Laut dem aktuellen Hernstein Management Report geben rund 60 % der befragten Führungskräfte an, dass erworbenes Wissen von Mitarbeitenden häufig kaum an nachfolgende Personen oder im Kollegenkreis weitergegeben wird.
Besonders kritisch wird der Wissenstransfer im Finanzwesen gesehen, wo 69 % der Befragten Defizite orten. Das ist insofern bemerkenswert, als Finanzdienstleistungen stark reguliert sind und hohen Dokumentationsanforderungen unterliegen.

Dahinter folgen der Tourismus mit 68 % und die Sachgüterproduktion mit 67 %. Vergleichsweise gering fallen die Bedenken im Dienstleistungsbereich sowie im Gesundheits- und Sozialwesen aus, wo jeweils 55 % Defizite sehen.
„Wissensweitergabe ist in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend strukturell verankert. Wenn Wissen stark an einzelne Personen gebunden bleibt, kann das unterschiedliche Ursachen haben – etwa fehlende Übergabeprozesse, begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen oder Unsicherheit darüber, wie Wissen geteilt werden soll. Häufig wird dem strukturierten Offboarding, also einem geregelten Austrittsprozess aus dem Unternehmen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In beiden Fällen geht dem Unternehmen wertvolles Wissen verloren. Wissensmanagement kann dazu beitragen, Wissen systematisch zu sichern und zugänglich zu machen. Voraussetzung dafür ist eine Unternehmenskultur, die Austausch fördert und von der Führungsebene aktiv getragen wird“, erklärt Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement des Bildungsinstituts Hernstein der FHWien der Wirtschaftskammer Wien.
Hoher Stellenwert von „Learning by Doing“
Jeweils 84 % der Führungskräfte geben an, dass „Learning by Doing“ und informeller Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitenden einen hohen Stellenwert haben – in Österreich mit 88 % deutlich mehr als in Deutschland.

Auch formale Lernformate bleiben relevant: Interne Schulungen erreichen 75 %, externe Schulungen werden von 60 % als wichtiger Bestandteil der Kompetenzentwicklung gesehen.
„Informeller Austausch und kollegiale Beratung ermöglichen einen unmittelbaren Wissenstransfer im Arbeitskontext und fördern Zusammenarbeit und Vertrauenskultur. Gleichzeitig bieten externe Schulungen strukturierte Impulse, neue Perspektiven und methodische Vertiefung. Entscheidend ist das Zusammenspiel beider Lernformen. Informelles Lernen ist dabei häufig stark von einzelnen Personen abhängig. Ohne klare Standards oder Dokumentation besteht das Risiko, dass Wissen nicht systematisch gesichert wird. Mit steigender Managementebene gewinnt daher auch die gezielte externe Weiterbildung weiter an Bedeutung“, konkretisiert Gabriele Fantl.
Unternehmensspezifische Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung
Obwohl Learning by Doing beim Wissenstransfer dominiert, sind Aus- und Weiterbildungsangebote sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeitende unverzichtbar, um das notwendige Know-how für die Unternehmen sicherzustellen.
52 % der Befragten stimmen der Aussage sehr zu, dass gerade bei Führungskräften die laufende Weiterbildung unerlässlich ist; weitere 37 % stimmen eher zu (gesamt: 89 %). Diese hohe Wertschätzung für Weiterbildung sollte sich aus Sicht der Führungskräfte auch finanziell niederschlagen: 82 % sind der Meinung, dass Mitarbeitende mit Weiterbildungsaktivitäten mehr Gehalt bekommen sollten.

„Acht von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass Weiterbildung mit mehr Gehalt verbunden sein sollte “, so Gabriele Fantl.
71 % geben ebenso an, bei neuen Mitarbeitenden auf unternehmensinterne Ausbildung zu setzen, da deren vorhandene Qualifikationen im Regelfall nicht ausreichen.
Als Gründe, weshalb Weiterbildung an Bedeutung gewonnen hat, werden eine gestiegene Bedeutung von Soft Skills sowie veränderte Anforderungen an Mitarbeiterführung (19 %) genannt. Schnelllebigkeit und ständige Veränderung (17 %) sowie eine höhere Komplexität von Prozessen und Aufgaben (14 %) machen ebenfalls mehr Weiterbildung erforderlich.


Auf die Frage, welche Ursachen es geben könnte, dass Unternehmen dem Bereich Weiterbildung eine sinkende Bedeutung zuschreiben, wurden mit 21 % die hohen Kosten sowie mit 19 % der Mangel passender Angebote am häufigsten genannt.
Wunschthemen der Führungskräfte im Weiterbildungsbereich
Auf die Frage, zu welchem Thema sie sich Weiterbildung wünschen, um ihre Führungsaufgaben besser erfüllen zu können, nannten 13 % der befragten Führungskräfte Weiterbildung im Bereich Social Skills (soziale und emotionale Kompetenz).

Dieses Themenfeld wurde bereits bei den Gründen für die steigende Bedeutung von Weiterbildungsaktivitäten am häufigsten genannt. Es folgen mit geringem Abstand Krisenmanagement, Personalführung im Allgemeinen, fachliche Schulungen, Digitalisierung und Teambuilding.
„Bei der Weiterbildungsform bevorzugen die befragten Führungskräfte am stärksten Präsenzformate; ob unternehmensintern oder extern ist dabei nicht relevant“, ergänzt Gabriele Fantl abschließend.
Nähere Informationen zum vollständigen Report finden Sie hier.
