Advertisement
Der europäische Neuwagenmarkt erholt sich nur sehr langsam

© EY/Stefan Seelig

Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY.

23.03.2023 | 3 min

Der europäische Neuwagenmarkt erholt sich nur sehr langsam

2023 soll Wachstum bringen, doch der Absatz bleibt weiter unter dem Vorkrisenniveau.

Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der EU sind laut Branchenverband ACEA gegenüber Februar 2022 um zwölf Prozent gestiegen – in Österreich ging es um elf Prozent aufwärts. Im Vergleich zu Februar 2020, bevor die Pandemie zu massiven Absatzrückgängen führte, ergibt sich für die EU aber ein Rückgang um 22 Prozent, in Österreich liegt der Absatz 24 Prozent niedriger als vor der Krise. In 22 der 27 EU-Mitgliedsländer lag der Absatz im Februar unter dem Niveau von Februar 2019. 

Globale Krisensituation und Lieferkettenengpässe 

„Die Erholung kommt langsam voran. Jedoch sind wir immer noch weit entfernt vom Vor-Corona-Niveau. Die Engpass-Probleme bei Vorprodukten und Halbleitern bestehen zwar noch, aber die Liefersituation ist deutlich besser als vor einem Jahr und wird sich im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich weiter entspannen. Zu einer tiefen Rezession scheint es zudem nicht zu kommen, eine akute Energiekrise ist offenbar vorläufig abgewendet und die Spritpreise sinken wieder. Die Ausgangslage ist also besser als im Vorjahr“, konstatiert Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY. 

Allerdings gebe es weiterhin erhebliche Risiken und Probleme, vor allem den Krieg in der Ukraine, die Spannungen zwischen den USA und China und die hohe Inflation. Auch die sehr hohen Neuwagenpreise dämpfen den Absatz, sagt Axel Preiss: 

Der europäische Neuwagenmarkt erholt sich nur sehr langsam

© PantherMedia/sharpilo.andrey@gmail.com

„Speziell in Österreich ist die Inflation nach wie vor auf sehr hohem Niveau, das wirkt sich auch auf Kaufabsichten aus – insbesondere in den preissensiblen Kleinwagen- und Kompaktsegmenten. Solange die Autohersteller über ein komfortables Auftragspolster verfügen, werden sie versuchen, die Preise hochzuhalten. Sinkende Auftragseingänge könnten allerdings im weiteren Jahresverlauf bei einigen Herstellern dafür sorgen, dass Rabattaktionen wieder eine größere Rolle spielen.“ 

Insgesamt spreche derzeit viel dafür, dass auch 2023 der Neuwagenabsatz in der EU, trotz eines knapp zweistelligen Wachstums, deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau liegen werde. 

Marktanteil elektrifizierter Neuwagen steigt nur noch leicht 

Im Februar legten die Neuzulassungen reiner Elektroautos (BEV) in der EU insgesamt um 39,6 Prozent zu, und damit etwa dreimal so stark wie der Gesamtmarkt. In Österreich wurde sogar ein Wachstum von 61 Prozent registriert. Der Marktanteil reiner Elektroautos stieg EU-weit im Vergleich zu Februar 2022 von 9,7 Prozent auf 12,1 Prozent, in Österreich von 13,1 auf 19,1 Prozent. 

„Die Nachfrage nach Elektroautos ist immer noch größer als das Angebot, wobei staatliche Subventionen weiterhin eine große Rolle spielen. Allerdings sehen wir, dass sich das Wachstum im Vergleich zu früheren Boomzeiten etwas abschwächt. Im weiteren Jahresverlauf wird der Absatz von Elektroautos zwar weiter steigen – ganz große Sprünge sind aber nicht zu erwarten“, verdeutlicht Axels Preiss. 

Regionale Unterschiede bei Elektro-Marktanteilen 

Die höchsten Marktanteile wurden auch im Februar wieder in den skandinavischen Ländern registriert: In Schweden lag der BEV-Marktanteil bei 33 Prozent, in Finnland bei 30 Prozent und in Dänemark bei 27 Prozent. Österreich reiht sich mit einem Marktanteil von 19 Prozent unter den Top 5 in Europa ein. 

Deutlich seltener werden Elektroautos in Osteuropa verkauft: In Polen betrug der BEV-Marktanteil im Februar gerade mal 2,9 Prozent, in der Tschechischen Republik 1,8 Prozent, in der Slowakei 1,2 Prozent. Auch in Südeuropa ist der Anteil reiner Elektroautos nach wie vor sehr niedrig: In Italien liegt er bei 3,7 Prozent, in Spanien bei 4,5 Prozent. 

Der europäische Neuwagenmarkt erholt sich nur sehr langsam

© PantherMedia/tomwang

„Die Elektro-Marktanteile liegen sehr weit auseinander. So spielen in etlichen EU-Ländern Elektroautos nach wie vor gar keine oder nur eine sehr geringe Rolle. In immerhin elf Ländern lag der Elektro-Marktanteil im Februar unter fünf Prozent. Und nur in zwölf der 28 EU-Länder lag der Marktanteil im Februar höher als zehn Prozent – darunter auch Österreich. Eine sehr wichtige Rolle spielen nach wie vor staatliche Förderprogramme. Ohne die hat es der Elektroantrieb sehr schwer, wie auch die aktuellen Neuzulassungszahlen zeigen: Die Länder, die keine Kaufprämien bieten, weisen die geringsten Elektro-Marktanteile auf“, fasst Axel Preiss zusammen. 

„Nach wie vor werden in fast allen EU-Ländern mehr Verbrenner verkauft als elektrifizierte Pkw. Daran wird sich auch 2023 nichts ändern“, ergänzt Axel Preiss. 

Plug-in-Hybride verlieren Marktanteile 

Besonders schwer haben es derzeit Plug-in-Hybride. Die Neuzulassungen dieser Antriebsart sanken im Februar EU-weit gegenüber dem Vorjahresmonat um sieben Prozent, insgesamt sieben Länder verzeichneten sinkende Neuzulassungszahlen von Plug-in-Hybriden. Der Marktanteil dieser Antriebsform sank EU-weit von 8,6 Prozent auf 7,2 Prozent. 

In Summe haben die beiden elektrischen Antriebsformen (PHEV) Plug-In-Hybride und BEV (Elektro) im Februar um 17,5 Prozent zugelegt und somit nur etwas stärker als der Gesamtmarkt. Der gemeinsame Marktanteil elektrifizierter Neuwagen stieg daher nur leicht: von 18,3 Prozent auf 19,3 Prozent. 

https://www.ey.com