Stimmungswechsel und neue Bewegung am österreichischen M&A-Markt

Strategische Investoren dominieren den Markt – Finanzinvestoren bleiben zurückhaltend.
© EY / Christina Häusler
Stimmungswechsel und neue Bewegung am österreichischen M&A-Markt
Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY-Parthenon.

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Österreichs M&A-Markt zeigt im ersten Halbjahr 2026 wieder mehr Bewegung. Demnach wurden zwischen Jänner und Juni 2026 trotz verhaltener Konjunktur, hoher Finanzierungskosten und geopolitischer Unsicherheit insgesamt 131 Transaktionen mit österreichischer Beteiligung angekündigt. Das sind elf Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025 mit 118 Deals.

Das veröffentlichte Transaktionsvolumen sank dagegen von 17,3 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro.

„Der österreichische M&A-Markt sendet ein gemischtes, aber insgesamt positives Signal. Die Zahl der Transaktionen steigt, obwohl das geopolitische und damit gefolgt das wirtschaftliche Umfeld weiterhin anspruchsvoll ist. Der Rückgang beim Deal Value ist vor allem eine Folge der außergewöhnlichen Mega-Deals des Vorjahres – nicht Ausdruck eines zusammengebrochenen Marktes. Unternehmen bleiben vorsichtig, aber sie investieren gezielt dort, wo Akquisitionen strategisch sinnvoll sind“, analysiert Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY-Parthenon.

Aktivitätszunahme

Die Deal-Aktivität war zu Jahresbeginn besonders hoch. Im ersten Quartal 2026 wurden 77 Transaktionen verzeichnet, im zweiten Quartal waren es 54 Deals.

Stimmungswechsel und neue Bewegung am österreichischen M&A-Markt
* Der Transaktionswert bezieht sich auf veröffentlichte Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde.
© EY Parthenon

Das zeigt: Der Markt ist aktiver geworden, aber noch nicht vollständig stabil. Nach einem starken Jahresauftakt nahm die Dynamik gegen Ende des zweiten Quartals nun wieder ab.

„Wir sehen mehr Aktivität, aber keine Rückkehr zu einem ungebremsten Boom. Käufer:innen sind sehr fokussiert: Es geht weniger um opportunistische Zukäufe, sondern um Transaktionen, die das Geschäftsmodell weiterentwickeln, neue Märkte erschließen oder technologische Fähigkeiten ergänzen“, konstatiert Alexander Zottl, Senior Manager bei EY-Parthenon Österreich.

Das Transaktionsvolumen von 5,6 Milliarden Euro liegt um 67,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dieser starke Rückgang muss jedoch eingeordnet werden:

Das erste Halbjahr 2025 war durch sehr große Transaktionen wie OMV/Borouge und Erste Group/Santander Polen geprägt. Auch 2026 gab es mehrere große Transaktionen. Zu den größten angekündigten Deals zählen die Übernahme der irischen Permanent TSB Group Holdings plc durch die BAWAG mit einem Volumen von rund 1,6 Milliarden Euro, das Pflichtangebot der Ennoconn Corporation für ausstehende Aktien der Kontron AG mit rund 1,45 Milliarden Euro sowie der Bieterwettbewerb um die Addiko Bank.

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* Der Transaktionswert bezieht sich auf veröffentlichte Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde.
© EY Parthenon

Die fünf größten Transaktionen kamen zusammen auf ein veröffentlichtes Volumen von rund 4,9 Milliarden Euro.

„Es zeigt sich, dass größere strategische Transaktionen auch in Österreich möglich sind – insbesondere dann, wenn sie eine klare industrielle oder finanzielle Logik haben“, meint Alexander Zottl.

Interesse aus dem Ausland

Auffällig ist die starke Entwicklung bei Inbound-Transaktionen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 55 Übernahmen österreichischer Unternehmen durch ausländische Käufer:innen angekündigt. Das entspricht einem Plus von 14,6 Prozent.

Inbound-Deals machten damit 42 Prozent aller Transaktionen aus. Auch beim Transaktionswert lagen Inbound-Deals vorne: Von den insgesamt 5,6 Milliarden Euro veröffentlichtem Deal Value entfielen rund 3,2 Milliarden Euro auf ausländische Direktinvestitionen in Österreich. Das entspricht einem Anstieg um 2,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Getrieben wurde dieser Wert insbesondere durch Transaktionen im Technologie- und Finanzbereich.

„Österreich bleibt für internationale Käufer:innen attraktiv – vor allem dort, wo Unternehmen technologisches Know-how, spezialisierte Industriekompetenz oder starke Marktpositionen mitbringen. Gerade in einem unsicheren Umfeld suchen Investor:innen nach Qualität, Stabilität und strategischem Fit. Österreichische Unternehmen können hier punkten“, fasst Robert Hufnagel zusammen.

Die meisten ausländischen Käufer:innen kamen im ersten Halbjahr 2026 aus Europa. 73 Prozent der Inbound-Investor:innen waren europäisch. An der Spitze standen deutsche Investor:innen mit 21 Transaktionen, gefolgt von Käufer:innen aus den USA und Frankreich.

