Herr Benecke, sind Unternehmensflotten der entscheidende Hebel für die erfolgreiche Transformation der Automobilindustrie?
Sie sind ein Turbo, definitiv. Nehmen wir die Elektromobilität: Ich bin davon überzeugt, dass viele Dienstwagen-Nutzer und Nutzerinnen, sogenannte „User Chooser“, ohne den „Anstoß“ ihres Arbeitgebers und den entsprechenden finanziellen Vorteil zunächst kein 100% elektrisches Auto genommen hätten.
Aber: Ich bin genauso davon überzeugt, dass die Regel „einmal Elektro, immer Elektro“ gilt – und die Fahrer und Fahrerinnen nicht wieder zu Verbrennern zurückgehen werden.

Unternehmensflotten beschleunigen daher die Transformationen und strahlen letztlich auch auf andere Kundengruppen ab.
Welche Rolle spielen Flottenkunden heute für Wachstum, Marktanteile und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Automobilhersteller?
Flottenkunden sind wie eine zusätzliche Sportart. Während bei Privatkunden Emotionen und Design die Kaufentscheidung beeinflussen können, geht es bei Flottenkunden eben zuerst um die harten wirtschaftlichen Fakten, meist gemessen an den TCO-Kennziffern (Total Cost of Ownership). Es wird anders argumentiert, getestet und verkauft.
Aber auch ein Flottenentscheider wird im Zweifel auf Kriterien wie Design, Marke und „Made in Europe“ reagieren. Das passt zwar nicht in eine Excel-Tabelle – jedoch bin ich davon überzeugt, dass es sekundär mitspielt.
Je nach Marke sind Flottenkunden daher ein Garant für mehr Marktanteil und damit mehr Volumen sowie bessere Planbarkeit. Und: Eine große Flotte, die im Straßenbild sichtbar ist, kann wie eine fahrende Werbung gesehen werden. Sie macht die Marke bekannter, begehrlicher und damit erfolgreicher.
Daher gilt: Man muss anders trainieren, aber es lohnt sich, beide Sportarten – Privat- und Flottengeschäft – zu beherrschen.
Ist die Elektrifizierung von Unternehmensflotten der schnellste und effektivste Weg zur Mobilitätswende – und welche Hürden bestehen noch?
Die Hürden werden immer kleiner, die Begeisterung für Elektromobilität hingegen immer größer. Unternehmensflotten treiben die Elektrifizierung stark voran und beschleunigen diesen Trend.

Viele Unternehmen nutzen dies gezielt, um ihre Konzernstrategie auch im Fuhrpark sichtbar umzusetzen. Elektrifizierte Antriebe wie Hybrid-, Plug-in-Hybrid oder vollelektrische Fahrzeuge bieten zudem TCO-Vorteile. Gleichzeitig lässt sich damit der CO₂-Ausstoß gegenüber klassischen Verbrennern deutlich reduzieren.
Wir sollten meiner Meinung nach auch aufhören, den Blick auf Hürden zu richten. Gerade in Österreich gibt es aus meiner persönlichen Erfahrung bereits sehr gute Lösungen.
Wie verändern Digitalisierung, vernetzte Fahrzeuge und datenbasierte Entscheidungen das moderne Flottenmanagement?
Die Möglichkeiten für einen Fuhrparkmanager sind gigantisch und die neue Generation der „Software Defined Vehicles“ (SDV) wird diese künftig deutlich erweitern.
Schon jetzt lassen sich Fahrzeugflotten dank Datenverfügbarkeit, effizienter Service-Steuerung oder optimiertem Schadensmanagement besser steuern. Mit SDV kann künftig die „Wunsch“-Software der jeweiligen Flotte integriert werden, wodurch sich unzählige Möglichkeiten ergeben – etwa für Lieferdienste, die bereits heute entsprechende Anforderungen an uns herantragen.
Wird der klassische Dienstwagen künftig durch ganzheitliche Mobilitätslösungen ersetzt – und wie müssen sich Hersteller darauf einstellen?
Ein klassischer Außendienstmitarbeiter wird auch künftig individuelle Mobilität benötigen. Das heißt, er hat „seinen“ Dienstwagen, nutzt ihn auch privat und sieht ihn größtenteils als Benefit.

Aber: Gerade in Städten sind Kombinationen mit ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr – Anm. d. Red.), Fahrrädern und Mobilitäts-Abos natürlich relevant und sinnvoll. Unser Kerngeschäft bleibt jedoch der Verkauf von Autos, wobei Kooperationen mit anderen Lösungen ergänzend wirken.
Wie wichtig ist das Thema Flottenmanagement für die Renault Group und für Sie persönlich?
Die Renault Group ist mit ihren Marken Renault, Dacia und Alpine bei den Privatkunden in Österreich sehr beliebt. Das belegen auch die aktuellen Zulassungszahlen.
Meine Ambition ist es, diese Begeisterung auch ins Flottengeschäft zu tragen. Denn so wichtig TCO und Excel-Auswertungen sind, am Ende gilt: Mobilität lebt von Emotion und Begeisterung – auch für Flottenentscheider und Nutzer.
Genau das bringen unsere Produkte auch mit: Design, Emotion, Praktikabilität und Fahrspaß gehören für uns untrennbar zusammen. Wer in eines unserer Fahrzeuge einsteigt, soll genau das spüren und erleben – vom ersten Moment an.
Herr Benecke, herzlichen Dank für das Interview.
Danke Ihnen.
