten Unternehmen treffen sie ihre Entscheidungen meist nicht mit Blick auf das nächste Quartal, sondern mit Verantwortung für die nächsten Generationen. Dieses langfristige und nachhaltige Denken ist ein wesentlicher Faktor für die Absicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich und unseres Wohlstands“, ergänzt Erich Lehner abschließend.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zur Eigentümerstruktur der Top 500 Unternehmen in Österreich.
