Dass der Kurs des Edelmetalls in den Monaten Februar bis Juni so stark gesunken war, hing auch mit den enormen Anstiegen zuvor zusammen. Zu Beginn des Jahres 2025 hatte das Edelmetall noch unter 3.500 USD je Feinunze notiert – beim Rekordhoch im Januar 2026 waren es 2.000 USD mehr.
„Für die kommenden Quartale sind viele Analysten grundsätzlich optimistisch für Gold. Anleger sollten sich allerdings darauf einstellen, dass es nach der beeindruckenden jüngsten Rally weiterhin zu starken Schwankungen und Rücksetzern kommen kann“, erklären die Experten Christian Sajowitz und Karl Freidl, Leiter Private Banking Wien sowie Graz, von der Steiermärkischen Sparkasse.
Im August hat Gold eine bemerkenswerte Erholung hingelegt. Nach dem kräftigen Rücksetzer im Frühjahr und Frühsommer hat das Edelmetall zuletzt wieder deutlich an Wert gewonnen. Mitte August notierte Gold zeitweise um 4.400 USD je Feinunze, nachdem der Preis im Juni unter die Marke von 4.000 USD gefallen war. Das bedeutete zuletzt ein Plus von rund 12 Prozent in Euro und knapp 14 Prozent in USD.
Der Anstieg folgt auf ein turbulentes erstes Halbjahr. Auf einen historischen Höchststand im Januar folgte ein deutlicher Rückgang des Goldpreises.
Als Belastungsfaktoren galten unter anderem hohe Renditen am Anleihemarkt, veränderte Erwartungen an die US-Geldpolitik und die Flucht vieler Anleger in Liquidität wegen der zahlreichen geopolitischen Spannungen.
Faktor Zinsen, Dollar und Geopolitik
Derzeit sprechen mehrere Faktoren für Gold. Erstens: die Entwicklung der US-Zinsen. Gold wirft selbst keine laufenden Zinsen ab. Sinken die Renditen von Staatsanleihen oder werden weitere Zinserhöhungen unwahrscheinlicher, wird Gold gegenüber verzinslichen Anlagen attraktiver. Genau diese Erwartung hat den Goldpreis zuletzt unterstützt.
Zweitens: der US-Dollar. Ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger und kann dadurch die Nachfrage erhöhen. Auch die jüngste Gold-Rally wurde von einer Schwäche des Dollar begleitet.
Drittens: geopolitische Risiken. Der Krieg und die Spannungen rund um den Iran haben die Finanzmärkte in diesem Jahr wiederholt verunsichert. Gold profitiert in solchen Phasen traditionell von seiner Rolle als sogenannter sicherer Hafen.

Nachfrage der Zentralbanken
Besonders interessant ist die weiterhin hohe Nachfrage der Zentralbanken. Nach Angaben des World Gold Council (= globale Lobbying-Organisation der Goldbergbauindustrie) kauften Zentralbanken und andere Institutionen im zweiten Quartal 2026 netto rund 289 Tonnen Gold – deutlich mehr als im zweiten Quartal des Vorjahres. China erhöhte dabei sein Tempo bei der Goldakkumulation, während Polen besonders stark zukaufte.
Auch insgesamt bleibt die Nachfrage robust: Im ersten Halbjahr 2026 erreichte die weltweite Goldnachfrage einschließlich des außerbörslichen Handels rund 2.522 Tonnen, das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Der World Gold Council erwartet, dass Investitionen im weiteren Jahresverlauf die wichtigste Quelle für zusätzliches Nachfragewachstum sein könnten. Zentralbanken dürften ebenfalls bedeutende Käufer bleiben.
Quo vadis, Aurum?
Die Prognosen für den Goldpreis sind uneinheitlich. Eine Reuters-Umfrage unter Analysten vom Juli ergab eine durchschnittliche Goldpreisprognose von 4.509 USD je Feinunze für 2026. Gleichzeitig rechnen viele Experten weiterhin mit einer stützenden Wirkung der Zentralbankkäufe und der Sorgen über die langfristige finanzielle Stabilität der Staaten.
Sehr optimistisch ist J.P. Morgan. Die US-Investment-Bank sieht die Möglichkeit, dass Gold bis zum Jahresende die Marke von 6.000 USD je Feinunze erreicht, für 2027 wird sogar ein Niveau von 6.300 USD als möglich bezeichnet. Gleichzeitig weist J.P. Morgan darauf hin, dass die weitere Entwicklung stark von der US-Geldpolitik und der geopolitischen Lage abhängt.
Solche Prognosen dürfen allerdings nicht als sicher verstanden werden. Gold kann innerhalb kurzer Zeit eine starke Volatilität zeigen.
Erholung und Schwankungen
Für Anleger ist vor allem die Geschwindigkeit der jüngsten Erholung wichtig. Nach dem kräftigen Anstieg im August besteht die Gefahr zwischenzeitlicher Gewinnmitnahmen. Gleichzeitig spricht einiges gegen eine schnelle Rückkehr zu den Tiefständen des Sommers. Die Nachfrage der Zentralbanken, das Interesse institutioneller Anleger und die geopolitischen Unsicherheiten bilden weiterhin ein relativ solides Fundament.
Für Anleger im Euroraum kommt außerdem der Euro-Dollar-Wechselkurs hinzu. Selbst wenn der Goldpreis in USD unverändert bleibt, kann sich der Wert einer Goldanlage in Euro durch Wechselkursbewegungen verändern. Für den österreichischen und deutschen Anleger ist deshalb nicht nur der USD-Goldpreis relevant, sondern auch die Entwicklung des Goldpreises in Euro.
Der Goldmarkt befand sich Ende August 2026 an einem entscheidenden Punkt. Die zentrale Botschaft für Anleger lautet:
Der langfristige Goldtrend bleibt interessant, doch nach dem kräftigen Plus im August dürfte der Weg nach oben nicht geradlinig verlaufen.
