Wer die Ökologisierung verschleppt, zahlt einen zunehmend hohen Preis. Wer sie als Gestaltungsaufgabe begreift, kann Wettbewerbsvorteile sichern.
Die gemeinsame Analyse von KONTEXT Institut und EY denkstatt unter Einbeziehung von Vertreter:innen der vier Schlüsselsektoren Energie, Tourismus und Landwirtschaft sowie der Automobilbranche zeigt, wie physische Klimarisiken, wirtschaftliche Trägheitsrisiken und konkrete Chancen der Ökologisierung bereits heute die Realität österreichischer Betriebe prägen.
„Dort, wo Zickzackpolitik und unternehmerische Trägheit einander verstärken, entsteht Stillstand – und der kommt teuer. Nur wenn Politik und Unternehmen die Ökologisierung als Chance begreifen und gemeinsam gestalten, kann der Standort Österreich langfristig gewinnen“, verdeutlicht KONTEXT-Vorständin Katharina Rogenhofer.
Risiken und Chancen für Österreichs Schlüsselsektoren
Der Klimawandel bringt sowohl erhebliche Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich als auch neue Chancen, die sich aus der notwendigen ökologischen Transformation ergeben.
Physische Risiken zeigen sich darin, dass Hitzewellen Produktionen unterbrechen und die Belastung für Beschäftigte erhöhen. Extremwetterereignisse beschädigen zudem Infrastruktur und gefährden globale Lieferketten von Unternehmen. In der Landwirtschaft führten Frost, Dürre, Hagel und Überflutungen allein im Jahr 2024 zu Schäden von 260 Millionen Euro. Gleichzeitig verkürzen schwindende Schneedecken die Wintersaisonen, während zu geringer Niederschlag die Stromproduktion aus Wasserkraft an der Donau im Jahr 2025 um rund 20 Prozent reduzierte.

Trägheitsrisiken entstehen, wenn zu spätes oder ausbleibendes Handeln die Kosten stark erhöht und zukünftige Geschäftsmodelle gefährdet. Fossile Preisschocks, verändertes Konsumverhalten, EU-Gesetzgebungen, CO2-Bepreisung, Risiken in Lieferketten sowie steigender Druck durch Kapitalmärkte führen zu deutlichen Marktverschiebungen und machen fossile Technologien zunehmend unwirtschaftlich.
Das zeigt sich etwa in der E-Mobilität, wo der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge im ersten Quartal 2026 in Österreich bereits 22,5 Prozent aller Neuzulassungen erreichte – ein Rekordwert. Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig anpassen, riskieren den Verlust des Zugangs zu Kapital, Talenten und zukünftigen Absatzmärkten.


Der steigende Strombedarf einer elektrifizierten Wirtschaft schafft zudem wachsende Absatzmärkte für die Energiebranche. In der Landwirtschaft stärken veränderte Konsummuster pflanzliche, regionale und biologische Produktsegmente.
Auch im Tourismus ergeben sich durch Nachhaltigkeit, Diversifikation und neue Zielgruppen neue Wachstumsmöglichkeiten jenseits schneeabhängiger Angebote.
„Österreich hat eine starke industrielle Basis, eine hohe Innovationsdichte, regional verankerte Landwirtschaft und etablierte Tourismusstrukturen. Es braucht Mut zu klaren Entscheidungen, um Österreichs starke Ausgangsbedingungen zu nutzen, die Risiken zu minimieren und die Chancen zu realisieren“, erörtert Christian Plas, Partner bei EY denkstatt.
Prinzipien für eine gelingende Ökologisierung
Um die Chancen der Transformation zu nutzen und die Risiken zu begrenzen, braucht es klare politische Rahmenbedingungen. Diese müssen sektorübergreifend gedacht und in allen Politikbereichen konsequent verankert werden. Politische Vorgaben können Planungssicherheit für Wirtschaft und Gesellschaft schaffen und sind deshalb besonders zentral.
Die Verantwortung liegt jedoch nicht ausschließlich bei der Politik. Unternehmen sind gefordert, strategisch und langfristig zu agieren, Branchenstandards proaktiv umzusetzen und die Umsetzung notwendiger Politikmaßnahmen aktiv einzufordern.
Interessensvertretungen tragen dabei besondere Verantwortung. Sie können Transformationsprozesse entscheidend beschleunigen und mitgestalten oder, wenn sie veraltete Geschäftsmodelle verteidigen, aktiv verzögern.
Die drei folgenden Prinzipien richten sich daher nicht nur an die Politik, sondern auch an Unternehmen und Interessensvertretungen:
- Zielklarheit schafft Investitionssicherheit, die Unternehmen für langfristige Transformationsentscheidungen benötigen. Beim Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz ist das gelungen, das Ziel der Klimaneutralität 2040 ist jedoch weiterhin nicht gesetzlich verankert.
- Technologieklarheit lenkt Ressourcen in jene Lösungen, die tatsächlich skalierbar und sowohl ökonomisch als auch ökologisch effizient sind. Bei der Elektrifizierung von Landmaschinen gelingt das bisher besser als bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs.
- Preisklarheit macht notwendige Investitionsentscheidungen finanziell darstellbar, indem Klimakosten eingepreist und Wettbewerbsverzerrungen abgebaut werden. Die Normalverbrauchsabgabe (NoVA) wirkt in diesem Zusammenhang positiv, die Kerosinsteuerbefreiung und der Agrardiesel kontraproduktiv.
Zudem muss die Politik ressortübergreifend agieren und zukunftsfähige Infrastruktur (Stromnetze, Ladeinfrastruktur, öffentlicher Verkehr etc.) ausbauen, um die Chancen konsequent nutzen zu können.
Nähere Informationen zum vollständigen „Chancenreport Österreich“ finden Sie hier.
