50% der Beschäftigten sind unzufrieden, aber nur 18% bereit zu wechseln

© Roland Kreutzer

Studien-Initiator Heinz Herczeg, Gründer der lifeCREATOR CONSULTING

17.05.2022 | 2 min

50% der Beschäftigten sind unzufrieden, aber nur 18% bereit zu wechseln

Die Folge: Ständige Unzufriedenheit und sinkende Motivation, die Unternehmen und Wirtschaft Geld kosten.

Offene Stellen zu besetzen ist derzeit ein schwieriges Unterfangen, aktuell sind laut Jobplattformen rund 60% mehr Stellenanzeigen als 2019 inseriert. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass nach dem Beginn des Ukraine-Krieges die Bereitschaft, den Job zu wechseln, laut der lifeCREATOR Studie 2022 auf 18% gesunken ist (im März 2019 lag sie laut Statista bei knapp 30%). Hohes Angebot trifft auf reduzierte Nachfrage – was ist also zu tun?

Kommunikation als Schlüssel

Für die österreichweite, repräsentative Marketagent-Studie des auf Mitarbeitergewinnung und -bindung spezialisierten Beratungsinstituts lifeCREATOR Consulting wurden im April 763 Teilnehmer:innen zwischen 14 und 39 Jahren befragt. Die Pandemie hat die Lupe auf bereits vorhandene Probleme gelegt: Führung, Wertschätzung, Kommunikation, Anpassungsfähigkeit, Unterstützung und digitale Anwendungen wurden für alle Mitarbeiter:innen relevant. Auch wurden der Management-Stil und die Leadership-Kompetenz der Unternehmensführung erstmalig für alle Beschäftigten sicht- und messbar. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der „Mangel an Kommunikation der Unternehmensführung mit den Mitarbeiter:innen zur aktuellen Situation des Unternehmens“ jener Aspekt ist, der für viel Enttäuschung gesorgt hat. Nur 54,6% der Studienteilnehmer:innen haben dies mit „ausreichend“ bewertet. Demzufolge steckt in der effizienten Kommunikation nach innen und außen enormes Potenzial.

Quelle: lifeCREATOR CONSULTING

Wertschätzende Maßnahmen essenziell

Ein weiterer Aspekt wird ebenfalls deutlich: Mitarbeiter:innen wünschen sich Führungskräfte, die ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie persönlich für das Unternehmen wichtig sind. Das bedeutet eine Rückkehr zu den ursprünglichen Werten: der Mensch zählt und möchte mit seinen Sorgen, Ängsten und Bedürfnissen ernst genommen werden. Maßnahmen zur Wertschätzung der persönlichen Leistung, die sich auch in einem adäquaten Gehalt widerspiegeln, sind die signifikantesten Gründe für die Entscheidung zu wechseln oder zu bleiben. Während sich zielgruppenspezifische Unterschiede zeigen, wird eines deutlich: 90% der Befragten machen sich Sorgen aufgrund der aktuellen Ereignisse und der daraus resultierenden Konsequenzen für ihr Leben.

Sicherheit vermitteln

Studien-Initiator Heinz Herczeg fasst zusammen: „Aufgrund der aktuellen Ereignisse sind den Mitarbeiter:innen eine gute Arbeitsatmosphäre, Sicherheit des Arbeitsplatzes, Vertrauen in die persönlichen Fähigkeiten und vertrauensbildende Maßnahmen sehr wichtig. Dies ist eine großartige Chance für das Management, genau jetzt ihre Beschäftigten langfristig an das Unternehmen zu binden, wenn sie hier ihren Beitrag leisten.“ Gelingt dies nicht, kann die Unzufriedenheit dem Experten zufolge zu Leistungsabfall bis hin zu psychischen Krankheiten führen. „Verlassen Mitarbeiter:innen das Unternehmen, kann das Kosten in der Höhe eines Jahresgehalts bedeuten“, warnt Herczeg. „Dazu kommt der mögliche Imageschaden, wenn ehemals Beschäftigte ihre negativen Erfahrungen im Bekanntenkreis teilen oder auf Bewertungsplattformen veröffentlichen und andere potenzielle Mitarbeiter:innen dadurch abschrecken.“

Externe Expert:innen zu Rate ziehen

Heinz Herczeg, Gründer der lifeCREATOR CONSULTING, betont: „Die Erfahrung zeigt, dass Führungskräfte beim Finden des passenden Personals die besten Ergebnisse erzielen, wenn sie auf die Expertise von Spezialist:innen in den Bereichen Mitarbeitergewinnung und -bindung setzen. Vor allem können sie mit den richtigen Maßnahmen die Krise als Chance nützen.“ Herczeg zufolge werden sich schlussendlich jene Unternehmen behaupten, die jetzt ihre Stärken nach innen und außen kommunizieren, ihre Führungskräfte zu empathischen und wertschätzenden Leadern entwickeln, die Mitarbeiter:innen als Job-Botschafter:innen ausstatten und Jobsuchenden konkrete Kennenlernmöglichkeiten bieten.

Quelle: lifeCREATOR CONSULTING

Schnuppermöglichkeiten schaffen

Der Mangel an Lehrlingen hat sich durch die Pandemie noch zugespitzt: Grundsätzlich ist eine steigende Beliebtheit bei den Eltern erkennbar, ihre Kinder in die AHS zu schicken. Konsequenz: Immer weniger Jugendliche entscheiden sich nach der 9. Schulstufe aufgrund von unzureichender Berufsorientierung für eine Lehre. Pandemiebedingt wurden viele Infoveranstaltungen und Berufsmessen eingestellt. Die Studie von lifeCREATOR zeigt auf, dass die fehlenden Kennenlern- und Schnuppermöglichkeiten mit ein Grund sind, warum Österreich aktuell zu wenige Lehrlinge hat.

Bemerkenswert ist aber folgende Trendwende weg von der AHS: Fast zwei Drittel der 20-39-Jährigen sind der Meinung, mit einer Lehre „die besten Chancen für die eigene berufliche Entwicklung und im Leben allgemein“ zu haben. Jetzt sind daher Schulen und Unternehmen gefordert, den Jugendlichen Kennenlern- und Ausprobiermöglichkeiten zu bieten. Dabei soll der Fokus darauf liegen, dass sich die jungen Menschen in ihren Interessen, Stärken und Fähigkeiten erfahren können. Das bedeutet ein Umdenken: weg von Werbekampagnen hin zum Schaffen von Erlebnissen.

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