M&A als Hebel für internationales Wachstum

Auch Outbound-Deals legten deutlich zu. Österreichische Unternehmen kündigten im ersten Halbjahr 52 Transaktionen im Ausland an – ein Plus von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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© EY Parthenon

Der Anteil der Outbound-Deals am Gesamtmarkt lag bei 39,7 Prozent. Das veröffentlichte Outbound-Volumen erreichte rund 1,6 Milliarden Euro.

Dieser Wert wurde stark durch die angekündigte BAWAG-Transaktion in Irland geprägt. Deutschland blieb dabei das wichtigste Zielland für österreichische Käufer:innen: 19 Transaktionen entfielen auf den deutschen Markt. Dahinter folgten Italien mit vier Deals sowie Rumänien, Schweden und die USA mit jeweils drei Transaktionen.

„Österreichische Unternehmen nutzen M&A weiterhin als Hebel für internationales Wachstum. Deutschland bleibt wegen geografischer Nähe, Marktgröße und industrieller Verflechtung der wichtigste Zielmarkt. Gleichzeitig zeigt die breite Streuung der Zielländer, dass österreichische Käufer:innen internationale Chancen sehr gezielt prüfen“, so Alexander Zottl.

Investoren und Branchen

Der österreichische M&A-Markt wird weiterhin fast vollständig von strategischen Investor:innen geprägt: Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 124 der 131 Transaktionen auf strategische Käufer:innen. Das sind 15 Deals mehr als im Vorjahr.

Finanzinvestor:innen spielten dagegen erneut nur eine kleine Rolle. Private-Equity- und Venture-Capital-Investor:innen waren an lediglich sieben Transaktionen beteiligt. Ihr Anteil am gesamten M&A-Markt mit österreichischer Beteiligung lag damit bei nur fünf Prozent.

„Strategische Investor:innen sind derzeit klar im Vorteil. Sie können Synergien, Marktzugang und industrielle Logik oft stärker in den Vordergrund stellen als reine Finanzinvestor:innen. Private Equity bleibt aktiv, aber selektiv“, skizziert Alexander Zottl.

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** Inklusive der Branchen „Automotive“ (5 Deals), „Metals & Mining“ (2 Deals), „Transport und Logistik“ (2 Deals) und „Aerospace & Defence“ (1 Deal). *** Branchen „Power & Utilities“ (10 Deals) sowie „Oil & Gas“ (1 Deals) zusammengefasst.
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Nach Branchen entfielen die meisten Transaktionen auf den Industriesektor. Mit 38 Deals lag Industrials klar vor TMT (Technology, Media & Telekom) mit 25 Transaktionen und Real Estate & Construction mit 21 Deals. Auch Consumer Products & Retail war mit 18 Transaktionen stark vertreten.

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* Der Transaktionswert bezieht sich auf veröffentlichte Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde. ** Inklusive der Branchen „Automotive“ (5 Deals), „Metals & Mining“ (2 Deals), „Transport und Logistik“ (2 Deals) und „Aerospace & Defence“ (1 Deal). *** Branchen „Power & Utilities“ (10 Deals) sowie „Oil & Gas“ (1 Deals) zusammengefasst.
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Beim veröffentlichten Transaktionsvolumen ergibt sich ein anderes Bild. Den höchsten Wert verzeichnete die Finanzbranche mit 2,9 Milliarden Euro, gefolgt vom Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor mit 2,4 Milliarden Euro.

„Die Branchenverteilung zeigt sehr klar, wo strategische Prioritäten liegen. Industrieunternehmen bleiben besonders aktiv, weil sie Portfolios anpassen, Wertschöpfungsketten stärken oder neue Kompetenzen zukaufen“, betont Alexander Zottl.

Fazit

Der M&A-Markt wird auch in der zweiten Jahreshälfte stark von makroökonomischen Rahmenbedingungen beeinflusst bleiben. Zinsen, Finanzierungskosten, geopolitische Risiken, Konjunkturentwicklung und regulatorische Themen prägen weiterhin die Entscheidungsprozesse.

Gleichzeitig bleibt der strategische Druck hoch: Unternehmen müssen wachsen, digitale Fähigkeiten ausbauen, Effizienz steigern, Portfolios schärfen und internationale Märkte erschließen.

„Viele Unternehmen können nicht einfach abwarten, bis das Umfeld perfekt ist. Transformation, Digitalisierung, Energiewende und geopolitische Verschiebungen zwingen Unternehmen, ihre strategische Position aktiv weiterzuentwickeln. M&A bleibt dafür ein wichtiges Instrument – aber die Anforderungen an Transaktionslogik, Due Diligence und Integrationsfähigkeit steigen“, ergänzt Robert Hufnagel abschließend.

Dies sind die Ergebnisse des aktuellen EY-Parthenon M&A-Index Österreich, der Unternehmenskäufe mit österreichischer Beteiligung untersucht.

https://www.ey.com

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