White Collar Jobs: KI verändert nicht nur manuelle, sondern auch qualifizierte Arbeit

Künstliche Intelligenz (KI) könnte die Struktur moderner Arbeitsmärkte grundlegend verändern.
© Sabine Hauswirth
White Collar Jobs: KI verändert nicht nur manuelle, sondern auch qualifizierte Arbeit
Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich.

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Eine aktuelle Studie des internationalen Kreditversicherer Coface zeigt, dass die nächste Entwicklungsstufe der KI über bisherige Automatisierungsmuster hinausgeht. Neue Systeme unterstützen nicht nur, sondern ganze Arbeitsabläufe können selbstständig übernommen werden.

Damit geraten komplexe kognitive Tätigkeiten zunehmend in den Fokus. Die Studie analysiert die Automatisierbarkeit von 923 Berufen in fast 30 Ländern und macht Unterschiede zwischen den Arbeitsmärkten deutlich.

„KI verschiebt den Arbeitsmarkt von Quantität zu Qualität. Unternehmen sichern mit einem klugen Einsatz von KI ihre Wettbewerbsfähigkeit, entlasten ihre Talente und werten ihre Kompetenzen auf. KI ist die Antwort auf unseren Fachkräftemangel. Sie stärkt die Produktivität der Mitarbeiter und macht Wachstum besser planbar“, verdeutlicht Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich.

Neue Analysemethodik

Die Untersuchung, die Coface zusammen mit dem Observatoire des Emplois Menacés et Émergents (OEM) durchgeführt hat, basiert auf einer neuen Methodik, die Berufe bis auf ihre elementaren Einzelaufgaben herunterbricht.

Jede Aufgabe wird in einzelne Schritte zerlegt und nach klar definierten, reproduzierbaren Kriterien bewertet. Dieser granulare Ansatz ermöglicht eine präzisere Einschätzung der technologischen Automatisierbarkeit einzelner Tätigkeiten.

Die Analyse wurde auf knapp 30 Länder ausgeweitet und zeigt damit ein umfassendes Bild internationaler Arbeitsmärkte.

„Dabei geht es um die technische Machbarkeit von Automatisierung und nicht darum, wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich wegfallen oder neu entstehen“, erörtert Aurélien Duthoit, Volkswirt bei Coface und Co-Autor der Studie.

Wandel trifft Köpfe, nicht Hände

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Wandel in der Art der Automatisierung. Während frühere Technologiewellen vor allem körperliche Tätigkeiten und später repetitive Routinearbeiten im Büro betrafen, richtet sich der Fokus agentenbasierter KI zunehmend auf datenbasierte, analytische und informationsintensive Arbeitsinhalte.

Diese Systeme können nicht mehr nur einzelne Arbeitsschritte unterstützen, sondern ganze Abläufe eigenständig ausführen. Daher werden Berufsfelder wie das Ingenieurwesen, IT, Recht, Finanzen, Verwaltung sowie kreative und analytische Tätigkeiten verändert

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„In dieser zweiten Phase der KI-Entwicklung weist rund jeder achte Beruf einen Automatisierbarkeitsanteil von über 30 Prozent auf. Das ist ein Hinweis darauf, dass diese Bereiche vor einer tiefgreifenden Transformation stehen“, informiert Aurélien Duthoit.

Deutlich robuster bleiben dagegen Tätigkeiten, die stark an physische Präsenz, manuelle Fähigkeiten oder echte zwischenmenschliche Interaktion gebunden sind: Handwerk, Pflege, Gastronomie oder persönliche Dienstleistungen gelten heute als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber KI-gestützter Automatisierung.

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Zwischen den Ländern variiert der Einfluss von KI-gestützter Automatisierung deutlich: Der Anteil potenziell automatisierbarer Arbeitsinhalte reicht von rund 15 Prozent in Japan bis fast 20 Prozent im Vereinigten Königreich. Diese Unterschiede hängen mit der Wirtschaftsstruktur der jeweiligen Länder zusammen – sie bestimmt, welche Arten von Tätigkeiten besonders häufig vorkommen und damit auch, wie groß der Anteil der grundsätzlich automatisierbaren Aufgaben ist.

Österreich im Industrie-Cluster

Österreich liegt mit 16 Prozent über dem Durchschnitt und bildet gemeinsam mit Tschechien, der Slowakei, Slowenien und Deutschland ein industriell geprägtes Cluster. Der Anteil an Tätigkeiten im Ingenieurwesen, in der industriellen Fertigung, bei technischen Dienstleistungen, in Forschung, öffentlicher Verwaltung und im Bildungssektor prägt einen Arbeitsmarkt mit vielen informationsintensiven und koordinierenden Aufgaben – genau jene Tätigkeiten, die besonders für die KI-Unterstützung oder -Automatisierung geeignet sind.

Zugleich ist der Anteil stark dienstleistungsorientierter, managementorientierter oder IT-intensiver Funktionen geringer als in Ländern wie den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich.

White Collar Jobs: KI verändert nicht nur manuelle, sondern auch qualifizierte Arbeit
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Österreich zählt daher nicht zu den Arbeitsmärkten Europas, die am stärksten von KI-getriebenen Veränderungen betroffen sind.

KI verändert Wertschöpfung, Bildung und Abhängigkeiten

Die Autoren betonen, dass die Auswirkungen weit über die Arbeitswelt hinausreichen. Da agentenbasierte KI vor allem gut bezahlte, hochqualifizierte Tätigkeiten betrifft, werden grundlegende wirtschaftliche und soziale Gleichgewichte beeinflusst.

Immer mehr Wertschöpfung könnte nicht mehr durch menschliche Arbeitsleistung, sondern durch KI-basierte Prozesse und die dahinterstehenden Investitionen erzeugt werden. Staaten mit stark arbeitsbezogenen Steuersystemen stünden damit vor einer doppelten Herausforderung: sinkende Einnahmen und zugleich steigende Ausgaben für soziale Sicherung, Qualifizierung und berufliche Anschlussperspektiven.

Zudem gibt es Auswirkungen auf das Bildungssystem:

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„Wenn klassische akademische Laufbahnen nicht mehr automatisch berufliche Sicherheit bieten, gewinnen Kompetenzen wie kritisches Urteilsvermögen, Anpassungsfähigkeit und der Umgang mit komplexen KI-Systemen an Bedeutung. Hochschulen und berufliche Bildungseinrichtungen werden ihre Programme stärker auf Fähigkeiten ausrichten müssen, die KI sinnvoll ergänzen, statt mit ihr zu konkurrieren“, unterstreicht Aurélien Duthoit.

Hinzu kommen neue geopolitische und operative Abhängigkeiten. Schlüsselressourcen wie Halbleiter, Rechenzentren oder die Modelle selbst sind global stark konzentriert. Dies erhöht die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks wie Exportbeschränkungen, regulatorischen Veränderungen und globalen Lieferkettenrisiken.

Während KI das Potenzial hat, erhebliche Produktivitätsgewinne zu erzeugen, entstehen gleichzeitig neue strukturelle Verwundbarkeiten.

https://www.coface.at

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