Die Klimapolitik entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Standortfrage, die über die künftige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von Regionen und Branchen mitentscheidet. Während Energiethemen mittlerweile weitgehend außer Streit stehen und als konsensfähiger Handlungsbereich gelten, zeigt sich im Bereich Mobilität ein deutlich anderes Bild: Hier verlaufen politische und gesellschaftliche Debatten weiterhin zäh, und notwendige Transformationsschritte werden vielfach verzögert oder nur fragmentarisch umgesetzt.
Zu diesem Befund kommt das Klimadiskurs-Monitoring des KONTEXT Instituts, das die Dynamiken und Verschiebungen im klimapolitischen Diskurs systematisch analysiert und damit ein differenziertes Bild der aktuellen politischen Prioritätensetzung zeichnet.
Aktualität und Relevanz
Seit 2023 hat kein anderes Thema im Klimadiskurs so stark an Relevanz gewonnen, wie die Verknüpfung von Standort- und Wirtschaftspolitik mit Klimapolitik. Besonders intensiv und konstruktiv wird weiterhin über Energiethemen gesprochen, was gerade auch im Lichte der aktuellen fossilen Energiekrise interessant ist.
Die Auswertung einer repräsentativen Stichprobe klimapolitischer Aussagen, die von FORESIGHT codiert wurde, zeigt, dass die Klimadebatte im Jahr 2025 insgesamt leiser wurde.

Obwohl der Klimadiskurs insgesamt leiser wird, bleibt er jedoch weiterhin überwiegend konstruktiv. Wenn Klimapolitik in österreichischen Medien thematisiert wird, dominiert über nahezu alle Akteursgruppen und Themenfelder hinweg eine positiv-konstruktive Argumentationsweise. Klimawandelleugnung spielt eine insignifikante Rolle im österreichischen Mediendiskurs. Diese Entwicklung weist darauf hin, dass die Dringlichkeit des Themas von vielen unterschiedlichen Akteur:innen anerkannt wird und weitgehend Konsens über die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen besteht.

Unternehmen und Energiebranche wurden dabei lauter, die Zivilgesellschaft etwas leiser. Die Notwendigkeit von Klimaschutz und insbesondere der Energiewende wird mittlerweile von fast allen relevanten Akteursgruppen anerkannt.
„Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir uns schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien müssen. Das erfordert einen nationalen Kraftakt – und es erfordert konstruktiven Diskurs, in dem Ökologisierung und Wirtschaftspolitik gemeinsam gedacht werden. In diesem Lichte sind die Ergebnisse des Klimadiskurs-Monitorings sehr ermutigend”, erörtert KONTEXT-Vorständin Tina Deutsch.
Akteure
Politikerinnen und Politiker prägen den Klimadiskurs weiterhin in besonderem Maße und sind für 36 Prozent aller erfassten Aussagen verantwortlich. Damit bleiben sie die dominierende Akteursgruppe in der öffentlichen Auseinandersetzung über klimapolitische Fragen.
Die Wissenschaft nimmt in diesem Gefüge eine besondere Rolle ein: Sie ist nach wie vor die wichtigste konstruktive Stimme im Diskurs. Mit einem Anteil von 18 Prozent aller Aussagen trägt sie substanziell zur inhaltlichen Einordnung bei, wobei 92 Prozent dieser Beiträge als konstruktiv eingeordnet werden.
Demgegenüber verlieren zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure sowie Aktivistinnen und Aktivisten an Sichtbarkeit im öffentlichen Diskurs. Parallel dazu gewinnen Unternehmen spürbar an Einfluss und treten stärker als kommunikative und argumentative Akteure in Erscheinung. Ihre Positionierungen werden dabei insgesamt eher als verzögernd beschrieben.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine Differenzierung innerhalb der Unternehmensperspektive: Im Bereich der Energiethemen beteiligen sich Unternehmen deutlich konstruktiver an der Debatte und tragen damit zu lösungsorientierten Ansätzen bei.
Parteien
Die österreichische Parteienlandschaft zeigt im Klimadiskurs ein deutlich differenziertes und teils asymmetrisches Rollenbild. Die ÖVP positioniert sich im Bereich der Energiethemen konstruktiv und bringt dort regelmäßig sachorientierte Beiträge in die Debatte ein. Gleichzeitig fällt sie jedoch durch eine überdurchschnittlich verschleppende Haltung in klimapolitischen Schlüsselbereichen auf, insbesondere wenn wirtschaftspolitische Risikoargumente in den Vordergrund gestellt werden oder zentrale EU-Klimamaßnahmen politisch gebremst bzw. infrage gestellt werden.

