Christoph Reinwald: Bei Life Sciences darf Österreich nicht den Anschluss verlieren

Das Zusammenspiel von Forschung, Produktion und Versorgung wird zum Treiber pharmazeutischer Innovation.
© Complex Pharmaceuticals
Christoph Reinwald: Österreich darf bei Life Sciences nicht zum Beobachter werden
Christoph Reinwald, TOP LEADER-Stimme der Pharmaindustrie und General Manager der Complex Pharmaceuticals GmbH.

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Wir verfügen in Österreich über exzellente wissenschaftliche Einrichtungen, haben qualifizierte Fachkräfte, etablierte Pharmaunternehmen und leistungsfähige Produktionsstrukturen. Das ist eine starke Ausgangslage.

Sie garantiert jedoch noch nicht, dass aus Forschung marktfähige Produkte entstehen, die in Europa produziert werden und schließlich bei den Patient:innen ankommen.

Europa bringt im Verhältnis zu seinem wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Potenzial selbst zu wenige pharmazeutische Innovationen hervor. Gleichzeitig gewinnen die USA und asiatische Märkte weiter an Bedeutung. Andere Wirtschaftsräume betreiben längst eine aktive Standortpolitik, setzen gezielte Anreize und betrachten die Life-Sciences-Industrie als strategisch relevante Infrastruktur.

Forschung allein reicht nicht

Wissenschaftliche Exzellenz ist unverzichtbar, aber sie bildet nur den Anfang. Forschung, Entwicklung, Produktion, Marktzugang und Arzneimittelversorgung müssen als zusammenhängende Wertschöpfungskette verstanden werden.

Innovationen müssen nicht nur entwickelt, sondern regulatorisch begleitet, produziert und in die medizinische Versorgung integriert werden können. Fehlt einer dieser Bausteine, bleibt wissenschaftliches Potenzial ungenutzt oder wandert in andere Regionen ab.

Gleichzeitig gerät Europa bei Technologien, Wirkstoffen, Ausgangsmaterialien und Arzneimitteln zunehmend in Abhängigkeit von Drittstaaten. Diese Entwicklung ist weder industrie- noch versorgungspolitisch nachhaltig.

Christoph Reinwald Österreich darf bei Life Sciences nicht zum Beobachter werden
© smarterpix / DOC-Photo

Versorgungssicherheit beginnt früher

Versorgungssicherheit beginnt nicht erst mit der Bevorratung fertiger Arzneimittel. Sie beginnt bei Forschung und Entwicklung, beim Zugang zu Wirkstoffen und Ausgangsmaterialien sowie bei stabilen Produktions- und Qualitätsstrukturen.

Fragile internationale Lieferketten haben gezeigt, wie rasch globale Abhängigkeiten zu einem strategischen Risiko werden können. Wer die Arzneimittelversorgung langfristig absichern möchte, muss daher industrielle Wertschöpfung und das notwendige Know-how in Europa erhalten.

Es geht dabei nicht um eine vollständige Rückverlagerung aller Produktionsschritte. Globale Lieferketten werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Europa braucht jedoch eine bessere Balance zwischen internationaler Effizienz und eigenen strategischen Kapazitäten.

Österreich braucht eine gemeinsame Strategie

Die europäische Life-Sciences-Strategie ist ein wichtiger Schritt. Ihr tatsächlicher Wert wird sich jedoch daran messen, ob aus politischen Zielsetzungen konkrete, finanzierte und verbindlich umgesetzte Maßnahmen entstehen.

Auch Österreich darf in dieser Entwicklung nicht zum Beobachter werden. Während andere Staaten mit klaren Pharmastrategien gezielt Investitionen anziehen, braucht es hierzulande eine ressortübergreifende Pharma- und Life-Sciences-Strategie.

Standort-, Forschungs- und Gesundheitspolitik dürfen nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Erforderlich sind gemeinsame Ziele, klare Verantwortlichkeiten und Maßnahmen, die Forschung, Produktion, Marktzugang und Versorgung miteinander verbinden.

Entscheidend wird sein, ob Politik, Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft dieses Potenzial gemeinsam in Innovation, internationale Wettbewerbsfähigkeit und in eine langfristig stabile Arzneimittelversorgung überführen können.

Autor: Christoph Reinwald

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