Unsicherheit und Geopolitik: Globale Militärausgaben erreichen neuen Höchststand

USA, China und Russland sind für rund 51 Prozent der weltweiten Gesamtausgaben verantwortlich.
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Unsicherheit und Geopolitik: Globale Militärausgaben erreichen neuen Höchststand
Diego Lopes da Silva, Senior Researcher im SIPRI-Programm für Militärausgaben und Rüstungsproduktion.

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Mit dem erneuten Anstieg im Jahr 2025 steigen die globalen Militärausgaben bereits im elften Jahr in Folge. Die weltweite Militärlast – der Anteil der Militärausgaben am Bruttoinlandsprodukt – erreichte 2,5 Prozent und damit den höchsten Wert seit 2009.

Der Zuwachs von 2,9 Prozent fällt jedoch deutlich geringer aus als im Vorjahr (9,7 Prozent), was vor allem auf sinkende US-Ausgaben zurückzuführen ist. Ohne die USA legten die globalen Ausgaben um 9,2 Prozent zu.

Dies geht aus neuen Daten des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) hervor.

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„Die weltweiten Militärausgaben stiegen 2025 erneut, da Staaten auf Kriege, Unsicherheit und geopolitische Umbrüche mit umfassenden Aufrüstungsprogrammen reagierten. Angesichts aktueller Krisen und langfristiger Ausgabenziele vieler Staaten sei davon auszugehen, dass sich dieser Trend bis 2026 und darüber hinaus fortsetzen werde“, analysiert Xiao Liang, Forscher des SIPRI-Programms für Militärausgaben und Waffenproduktion.

Vorläufiger Rückgang bei US-Ausgaben

Die Militärausgaben der Vereinigten Staaten beliefen sich 2025 auf 954 Milliarden US-Dollar und lagen damit 7,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass im Laufe des Jahres keine neuen Militärhilfen für die Ukraine bewilligt wurden. In den drei Jahren zuvor waren insgesamt 127 Milliarden US-Dollar genehmigt worden.

Gleichzeitig investierten die USA verstärkt in nukleare und konventionelle Fähigkeiten, um ihre Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre zu sichern und China im Indopazifik abzuschrecken.

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„Der Rückgang der US-Militärausgaben dürfte nur vorübergehend sein. Für 2026 hat der US-Kongress bereits mehr als eine Billion US-Dollar vorgesehen, ein erheblicher Anstieg gegenüber 2025. Bis 2027 könnten die Ausgaben auf 1,5 Billionen US-Dollar ansteigen, sollte Präsident Trumps jüngster Haushaltsvorschlag akzeptiert werden“, erklärt Nan Tian, Programmdirektor des SIPRI-Programms für Militärausgaben und Waffenproduktion.

Europa mit starkem Anstieg

Den größten Beitrag zum weltweiten Anstieg leistete Europa mit einem Plus von 14 Prozent auf 864 Milliarden US-Dollar. Sowohl Russland als auch die Ukraine steigerten ihre Ausgaben im vierten Kriegsjahr weiter. Auch die NATO-Mitglieder in Europa setzten ihre Aufrüstung fort – mit dem stärksten jährlichen Anstieg in Zentral- und Westeuropa seit dem Ende des Kalten Krieges.

Russlands Militärausgaben stiegen um 5,9 Prozent auf 190 Milliarden US-Dollar, was einer Militärlast von 7,5 Prozent des BIP entspricht. Die Ukraine erhöhte ihre Ausgaben um 20 Prozent auf 84,1 Milliarden US-Dollar – rund 40 Prozent ihres BIP.

„Im Jahr 2025 erreichten die Militärausgaben sowohl in Russland als auch in der Ukraine den höchsten Anteil an den Staatsausgaben seit Beginn der Erhebungen. Ihre Ausgaben werden voraussichtlich auch 2026 weiter steigen, falls der Krieg andauert, da die Einnahmen aus Russlands Ölverkäufen zunehmen und zudem ein großer Kredit der Europäischen Union für die Ukraine erwartet wird“, meint Lorenzo Scarazzato, Forscher des SIPRI-Programms für Militärausgaben und Waffenproduktion.