SPÖ und NEOS nehmen demgegenüber insgesamt eine eher untergeordnete Rolle im klimapolitischen Diskurs ein und prägen die öffentliche Debatte in geringerem Ausmaß. Ihre Sichtbarkeit und inhaltliche Setzungskraft bleiben im Vergleich zu den anderen Parlamentsparteien begrenzt.
Eine klare Polarisierung zeigt sich zwischen den politischen Rändern: Die FPÖ dominiert den verschleppenden Diskurs und trägt damit maßgeblich zu einer kritischen bzw. bremsenden Tonalität in der Klimadebatte bei. Die Grünen wiederum nehmen die entgegengesetzte Position ein und gelten als prägende Kraft des konstruktiven Diskurses, indem sie konsequent auf ambitionierte klimapolitische Maßnahmen und Transformationspfade fokussieren.
Themen und Technologien
Energie bleibt im Klimadiskurs das dominierende Themenfeld und macht mit 34 Prozent aller Aussagen den größten Anteil aus. Dabei zeigt sich überwiegend eine konstruktive Debattenlage, in der stärker lösungsorientierte und konsensfähige Zugänge erkennbar sind. Energie fungiert damit weiterhin als zentraler Referenzbereich der klimapolitischen Auseinandersetzung.
Deutlich an Bedeutung gewonnen haben hingegen Wirtschaftspolitik und Standortfragen, die inzwischen 13 Prozent aller Aussagen ausmachen und damit den stärksten Zuwachs unter den Themenfeldern seit 2023 verzeichnen.

Der Grad der Verschleppung variiert stark je nach Thema. Grundsätzlich ist der klimapolitische Diskurs in Österreich überwiegend konstruktiv. Trotzdem zeigen sich bei jeder vierten klimapolitischen Aussage (24 %) konkrete Verzögerungstaktiken. Diese verschleppen politisches Handeln im Sinne einer zukunftsgerichteten Ökologisierung und damit zusammenhängende notwendige Maßnahmen.
Bei konkreten Technologien stehen erneuerbare Energien im Mittelpunkt (41 % der technologiebezogenen Aussagen). Über den Ausbau von Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik wird dabei überdurchschnittlich konstruktiv gesprochen, während bei Technologien im Verkehrssektor häufig verschleppt wird.
Politische Ebene
Die österreichische Klimapolitik dominiert den medialen Diskurs (63 % der Aussagen mit geografischem Bezug). Gleichzeitig wird bei EU-Themen und Aussagen, die das Ausland betreffen, überdurchschnittlich verschleppt. Besonders häufig werden die USA und Deutschland als Negativbeispiele für Klimapolitik herangezogen. Konstruktive internationale Beispiele bleiben dagegen unterrepräsentiert.
„Der Diskurs über Wirtschafts- und Standortpolitik in Verbindung mit Klimapolitik ist überwiegend konstruktiv und stellt die Chancen der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit in den Mittelpunkt. Im verschleppenden Diskurs dominieren dagegen Ängste vor Veränderung und kurzfristige wirtschaftliche Risiken“, betont KONTEXT-Studienautorin Anna Pixer.
„Wie wir über Klimapolitik sprechen, entscheidet, welche politischen Entscheidungen getroffen werden. Die aktuelle Energiekrise bietet den besten Nährboden für eine neue Transformationsgeschichte, um das Land aus der kontinuierlichen Abhängigkeit zu befreien“, ergänzt Tina Deutsch.
Nähere Informationen zum vollständigen Klimadiskurs-Monitoring finden Sie hier.
