Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels

Für die Umsetzung notwendiger Anpassungsmaßnahmen ist eine solide Finanzierung entscheidend.
© Klaus Ranger
Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels
Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds Österreich.

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Der Klimawandel beeinflusst in Österreich zunehmend die Verfügbarkeit und die Qualität des Grundwassers. Besonders stark wirkt sich der geringere Niederschlag in Form von Schnee aus, wobei der gefallene Schnee auch weniger lange liegen bleibt.

Insgesamt führen somit steigende Temperaturen und dadurch höhere Verdunstungsraten, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse dazu, dass weniger Wasser in tiefe Bodenzonen versickert und weniger Grundwasser neu gebildet wird. Starkregen fließt oft rasch oberflächlich ab und geringe Niederschläge werden in der Vegetationsperiode von Pflanzen in Anspruch genommen oder verdunsten.

Zusätzlich geht durch das Abschmelzen der Gletscher langfristig eine weitere Wasserreserve verloren. Diese Entwicklungen verringern die Neubildung von Grundwasser und verschärfen die Situation vor allem in sensiblen Regionen.

Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels
Änderung verfügbarer Grundwasserressourcen in Österreich, Vergleich von Schätzungen aus dem Projekt Wasserschatz Österreich mit Schätzungen, die auf aktuell gemessenen Daten beruhen.
© Klimastatusbericht Österreich 2025

In vielen Regionen wird daher künftig weniger Grundwasser zur Verfügung stehen. Prognosen zufolge könnten die verfügbaren Ressourcen bis 2050 um bis zu 23 % zurückgehen.

Gleichzeitig wird der Wasserbedarf voraussichtlich um bis zu 15 % ansteigen, was die Trinkwasserversorgung, Ökosysteme, die Industrie und die Energieproduktion betrifft. In der Landwirtschaft kann sich der Wasserbedarf bis 2050 beinahe verdoppeln.

Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels
Verfügbare Grundwasserressourcen in Österreich nach Szenario-Regionen, Stand 2021.
© Klimastatusbericht Österreich 2025

„Die Auswirkungen des Klimawandels sind in allen Lebensbereichen deutlich spürbar. Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen erhöhen den Wasserbedarf und setzen gleichzeitig unsere Wasserressourcen zunehmend unter Druck. Um gegenzusteuern, investieren wir laufend in die Wasserinfrastruktur – allein im vergangenen Jahr wurden 330 Kilometer Trinkwasserleitungen neu errichtet und 376 km saniert. Gleichzeitig stärken wir die Resilienz der Landwirtschaft durch die Förderung von Wasserrückhaltebecken und effizienten Bewässerungssystemen. Auch künftig werden wir konsequent in Klimaschutz, Klimawandelanpassung und moderne Infrastruktur investieren, um Ernten zu sichern und die langfristige Versorgung zu gewährleisten. Das sind Investitionen in unsere Lebensgrundlagen und dafür muss auch das notwendige Budget zur Verfügung gestellt werden“, verdeutlicht Umweltminister Norbert Totschnig.

Maßnahmensetzung

Um Österreichs Grundwasserressourcen zu schützen und die langfristige Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, setzt das Umweltministerium zielgerichtete Maßnahmen.

So wird laufend in die Wasserinfrastruktur investiert: 2025 wurden Projekte im Umfang von rund 1,15 Milliarden Euro Investitionskosten in den Bereichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Hochwasserschutz und Gewässerökologie ausgelöst.

Ergänzend dazu schafft der 2023 veröffentlichte Trinkwassersicherungsplan die Grundlage für den Umgang mit Trinkwasserknappheit und ein konkretes 5-Punkte Programm zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung.

Ein wichtiger Schritt ist der Aufbau eines österreichweiten Wasserentnahmeregisters, das bis Ende des Jahres umgesetzt werden soll und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen ermöglicht. Gleichzeitig werden Wasserrückhalt und die Förderung der Grundwasserneubildung unterstützt, etwa durch Renaturierungsmaßnahmen von Flüssen und Auen.

Auch Projekte wie „LIFE AMooRe“, das mit über 17 Millionen Euro vom Umweltministerium finanziert wird, haben positive Auswirkungen auf unseren Wasserhaushalt.

Folgen für die heimische Landwirtschaft

Dass Klimawandelanpassung dringend erforderlich ist, zeigt auch eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Zusammenarbeit mit der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Sie verdeutlicht die volkswirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden für die Landwirtschaft in Österreich. Die Auswirkungen betreffen auch Zuliefer- und Verarbeitungsbetriebe: Je nach Szenario könnten jährlich bis zu 600 Millionen Euro an Wertschöpfung verloren gehen und bis zu 9.300 Arbeitsplätze gefährdet sein.

Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels
Grundwassernutzung nach Sektoren.
© Klimastatusbericht Österreich 2025

„Grundwasser ist eine zentrale Ressource – nicht nur für die Trinkwasser-, sondern zunehmend auch für die Energieversorgung. Sinkende Grundwasserstände und veränderte Abflussverhältnisse beeinflussen bereits heute die Stromproduktion aus Wasserkraft, insbesondere in den Sommermonaten. Gleichzeitig gewinnt die Nutzung von Geothermie und damit verbunden dem Grundwasser zur Gebäudekühlung in Zeiten zunehmender Hitze an Bedeutung. Um diese Potenziale langfristig zu sichern, braucht es ein integriertes Management unserer Wasser- und Energiesysteme sowie gezielte Investitionen in klimaresiliente Infrastrukturen“, konstatiert Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds Österreich.

Ergebnisse & Ereignisse des Klimastatusberichts 2025 im Überblick

Das Jahr 2025 war ein sehr warmes, mit 1.700 Sonnenstunden sehr sonniges und deutlich zu trockenes Jahr – die durchschnittliche Niederschlagsmenge lag bei 881 mm.

Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels
Langfristige Entwicklung der Jahreswerte von Lufttemperatur (oben), Niederschlagssumme (Mitte) und Sonnenscheindauer (unten) in Österreich vom Beginn instrumenteller Messungen bis 2025. Die Niveaus der Mittelwerte des Bezugszeitraumes 1961–1990 bzw. der letzten 30 Jahre 1995–2024 sind als dunkelgraue bzw. hellgraue Linien eingetragen.
© Klimastatusbericht Österreich 2025

Mit einer Durchschnittstemperatur von +7,9 °C zählt es zu den achtwärmsten Jahren seit Beginn der Messungen.

Der Februar war durch außergewöhnlich trockene Witterungsverhältnisse geprägt, regional mit bis zu 80 % weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Dies erhöhte insbesondere in Ostösterreich die Waldbrandgefahr und wirkte sich auf Wasserhaushalt, Vegetation und Landwirtschaft aus. Im weiteren Verlauf begünstigten die trockenen Bedingungen im März erste Vegetations- und Waldbrände.

Im April führte die anhaltende Trockenheit zu mehreren Vegetations- und Waldbränden, insbesondere in Kärnten. In der zweiten Monatshälfte gingen erste kräftigere Gewitter mit Starkregen und Hagel nieder, die lokal Überflutungen und Schäden verursachten.

Auch das Jahresende brachte – begünstigt durch die trockenen Bedingungen – erneut eine erhöhte Waldbrandgefahr, diesmal für Tirol.

Von Mai bis Juli herrschte eine gewitterreiche Periode mit regionalen Hochwassern. Im Mai verursachten Gewitter im Marchfeld landwirtschaftliche Schäden von rund 500.000 Euro, im Südburgenland kam es durch Starkregen zu Überflutungen und Murenabgängen.

Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli führten intensive Niederschläge im Gschnitz- und Stubaital zu schweren Murenabgängen, bei denen Verkehrswege unterbrochen, Gebäude beschädigt und Personen evakuiert werden mussten. Der landwirtschaftliche Schaden wurde österreichweit auf rund 9 Millionen Euro geschätzt.

Von 18. Juni bis 6. Juli wurden zudem anhaltend hohe Temperaturen über 30 °C gemessen; am 26. Juni wurde in Kärnten mit 38,3 °C ein neuer Bundeslandrekord erreicht. Mitte Juli verursachte ein Tornado in Oberösterreich schwere Gebäudeschäden.

Österreichs Grundwasser unter massivem Einfluss des Klimawandels
Entwicklung der jährlichen Anzahl an Tropennächten (oben) und Niederschlagstagen (unten) in Österreich von 1961 bis 2025. Angegeben sind Mittelwerte der unter 500 m Seehöhe gelegenen Flächen. Die Niveaus der Mittelwerte des Bezugszeitraumes 1961–1990 bzw. der letzten 30 Jahre 1995–2024 sind als dunkelgraue bzw. hellgraue Linien eingetragen.
© Klimastatusbericht Österreich 2025

Der August war von Hitze und Trockenheit geprägt, wodurch die Waldbrandgefahr in Kärnten sowie im Osten erhöht blieb. Starkregen führte am 21. und 22. August in Vorarlberg zu Überflutungen, Erdrutschen und abschnittsweise erhöhtem Hochwasser.

„Die Entwicklung der Grundwasserstände und der Anpassungsoptionen, auf die sich der Bericht 2025 konzentriert, zeigt deutlich, dass auch ein wasserreiches Land wie Österreich vor wachsenden Herausforderungen steht. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster wirken sich zunehmend auf die Neubildung und Qualität unserer Wasserressourcen aus. Gleichzeitig nimmt der Wasserbedarf weiter zu. Besonders in intensiv genutzten Regionen kann dies bereits heute zu saisonalen Engpässen führen. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, sind vorausschauendes Wassermanagement, Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen und konsequenter Klimaschutz dringend erforderlich“, ergänzt Herbert Formayer, wissenschaftlicher Leiter des Berichts und Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie (BOKU).

Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Klimastatusbericht, der jährlich im Auftrag des Klima- und Energiefonds und der Bundesländer erstellt wird. Eine Studie von WIFO und AGES verdeutlicht zudem die erheblichen wirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden.

Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden sie hier.

https://www.klimafonds.gv.at

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