Herr Veyder-Malberg, Sie sind seit der Fusion von Schelhammer & Schattera und Capital Bank im Jahr 2021 Vorstandsmitglied der Schelhammer Capital Bank und blicken auf mehr als 25 Jahre erfolgreiche Vorstandstätigkeit zurück. Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?
Als ich 2001 in den Vorstand berufen wurde, war die Welt noch eine ganz andere. Unsere gesamten anvertrauten Kundengelder lagen unter 2 Milliarden und wir waren einer von vielen Anbietern im Private Banking.
Heute liegen wir in der Privatbank bei 42 Milliarden und sehen uns als stärkste österreichische Privatbank.
Ausländische Banken haben sich zurückgezogen und viele kleine Banken sind verschwunden oder übernommen worden. Wir haben aktiv an der Konsolidierung des Marktes teilgenommen und dabei Kontinuität in den Beziehungen mit einer konsequenten Weiterentwicklung des Geschäftsmodells verbunden. So ergänzen heute die DADAT und „Die Plattform“ unser Angebot.
Mein Ziel war damals, Kunden nicht mehr kalt akquirieren zu müssen, sondern die Bank zu sein, nach der gefragt wird. Das habe ich heute erreicht und das macht Freude.
Die Schelhammer Capital Bank ist eine Privatbank und wird häufig mit Vermögenden und großen Depots verbunden. Was unterscheidet das Geschäftsmodell einer Privatbank tatsächlich von jenem einer klassischen Bank?
Wir nehmen uns Zeit für unsere Kunden. Klassische Banken können sich das nicht mehr leisten. Der Kunde wird auf eine Banking App verwiesen und ist nur mehr für Produktverkauf in der Filiale willkommen. Kompetente Berater, die ihre Kunden kennen und mit Kompetenz zur Seite stehen, fehlen.
Dies bieten wir als Privatbank, wobei wir über unsere GRAWE Bankengruppe auch ein vollständiges Universalbankangebot darstellen können. Damit begleiten wir auch bei Finanzierungen oder auch wenn eine besondere Kreditkarte gesucht wird.
Bei der Vermögensberatung geht es zunehmend um eine ganzheitliche Betrachtung von Vermögen, Lebensplanung und Nachfolge. Wie sieht dieser Ansatz bei Schelhammer Capital konkret aus und welche Fragen beschäftigen Ihre Kunden derzeit besonders?
Das meiste Vermögen haben unserer Kunden über 50. In dieser Lebensphase stellen sich andere Fragen als beim Ansparen:
Wie lange soll ich noch arbeiten? Wann übergebe ich was? Wie erstelle ich das optimale Portfolio für die finanzielle Rente?
Dazu kommen neue Herausforderungen, etwa das Erbe oder der Verkauf von Unternehmen oder Immobilien. Unsere Lösung ist ein Mehrtopfmodell mit dem Ziel, mit dem Vermögen gut leben und gut schlafen zu können. Denn wir begleiten unsere Kunden durch alle Marktphasen. Entscheidend ist dabei, die passende Struktur zu finden.

Private Equity ist für viele Anleger heutzutage längst keine reine Nischenanlage mehr. Welche Rolle kann diese Anlageklasse in einem breit diversifizierten Vermögen spielen und worauf kommt es bei der Auswahl entsprechender Investments besonders an?
Private Equity war in der Vergangenheit ausschließlich Profis vorbehalten. Für besonders versierte Investoren wie die Universitätsfonds von Harvard oder Stanford war es die wichtigste Anlageklasse im Portfolio.
Wir waren in Österreich Pioniere, indem wir unseren Family-Office-Kunden Zugang zu ausgewählten Private-Equity-Managern ermöglichten. Mittlerweile bietet unsere Private-Markets-Tochter auch Private-Banking-Kunden diesen Zugang bereits ab 150.000 Euro.
