Der vor kurzem veröffentlichte Korruptionswahrnehmungsindex 2025 (Corruption Perception Index „CPI“ 2025) von Transparency International (TI) zeigt für Österreich eine leichte Verbesserung. Mit 69 Punkten und Rang 21 verbessert sich Österreich gegenüber dem Vorjahr (67 Punkte, Rang 25).

Nach dem historischen Tiefpunkt im CPI 2024 deutet das Ergebnis auf eine vorsichtige Trendumkehr hin. Österreich bleibt jedoch im westeuropäischen Mittelfeld. Von einer nachhaltigen Stabilisierung kann daher noch nicht gesprochen werden.
„Die Verbesserung im CPI 2025 ist ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung. Der Index zeigt, dass Reformen Wirkung entfalten können. Das ist wichtig für den Wirtschaftsstandort Österreich, für breiten Wohlstand und für die Wahrung demokratischer Werte. Gleichzeitig bleibt Korruption hierzulande ein strukturelles Problem, das wirtschaftliche Entwicklung bremst und Vertrauen in staatliche Institutionen untergräbt“, betont Bettina Knötzl, Vorstandsvorsitzende von Transparency International Austria.
Reformen mit Nachdruck vorantreiben
Mit dem Informationsfreiheitsgesetz wurde in Österreich ein wichtiger Schritt zur Stärkung von Transparenz und öffentlicher Kontrolle gesetzt. Ob sich dieser Paradigmenwechsel nachhaltig auswirkt, hängt jedoch maßgeblich von der Umsetzung ab, insbesondere von der proaktiven Veröffentlichung staatlicher Informationen und der tatsächlichen Zugänglichkeit für Öffentlichkeit, Medien und Zivilgesellschaft.
Gesamtergebnis im internationalen Vergleich
An der Spitze des CPI 2025 liegt erneut Dänemark mit 89 Punkten. Es folgen Finnland (88 Punkte) und Singapur (84 Punkte). Die kontinuierlich hohen Platzierungen dieser Länder zeigen, dass Korruptionsbekämpfung dort langfristig politisch priorisiert wird.

Am unteren Ende des Index rangieren Somalia und Südsudan mit jeweils 9 Punkten sowie Venezuela mit 10 Punkten.

Westeuropa und die EU zählen weiterhin zu den bestbewerteten Regionen im Corruption Perceptions Index. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass die Korruptionsbekämpfung in den vergangenen zehn Jahren weitgehend stagniert ist. Der durchschnittliche CPI-Wert der Region ist von 66 auf 64 Punkte gesunken und mehr Länder haben sich verschlechtert als verbessert.
Die im Dezember 2025 beschlossene EU-Antikorruptionsrichtlinie spiegelt diese Entwicklung wider. Anstelle verbindlicher und ambitionierter Standards wurde ein sichtlich abgeschwächtes Regelwerk verabschiedet, das auch für nationale Reformprozesse nur begrenzte Impulse setzt.
Zudem ist zu beachten, dass der CPI die internationale Dimension nicht direkt abbildet: Viele europäische Länder – insbesondere jene mit bedeutenden Finanzplätzen – begünstigen den internationalen Fluss illegaler Gelder. Diese entziehen den öffentlichen Haushalten anderer Länder erhebliche Mittel und untergraben die globalen Bemühungen zur Korruptionsbekämpfung.
Korruption untergräbt Vertrauen und Wohlstand
Global zeigt der CPI eine anhaltende Verschärfung der Lage. Transparency International beobachtet eine Erosion politischer Integrität selbst in etablierten Demokratien, eine zunehmende Einschränkung von zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen sowie wachsende öffentliche Frustration über Ungleichheit und unzureichende öffentliche Leistungen.
Korruption konzentriert Macht in den Händen weniger, untergräbt Vertrauen in staatliche Institutionen und verstärkt soziale Ungleichheit – innerhalb von Staaten ebenso wie global.
Vor diesem Hintergrund bekräftigt Transparency International Austria seine „Zehn Forderungen an die Bundesregierung“ (November 2024). Diese enthalten wirksame Maßnahmen zur Korruptionsprävention – darunter unabhängige Ermittlungen, die Sicherung der Medienfreiheit sowie ein effektiver Hinweisgeber:innenschutz (10 Forderungen an die Regierung).
„Wir befinden uns auch in Österreich in einer Phase wachsender politischer Polarisierung, geopolitischer Spannungen und zunehmender demokratischer Belastungen – gerade jetzt sind starke, unabhängige Institutionen und glaubwürdige Integritätsstandards besonders gefordert. Stattdessen erleben wir zu viele Korruptionsskandale. Defizite bei Transparenz müssen beseitigt werden, damit Kontrolle und politischer Verantwortung gelebt werden können. Österreich braucht – mehr denn je – eine integre politische Führung, die Vertrauen in ihre Absichten schafft und demokratiezersetzenden Kräften den Wind aus den Segeln nimmt. Genau hier setzen unsere zehn Forderungen an“, ergänzt Bettina Knötzl.
Nähere Informationen zum detaillierten Länderranking finden Sie hier.
