Die Studie „Beyond the Cost Debate: A Multidimensional Approach to Quantify the Value of Cash for Society“ belegt, dass der gesamtwirtschaftliche Nutzen von Bargeld fast dreimal so hoch ist wie die Kosten seiner Bereitstellung. Die wissenschaftliche Leitung der Studie lag bei Julia Pitters, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der IU Internationalen Hochschule, und Franz Seitz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Weiden.
In der Analyse wurden verschiedene Effekte berücksichtigt, darunter der Nutzen für lokale Wirtschaftskreisläufe, die Resilienz des Zahlungssystems, der Schutz der Privatsphäre, finanzielle Inklusion sowie der Wettbewerb gegenüber anderen Zahlungsmethoden.

Die repräsentative Befragung hat ergeben, dass die positiven Effekte von Bargeld rund 1,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) beziehungsweise rund 54 Milliarden Euro entsprechen. Dem stehen Kosten für Bereitstellung und Betrieb der Bargeldinfrastruktur von 0,45 Prozent des BIP gegenüber.
Resilienz, nationale Sicherheit und Privatsphäre
Bargeld funktioniert in Krisenzeiten, bei Stromausfällen, Cyberangriffen oder anderen Störungen und ist die widerstandsfähigste Zahlungsmethode.
Auf Basis der Befragung zur sinnvollen Bargeldreserve für Notfälle errechnet die Studie daraus einen wirtschaftlichen Wert von rund 0,44 Prozent des BIP beziehungsweise ca. 19,5 Milliarden Euro.
Auch der Schutz der Privatsphäre lässt sich beziffern. Die Hälfte der Befragten wäre bereit, mindestens 20 Cent pro Transaktion dafür zu bezahlen, dass die Daten einer digitalen Zahlung nicht gespeichert oder unmittelbar gelöscht werden. Für Deutschland insgesamt entspricht dies einem Wert von mehr als drei Milliarden Euro beziehungsweise rund 0,075 Prozent des BIP.

Bargeld hat Vorteile, die weit über die einzelne Transaktion hinausgehen. Es fördert die finanzielle Inklusion, stärkt den Wettbewerb im Zahlungsökosystem und hilft Verbrauchern, die Kontrolle über ihre Ausgaben zu behalten. Hinzu kommt, dass viele Menschen den Komfort und die Sicherheit von Bargeld so hochschätzen, dass sie es behalten, obwohl es keine Zinsen bringt.
In Summe ergibt sich daraus ein Nutzwert von ca. 1,2 Prozent des deutschen BIP.
Stärkung lokaler Wirtschaftskreisläufe
Ein wesentlicher Teil des durch Bargeld erzeugten Nutzens entsteht im lokalen Wirtschaftskreislauf.
Die Studie untersuchte, wie sich das Ausgabeverhalten verändern würde, wenn Bargeld nicht mehr zur Verfügung stünde. 29 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in einem solchen Szenario weniger spenden würden, während ein Viertel angab, weniger Trinkgeld zu geben.

Auch bei Wochenmärkten, Stadtfesten, kleinen lokalen Dienstleistungen und anderen niedrigschwelligen Ausgaben rechneten die Befragten mit geringeren Ausgaben.
Wahlmöglichkeit stärkt Zahlungsökosystem
Die Studie versteht Bargeld ausdrücklich nicht als Gegenmodell zu digitalen Zahlungsmitteln. Vielmehr sprechen die Ergebnisse für einen ausgewogenen Zahlungsmittelmix, in dem Bargeld und digitale Zahlungsverfahren unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich gegenseitig ergänzen.
Sie unterstützt eine fundiertere Politikgestaltung und trägt dazu bei, dass das sich wandelnde Zahlungsökosystem auch weiterhin die Bedürfnisse, Präferenzen und Erwartungen der Bürger widerspiegelt.
„Über Jahrzehnte hinweg konzentrierte sich die Diskussion über Bargeld auf seine Kosten, weil viele seiner weiteren Nutzenaspekte nur schwer messbar waren. Unsere Studie zeigt nun, dass Bargeld einen substanziellen und messbaren Wert schafft, durch Resilienz, Privatsphäre, Inklusion und lokale Wirtschaftsaktivität. Selbst bei einer bewusst konservativen Methodik übersteigt der gesellschaftliche Nutzen die Kosten deutlich“, konstatiert Julia Pitters.
„Die Zukunft des Geldes sollte auf Fakten beruhen, nicht auf Annahmen. Diese Studie liefert Notenbanken und Regulierungsbehörden die Daten, die sie brauchen, um den umfassenden Wert von Bargeld zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu Prognosen, Investitionen und einer resilienten Zahlungsinfrastruktur zu treffen“, ergänzt Wolfram Seidemann, CEO von G+D Currency Technology.
Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.
