Weltweiter Anstieg der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E)

Europas Spitzenkonzerne verlieren im Wettbewerb mit Asien und den USA zusehends an Boden.
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Weltweiter Anstieg der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E)
Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich.

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Die globalen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) steigen weiter – getrieben vor allem von den großen US-Technologiekonzernen. Allein die sogenannten „Big Five“ Alphabet, Apple, Microsoft, Amazon und Meta erhöhten ihre F&E-Investitionen im vergangenen Jahr um fast 46 Milliarden Euro.

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Eine Folge des Investitionsbooms bei den US-Technologieunternehmen: Der Abstand zwischen den USA und Europa wird immer größer. Während die US-Unternehmen ihre F&E-Budgets im vergangenen Jahr um zwölf Prozent ausweiteten, betrug das Plus bei europäischen Unternehmen lediglich fünf Prozent, bei deutschen sogar nur drei Prozent. Asiatische Unternehmen steigerten ihre Ausgaben um neun Prozent.

Auch bei der F&E-Quote – also dem Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz – liegen die US-Konzerne deutlich vorn: Sie investierten durchschnittlich 9,2 Prozent ihres Umsatzes in F&E, europäische Unternehmen 6,7 Prozent und asiatische 4,7 Prozent.

„Insbesondere der Aufschwung im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt dazu, dass Technologieunternehmen ihre Forschungsausgaben kontinuierlich auf neue Rekordwerte schrauben. Weder das derzeit verhaltene globale Wirtschaftswachstum noch erhöhte geopolitische Risiken haben diese Entwicklung bislang signifikant beeinträchtigt“, erörtert Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich.

Europa hat offenbar immer größere Probleme mit dem Tempo der Innovationen und Investitionen in den USA und Asien Schritt zu halten. Insbesondere die großen US-Technologiefirmen vergrößern ihren Vorsprung ständig durch hohe Ausgaben für neue Entwicklungen.

Konjunkturelle Schwächephase bremst europäische Unternehmen

Die hohen F&E-Ausgaben zu stemmen fällt den US-Unternehmen vergleichsweise leicht, weil ihre Gewinne sprudeln: Allein die fünf größten US-Technologiekonzerne erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 261 Milliarden Euro – 21 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Insgesamt steigerten alle US-Unternehmen im Ranking ihren Gewinn um 20 Prozent. Asiatische Unternehmen erzielten ein Plus von fünf Prozent, während europäische Unternehmen einen Gewinnrückgang von fünf Prozent verzeichneten. Auch beim Umsatz entwickelten sich die Regionen unterschiedlich: Während die Umsätze europäischer Unternehmen stagnierten, legten asiatische Konzerne um fünf Prozent und US-Unternehmen sogar um acht Prozent zu.

„Europäische Top-Unternehmen verzeichnen seit mehreren Jahren eine schwächere Entwicklung im Vergleich zu ihren Mitbewerbern aus Asien und den USA. Diese Entwicklung ist unter anderem auf geopolitische Faktoren, insbesondere den Krieg in der Ukraine, hohe Energiepreise sowie die insgesamt hohe wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen. In diesem Umfeld steigen die Anforderungen an Investitionsentscheidungen deutlich – insbesondere bei Zukunftsprojekten wie Forschung und Entwicklung, die naturgemäß mit Risiken verbunden sind. Dennoch gilt: Wer keine Risiken eingeht, verzichtet auf das Potenzial für echte Innovationen. Eine langfristige Reduzierung der F&E-Investitionen würde die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen“, unterstreicht Gunther Reimoser.

Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung bedeuten allerdings nicht automatisch mehr Innovation. Unternehmen müssen intern Strukturen schaffen, die Innovation und Flexibilität fördern. Die Innovationsgeschwindigkeit chinesischer Firmen zeigt, wie Entwicklungsprozesse stark verkürzt und technologische Neuerungen schnell auf den Markt gebracht werden können. Letztlich ist Innovationskraft nicht nur eine Frage von Milliardenbudgets, sondern hängt auch vom unternehmerischen Umfeld ab.

Künstliche Intelligenz nimmt hierbei, laut Günther Reimoser, eine entscheidende Rolle ein:

„KI bietet insbesondere für Unternehmen, die unter Kostendruck stehen, erhebliche Potenziale. Sie ermöglicht effizientere Entwicklungsprozesse, Kostensenkungen und eröffnet neue Anwendungsgebiete.“

Investitionen

Die höchste F&E-Intensität weisen traditionell Pharma-Unternehmen auf, bei denen der Anteil der Forschungsausgaben am Gesamtumsatz im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei 15,0 Prozent lag.

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Die europäischen Pharmakonzerne lagen mit 14,7 Prozent unter den amerikanischen Wettbewerbern (16,4 %), aber oberhalb der asiatischen Unternehmen (13,6 %). Als überdurchschnittlich innovationsfreudig erweist sich Europa in erster Linie in der Automobilindustrie: Während die europäischen Automobilunternehmen 6,9 Prozent ihres Umsatzes in F&E investieren, liegt der Anteil in Nordamerika bei 4,1 Prozent und in Asien bei 4,6 Prozent.

Höhere Forschungsausgaben – höhere Margen

Branchenübergreifend zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen hoher F&E-Intensität und Profitabilität.

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Über alle 500 Unternehmen hinweg erzielten besonders forschungsintensive Unternehmen im vergangenen Jahr eine durchschnittliche EBIT-Marge von 14,1 Prozent. Unternehmen mit niedrigen F&E-Ausgaben kamen dagegen nur auf 8,8 Prozent.

Besonders deutlich ist dieser Effekt in der Informationstechnologie: Hier lag die EBIT-Marge bei stark forschenden Unternehmen bei 18,8 Prozent, bei wenig investierenden Unternehmen hingegen nur bei 5,9 Prozent.

„Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sind keine Garantie für den Markterfolg. Dennoch ist deutlich erkennbar, dass Unternehmen mit überdurchschnittlichem Erfolg signifikant mehr Mittel in Forschung und Entwicklung investieren. Unternehmen, denen dies nicht möglich ist, laufen Gefahr, langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren“, ergänzt Günther Reimoser abschließend.

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