Diese Anlage bietet zwar sehr attraktive Renditen, doch muss man die Illiquidität verstehen, bevor man investiert. Was hier teilweise angeboten wird, bereitet mir ernsthafte Sorgen. Denn Anleger verstehen oft nicht, dass es ihnen ähnlich ergehen kann wie bei den sogenannten „offenen“ Immobilienfonds. Diese werden derzeit reihenweise geschlossen, weil auch diese Anlageklasse grundsätzlich illiquide ist. Hier muss man mit seinen Kunden einfach ehrlich umgehen.
Themenwechsel: Herr Veyder-Malberg, persönliche Beratung und digitale Services werden heute nicht mehr als Gegensätze gesehen. Wie verändert die digitale Revolution Ihr Geschäftsmodell und wo schafft Technologie tatsächlich einen Mehrwert für Ihre Kunden?
Unser Geschäft besteht aus Beziehungs- und Transaktionsbanking.
Ersteres ist menschlich, Letzteres digital. Im Private Banking braucht man beides. Dank des führenden Direktbankangebots der DADAT haben wir bei der Digitalisierung eine Vorreiterrolle in Österreich übernommen. Zusätzlich steht unseren Kunden im Private Banking eine eigene Reporting-App zur Verfügung.
KI wird auch im Bankensektor viele Prozesse verändern. Wo sehen Sie die größten Chancen durch künstliche Intelligenz und wo bleibt gerade im Private Banking der Mensch unverzichtbar?
Die KI unterstützt unsere Berater täglich. Aber auch unsere Kunden nutzen sie bei finanziellen Entscheidungen. Das Kernproblem liegt jedoch in der Funktionsweise der KI:
Sie versteht die Welt nie als Ganzes, sondern bildet sie digital ab und liefert jene Antwort, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zutrifft. Für einfache Entscheidungen reicht das aus. Wenn es um das eigene Vermögen geht, möchte man jedoch einen erfahrenen Menschen, der die Ergebnisse noch einmal überprüft. Auch Anthropic sieht das Private Banking als einen Bereich, in dem die KI Berater unterstützen, aber nicht verdrängen wird.
Schon jetzt sehe ich, dass wir mithilfe der KI eine höhere Beratungsqualität erreichen können. Weniger Arbeit ist es dadurch allerdings nicht geworden, eher im Gegenteil.
Das Unternehmen leistete auch Pionierarbeit im Bereich nachhaltiger Geldanlage. 1989 brachte die Bank den ersten nachhaltigen und ethisch ausgerichteten Investmentfonds des Landes auf den Markt. Was bedeutet Nachhaltigkeit heute für das Unternehmen?
Wir verstehen uns vor allem als Navigator für unsere Kundinnen und Kunden. Nachhaltigkeit wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und lässt sich selten in ein einfaches Schwarz-Weiß-Schema einordnen. Häufig gilt es auch, Zielkonflikte abzuwägen und Kompromisse zu finden. Solche Fragestellungen bringen wir in unseren Ethikbeirat ein und diskutieren sie dort intensiv.
Die endgültige Entscheidung trifft jedoch stets der Kunde. Unser Ziel ist es, im persönlichen Gespräch die individuellen Werte unserer Kunden zu verstehen und bestmöglich zu berücksichtigen.

Die Zinsentwicklung der Europäischen Zentralbank beeinflusst Anleihen, Aktien, Immobilien und die Liquiditätsentscheidungen von Anlegern. Worauf sollten sich vermögende Anleger im aktuellen Zinsumfeld einstellen und welche Chancen ergeben sich daraus?
Es gibt wieder Zinsen für Anleger, wodurch Anleihen zunehmend interessanter werden. Cash hingegen eignet sich nicht als Geldanlage, da es zu realen Vermögensverlusten führt. Aktien sind langfristig die beste Alternative, sofern man auch eine vorübergehende Halbierung ihres Wertes durchhalten kann.
