Österreichische Jugend ist unzufrieden, besorgt und gestresst, aber bereit für Veränderung

© Roland Kreutzer

Heinz Herczeg, life CREATOR CONSULTING GmbH

02.09.2022 | 2 min

Österreichische Jugend ist unzufrieden, besorgt und gestresst, aber bereit für Veränderung 

Studie zur Stimmungslage der 14-29-Jährigen zeigt hohen Bedarf an gezielter Unterstützung.

Die Trend-Studie „Jugend in Österreich Sommer 2022“ über die aktuelle Stimmungslage der Österreicher:innen zwischen 14 und 29 Jahren zeigt deutlich: Jede:r Dritte:r ist unzufrieden mit seinem eigenen Leben. Die größten Sorgen sind das liebe Geld, die Gefahr eines Krieges in Europa, der Klimawandel, schlechte berufliche Aussichten und die eigene psychische Gesundheit. 

Im Auftrag der lifeCREATOR Consulting GmbH von Heinz Herczeg wurden im Juni und August 2022 durch das Forschungsinstitut marketagent 800 Teilnehmer:innen in Österreich zu ihrem Befinden befragt, davon 32% im Alter von 14 bis 19 Jahren und 68% im Alter von 20 bis 29 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass es einem Drittel nicht so gut geht: Nur 66% geben an, „mit ihrem eigenen Leben zufrieden zu sein“, obwohl Österreich zu den reichsten und sichersten Ländern der Welt zählt. 59% der österreichischen Jugend sind mit der finanziellen Lage „teilweise bis sehr unzufrieden“ und 39% „mit den beruflichen Chancen“. 60% der jungen Männer sind „mit ihrer psychischen Gesundheit zufrieden“, aber nur 50% der Frauen. 19% geben an, dass sie deswegen „Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen“. Ein besonders aufrüttelndes Studienergebnis ist, dass 7% „Suizidgedanken haben“, sogar 12% in Wien, im Vergleich zu 3% in Vorarlberg und Tirol. 15% „leiden unter Angstzuständen“. 

Junge Österreicherinnen besorgter und gestresster 

„Jugend in Österreich“ Trendstudie Sommer 2022. AUTOREN: Heinz Herczeg, Simon Schnetzer

© lifeCREATOR CONSULTING GmbH

Zu den größten Belastungen der 14-29-jährigen Österreicher:innen zählen „Stress, Erschöpfung, Selbstzweifel und Antriebslosigkeit“. Bei den jungen Frauen liegen die Werte jeweils zwischen 15 und 20 Prozentpunkten höher als bei den Männern. „Keine Belastung“ fühlen 22% der befragten Männer, aber nur 15% der Frauen.

Hilfe und Sinn

Unterstützung bei psychischen Problemen holen sich 31% der Jugendlichen „in Gesprächen mit Familien und Freunden“, gefolgt von „psychischer Behandlung (Arzt, Therapeut)“ mit 19% und „Yoga/Meditation“ mit 14%. „Schulische Betreuungsangebote“ oder „Telefonberatung“ nehmen nur 6 bis 7% wahr. 

Den größten Sinn im Leben sehen 64% in ihrer Familie ist, gefolgt von „Partnerschaft/Liebesbeziehung“ (54%), „Freundschaften pflegen“ (51%) und „Ziele im Leben“ (51%). Erst danach kommt „Ein Job, der mir Spaß macht“ mit 45%.

Bedarfsgerechte Unterstützung gefragt

„Jugend in Österreich“ Trendstudie Sommer 2022. AUTOREN: Heinz Herczeg, Simon Schnetzer

© lifeCREATOR CONSULTING GmbH

Österreichs junge Generation sieht ihre Lebenspläne durchkreuzt, so legen etwa 57% ihre Pläne für eine eigene oder größere Wohnung auf Eis, 56% wiederum überdenken die Entscheidung über ein neues Auto oder eine ausgedehnte Reise. Besonders hervorzuheben: Mehr als die Hälfte der jungen Erwachsenen, verhältnismäßig mit 60% noch mehr Frauen, sieht die Entscheidung über eigene Kinder mittlerweile kritisch. Den größten Handlungsbedarf sehen die jungen Österreicher:innen bei „der Milderung der Auswirkungen durch die steigende Inflation“ mit 56% der Befragten. 43% wollen, „dass etwas gegen den Klimawandel unternommen wird“. Für rund 40% der Jugend in Österreich sind „die Wirtschaftskrise, die Armut oder der Wohlstandsverlust sowie die Auswirkungen des Ukraine-Krieges“, wichtige Handlungsfelder für die Verbesserung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation. Beinahe drei Viertel der Befragten wollen jetzt Taten sehen, statt nur durchzutauchen.

Die Zeit drängt

„Es ist bereits fünf vor zwölf. Wir müssen handeln und tiefgreifende Veränderungen in Kauf nehmen, um eine neue, lebenswertere Zukunft zu gestalten“, so der Initiator der Studie Heinz Herczeg. Die Forderung der österreichischen Jugend nach positiver Veränderung sei ihm zufolge groß. Er resümiert: „Jede Krise ist gleichzeitig eine Chance. Unternehmer:innen, Bürgermeister:innen, Politiker:innen, Schul- und Universitätsleiter:innen, Familienmitglieder und Privatpersonen sind dringend aufgefordert, sich mit unserer jungen Generation intensiv auszutauschen und zuzuhören, um sie bedarfsgerechter zu unterstützen und die Rahmenbedingungen für ihre positive Entwicklung konsequent zu verbessern. Wir alle tragen Verantwortung für das ganzheitliche Wohlergehen der neuen Generation, denn diese ist ausschlaggebend für unser aller Zukunft.“

https://www.lifecreator.at/