Rekordwerte für Elektroautos auf dem europäischen Automarkt

Innerhalb eines Monats kamen über 290.000 neue E-Fahrzeuge auf die Straße – so viele wie nie zuvor.
© EY / Christina Häusler
Rekordwerte für Elektroautos auf dem europäischen Automarkt
Marion Raninger, Leiterin Industrials bei EY Österreich.

Teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp

Europas Automarkt stellt schneller auf Strom um, als viele erwartet hatten. Im September kamen in der europäischen Union 290.117 Elektroautos neu auf die Straße, 73 Prozent mehr als vor einem Jahr und so viele wie noch nie in einem Monat.

Der Elektro-Marktanteil legte um 11,0 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent zu und erreichte damit ebenfalls einen Höchststand. Somit war bereits mehr als jeder vierte neu zugelassene Pkw vollelektrisch.

Marktanalyse

Der Gesamtmarkt legte um 9,3 Prozent zu, getragen wurde das Wachstum jedoch ausschließlich von Fahrzeugen mit Stecker.

Neben den Elektroautos verzeichneten auch Plug-in-Hybride, die meist ebenfalls gefördert werden, ein Plus von 12 Prozent. Die übrigen Antriebsarten büßten insgesamt acht Prozent ein. Besonders stark fiel der Rückgang bei klassischen Verbrennern aus: Die Neuzulassungen reiner Benziner sanken um 23 Prozent, jene reiner Dieselautos um 30 Prozent.

Auch in Österreich stiegen die Neuzulassungen im September um 12,5 Prozent.

Rekordwerte für Elektroautos auf dem europäischen Automarkt
© Open AI

Bei Elektroautos fiel das Wachstum mit 81 Prozent deutlich stärker aus. Ihr Marktanteil erhöhte sich im Jahresvergleich von 20,9 auf 33,6 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchststand. Einschließlich der Plug-in-Hybride kamen Neuwagen mit Stecker auf einen Marktanteil von 43,9 Prozent – ebenfalls ein Rekord.

Marion Raninger, Leiterin Industrials bei EY Österreich, sieht das aktuelle Wachstum mit Vorbehalt:

„Am europäischen Markt erhält die E-Mobilität teilweise Aufwind durch staatliche Förderungen oder steuerliche Begünstigungen. Auch die steigenden Spritpreise haben zurzeit Einfluss auf die Dynamik am Markt.“

Volatile Marktsituation als Herausforderung

Trotz steigender Neuwagenzulassungen bleibt das wirtschaftliche Umfeld für Unternehmen angespannt. Die schwache Konjunktur, die zurückhaltende Konsumnachfrage und die geopolitische Unsicherheit belasten die Branche. Zugleich verschärft sich der Wettbewerb auf dem europäischen Automarkt und setzt die Industrie zusätzlich unter Druck. Durch die aktuelle Situation besteht somit ein gewisses Planungsrisiko.

„Der starke Anstieg in der E-Mobilität stellt Hersteller und Zulieferer vor Herausforderungen. Sie müssen sich jetzt entscheiden, in welchen Segmenten sie weiter ausbauen oder wo sie zurückfahren. Nachdem die zukünftige Nachfrage aber derzeit schwer prognostizierbar und auch unklar ist, inwieweit EU-Staaten Förderungen dauerhaft finanzieren, fehlt Planungssicherheit“, erörtert Marion Raninger.

Nord-Süd-Gefälle

Der Umstieg auf das Elektroauto verläuft in Europa sehr unterschiedlich. Norwegen, das nicht zur EU gehört, liegt mit einem Elektroautoanteil von 99 Prozent bei den Pkw-Neuzulassungen an der Spitze, gefolgt von Dänemark mit 89 Prozent und Finnland mit 62 Prozent. Österreich und Deutschland bewegen sich mit 34 beziehungsweise 35 Prozent im oberen Mittelfeld.

In anderen großen Märkten spielen Elektroautos dagegen eine deutlich geringere Rolle: In Italien liegt ihr Anteil bei acht Prozent, in Polen bei sechs Prozent.

Deutsche Hersteller in der Krise

Die deutschen Autokonzerne entwickelten sich im September deutlich schwächer als der Gesamtmarkt. Während die Pkw-Neuzulassungen in der EU um 9,3 Prozent zulegten, verzeichneten sie ein Minus von 2,1 Prozent. Ihr Marktanteil sank dadurch von 39,7 auf 35,6 Prozent und damit um 4,1 Prozentpunkte. Der Rückgang fiel stärker aus als im August, als die deutschen Hersteller 2,2 Prozentpunkte eingebüßt hatten.

Auf Konzernebene verloren vor allem Volkswagen (minus 3,3 Prozent), die Renault Group (minus 0,8 Prozent) sowie Ford und Stellantis (jeweils minus 0,6 Prozent) Marktanteile.

Ranking der Elektromodelle

Wie bereits in den vergangenen Quartalsendmonaten führt Tesla auch im September das Ranking der meistverkauften Elektromodelle in Europa an. Das Model Y belegt den ersten Platz, gefolgt vom Model 3.

Mit deutlichem Abstand folgen die Škoda-Modelle Elroq und Enyaq sowie zwei Renault-Modelle. Unter den zehn meistverkauften Elektroautos stammen nur noch drei von deutschen Konzernen, im August waren es sechs.

Auch in Österreich liegen die beiden Tesla-Modelle vorn, gefolgt vom Škoda Enyaq und dem Škoda Elroq. Anders als im europäischen Ranking schafft es hier mit dem BYD Atto auf Rang fünf auch ein chinesisches Elektroauto in die Top 10.

https://www.ey.com

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Melden Sie sich hier an

Sie sind noch nicht registriert?