Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke überfällig

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01.03.2022 | 2 min

Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke überfällig

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin pocht auf eine zeitgemäße Gesetzeslage im Sinne der Patienten.

Während sich die Mehrheit der Bevölkerung (78%) längst für die Abgabe von Cannabisblüten aus medizinischen Gründen ausspricht, blockiert die Regierung eine Gesetzesänderung. Österreich ist hier Schlusslicht, während Länder wie Kanada, Israel, Schweiz, die Niederlande und seit 2017 auch Deutschland erfolgreich auf den Einsatz der Cannabisblüten in der Medizin setzen.

In einer vom Meinungsforschungsinstitut Unique research für die aktuelle Ausgabe von „profil“ durchgeführte Umfrage spricht sich eine relative Mehrheit der Österreicher für die Legalisierung von Cannabis aus. Sehr große Zustimmung gibt es für die Abgabe von Cannabisblüten aus medizinischen Gründen: 78% sind dafür (51% antworten mit „ja, absolut“, 27% mit „eher ja“), 15% sind dagegen.

Österreich bildet mit Ungarn Schlusslicht in Europa

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin appelliert seit Jahren an die Gesundheitsminister, für eine Gesetzesänderung im Sinne der Patienten zu sorgen. Doch seit Jahren stoßen Experten und betroffene Patienten auf taube, politische Ohren. Während Österreichs Nachbarländer – mit Ausnahme von Ungarn – längst auf eine liberale, zeitgemäße Gesetzlage setzen, dominieren in der heimischen Politik Ideenlosigkeit und mangelndes Interesse für die Anliegen der Patienten. Gegen den internationalen Trend ist eine Heilbehandlung mit qualitätsgeprüften Cannabisblüten und pflanzlichen Extrakten in Österreich illegal. Zulässig ist nur die Behandlung mit synthetischem und halbsynthetischem Cannabis, meist in Form von Dronabinol. Die monatlichen Kosten liegen für chronische Patienten bei 600 bis 800 Euro.

„Tees und Tropfen aus natürlichen Cannabinoiden sind sehr gut verträglich und einfach in der Anwendung“, sagt Kurt Blaas.

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Cannabisextrakte als leistbare Alternative

„Durch eine genaue Auslese der Cannabissubstanzen und unter medizinischer Anleitung wäre eine für die Patienten wirkungsvolle wie leistbare Behandlung problemlos möglich. Tees und Tropfen aus natürlichen Cannabinoiden sind sehr gut verträglich und einfach in der Anwendung“, sagt Kurt Blaas. Der Allgemeinmediziner ist seit 1998 auf Cannabismedizin spezialisiert und behandelt seine Patienten mit synthetischen und natürlichen Cannabinoiden. Eine Legalisierung von Medizinalhanf ist ihn nur mehr eine Frage der Zeit. „Die Patienten lassen sich heute nicht mehr mit überteuerten synthetischen Produkten abfertigen, wenn leistbare, hochwertige Extrakte und Cannabisblüten besser und ohne Nebenwirkungen sind. Diese Patienten haben ein Recht darauf, nicht länger kriminalisiert zu werden“, sagt Blaas.

Experten pochen auf Cannabisblüte in der Medizin

Experten wie der deutsche Arzt und Cannabisspezialist Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der International Association for Cannabinoid Medicines, fordern seit Jahren die Cannabisblüte in der Medizin als Rohmaterial zuzulassen, um daraus standardisierte Extrakte mit normierten Werten zu produzieren. Die Forschung gibt Hinweise darauf, dass sich die Wirksamkeit der Cannabispflanze nicht auf Einzelsubstanzen oder synthetische Derivate beschränken lässt. Der Deutsche Bundestag gab bereits Anfang 2017 den Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke frei.