Die 29 europäischen NATO-Staaten gaben insgesamt 559 Milliarden US-Dollar aus. Deutschland war mit 114 Milliarden US-Dollar größter Einzelakteur und überschritt erstmals seit 1990 wieder die Zwei-Prozent-Marke des BIP. Spanien erhöhte seine Ausgaben um 50 Prozent auf 40,2 Milliarden US-Dollar.

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„Die Militärausgaben der europäischen NATO-Staaten stiegen 2025 so stark wie seit 1953 nicht mehr, was das anhaltende Streben nach europäischer Eigenständigkeit neben dem zunehmenden Druck der Vereinigten Staaten widerspiegelt. Da die Staaten bestrebt sind, die im Jahr 2025 vereinbarten neuen NATO-Ausgabenziele zu erreichen, besteht die Gefahr, dass die Grenzen zwischen militärischen und anderen „verteidigungs- und sicherheitsbezogenen“ Ausgaben verschwimmen, die Transparenz verringern und die Bewertung der militärischen Fähigkeiten weiter erschweren“, unterstreicht Jade Guiberteau Ricard, Forscherin des SIPRI-Programms für Militärausgaben und Waffenproduktion.

Stabile Ausgaben im Nahen Osten

Die Militärausgaben im Nahen Osten beliefen sich 2025 auf rund 218 Milliarden US-Dollar und blieben damit nahezu unverändert. Die meisten Staaten in der Region, für die Daten verfügbar sind, haben ihre Ausgaben erhöht.

Israel reduzierte seine Ausgaben um 4,9 Prozent auf 48,3 Milliarden US-Dollar, was auf eine Abkühlung der Intensität des Krieges in Gaza hindeutet. Dennoch blieben die Ausgaben Israels 97 Prozent höher als im Jahr 2022. Die Militärausgaben von der Türkei stiegen im Jahr 2025 um 7,2 Prozent auf 30,0 Milliarden US-Dollar, was teilweise auf die laufenden Militäroperationen im Irak, Somalia und Syrien zurückzuführen ist.

Die Ausgaben des Iran gingen im zweiten Jahr in Folge zurück und sanken im Jahr 2025 um 5,6 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Der reale Rückgang war auf eine hohe jährliche Inflation von 42 Prozent zurückzuführen, und die Ausgaben stiegen nominal.

„Trotz der jüngsten Konflikte sind die Militärausgaben des Iran aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten real zurückgegangen. Die offiziellen Zahlen unterschätzen jedoch mit ziemlicher Sicherheit das wahre Niveau der iranischen Ausgaben – der Iran verwendet auch nicht im Budget verortete Einnahmen aus Ölverkäufen, um sein Militär zu finanzieren. Inkludiert sind hierbei auch die Produktion von Raketen und Drohnen“, informiert Zubaida Karim, Forscherin des SIPRI-Programms für Militärausgaben und Waffenproduktion.

Asien-Pazifik mit stärkstem Wachstum seit 2009

Die Militärausgaben in Asien und Ozeanien beliefen sich im Jahr 2025 auf $ 681 Milliarden, 8,1 Prozent höher als im Jahr 2024 – der größte jährliche Anstieg seit 2009.

China, der weltweit zweitgrößte Investor im Rüstungsbereich, erhöhte seine Militärausgaben um 7,4 Prozent auf 336 Milliarden US-Dollar. Eine erneute Kampagne gegen Korruption im militärischen Beschaffungswesen scheint die Ausgaben nicht gebremst zu haben.

Japans Militärausgaben stiegen um 9,7 Prozent auf 62,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, was 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht – der höchste Anteil seit 1958. Taiwans Militärausgaben erhöhten sich um 14 Prozent auf 18,2 Milliarden US-Dollar (2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), der größte jährliche Anstieg seit mindestens 1988, vor dem Hintergrund intensiver militärischer Übungen der Volksbefreiungsarmee rund um die Insel.

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„US-Verbündete in Asien und Ozeanien wie Australien, Japan und die Philippinen geben mehr für ihr Militär aus, nicht nur aufgrund lang bestehender regionaler Spannungen, sondern auch wegen wachsender Unsicherheit über die Unterstützung der USA. Wie in Europa stehen auch die US-Verbündeten in Asien und Ozeanien unter Druck der Trump-Administration, mehr für ihre Streitkräfte auszugeben“, ergänzt Diego Lopes da Silva, Senior Researcher im SIPRI-Programm für Militärausgaben und Rüstungsproduktion.

https://www.sipri.org

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