Als besondere Anlageklasse bieten wir qualifizierten Investoren seit über 20 Jahren Zugang zu ausgewählten Private-Equity-Fonds. Die Renditeerwartungen sind hier zweistellig, allerdings muss man sich der Illiquidität bewusst sein. Ziel der Beratung ist es, aus diesen Anlageklassen die richtige Mischung zu finden.
Wenn Sie die Bank heute in wenigen Punkten beschreiben müssten: Wo liegen die besonderen Stärken von Schelhammer Capital und in welchen Produkt- oder Beratungsbereichen wollen Sie in Zukunft noch stärker werden?
Bei unserer Beratung stehen nicht die Produkte im Mittelpunkt, sondern die finanziellen Ziele unserer Kunden. Dabei kann es um die finanzielle Vorsorge, das passende Portfolio für die Entnahme im Ruhestand, die Vorbereitung der Vermögensweitergabe oder ein größeres Vermögensereignis wie eine Erbschaft oder einen Verkauf gehen.
Unsere Aufgabe ist es, dem Vermögen die passende Struktur zu geben. Erst wenn darüber Klarheit herrscht, kann die Vermögensverwaltung beginnen. Es geht dabei nie um das Produkt, sondern darum, unsere Kunden auf dem Weg zur Erreichung ihrer finanziellen Ziele durch alle Lebens- und Marktphasen zu begleiten.
Herr Veyder-Malberg, wir möchten Sie gerne auch als Privatperson etwas näher kennenlernen – daher noch ein paar persönliche Fragen:
Was sollte man über Sie wissen, was aus Ihrem beruflichen Lebenslauf nicht hervorgeht?
Ich bin privat wie beruflich derselbe Mensch und verhalte mich in beiden Bereichen gleich. Dadurch bleibe ich authentisch und bekomme oft zu hören, ich sei ein untypischer Banker. Ich liebe Humor und lache gern. Umso mehr Freude macht es mir, als Kassier bei den Roten Nasen Clowndoctors mitwirken zu dürfen.
Mit welcher Person, aus der Gegenwart oder Vergangenheit, würden Sie gerne einen Tag verbringen und wie würde sich dieser Tag gestalten?
Vielleicht mit Erzherzog Johann an jenem Tag, an dem er von seinem Bruder, dem Kaiser, nach neun Jahren endlich die Genehmigung zur Gründung der GRAWE erhalten hat.
Seine Idee der Wechselseitigkeit mit den Kunden statt einer reinen Gewinnorientierung ist für mich ein wesentlicher Grund, weshalb ich den Konzern nie verlassen wollte. Heute kenne und schätze ich seinen Nachfahren Dr. Philipp Meran, der den Konzern als Präsident im Sinne seines Ururgroßvaters weiterführt.
Berge oder Meer? Frühaufsteher oder Nachtschwärmer?
Beides. Kitzbühel und Mallorca sind meine Energieplätze. Früher war ich eher ein Nachtschwärmer, heute werde ich zunehmend zum Frühaufsteher. Wichtig ist mir dann etwas Morgensport, um aktiv in den Tag zu starten.
Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Das gibt es bei mir ehrlich gesagt nicht. Ich bin unendlich neugierig und probiere alles sofort aus. Nicht alles war gut, aber danach bin ich immer ein klein wenig gescheiter (lacht).
Was ist Ihr persönlicher Zugang zu Geld und Vermögen?
Ich lebe selbst das, was ich meinen Kunden empfehle. Mein Ziel ist: Glücklich – trotz Geld.
Sie können EIN globales Problem lösen – welches wäre das?
Ich will realistisch bleiben: Den Weltfrieden werde ich nicht schaffen. Aber eine bessere Finanzbildung, das traue ich mir schon zu. Im Kleinen setze ich das jeden Tag um, indem ich Menschen dabei helfe, bessere finanzielle Entscheidungen zu treffen. Das kann ich und es macht mir Spaß.
Herr Veyder-Malberg, wir wünschen Ihnen viel Erfolg, Glück sowie Gesundheit für die Zukunft und herzlichen Dank für das Interview.
Sehr gerne. Es hat Spaß gemacht.

