Harald Luchs: Wenn Fachkräfte fehlen, wird Personal zur Chefsache

Der Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen längst mehr als eine Personalfrage.
© Georg Wilke
Harald Luchs: Wenn Fachkräfte fehlen, wird Personal zur Chefsache
Harald Luchs, Geschäftsführer Aon Österreich.

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Immer häufiger zeigt sich: Wenn wichtige Positionen nicht besetzt werden können oder Know-how verloren geht, wirkt sich das direkt auf Produktivität, Innovation und wirtschaftlichen Erfolg aus.

Genau deshalb gehört das Thema heute auf die Agenda der Unternehmensleitung. Wer Fachkräftesicherung strategisch angeht, kann nicht nur Risiken reduzieren, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens stärken.

Österreich steht derzeit vor einer tiefgreifenden Veränderung am Arbeitsmarkt. In den kommenden Jahren erreicht eine große Zahl erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Pensionsalter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualifikation, Spezialisierung und technologische Kompetenz. Digitalisierung, Automatisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändern Arbeitsprozesse in nahezu allen Branchen.

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Parallel dazu wandeln sich die Erwartungen der Beschäftigten – insbesondere bei jüngeren Generationen, für die Entwicklungsmöglichkeiten, Flexibilität und Sinnhaftigkeit eine größere Rolle spielen als früher.

Wenn Risiko messbar wird

Diese Entwicklung ist nicht nur spürbar, sie ist messbar. Der Aon Global Risk Management Survey 2025 (TOP LEADER berichtete hier) zeigt deutlich, wie relevant das Thema für Unternehmen geworden ist.

Während der Arbeitskräftemangel weltweit etwas an Bedeutung verliert, zählt er in Österreich weiterhin zu den wichtigsten wirtschaftlichen Risiken und liegt hier auf Platz neun der größten Unternehmensrisiken. Besonders bemerkenswert: Rund ein Drittel der österreichischen Unternehmen berichtet bereits von finanziellen Schäden, die direkt auf fehlende Fachkräfte zurückzuführen sind. Gleichzeitig verfügen nur etwa 8,3 Prozent der Betriebe über einen strukturierten Risikomanagementplan, um diesem Thema systematisch zu begegnen.

Genau hier liegt ein entscheidender Hebel für Unternehmensleitungen. Wer Personalthemen frühzeitig strategisch betrachtet, kann Wettbewerbsvorteile schaffen. Unternehmen, die ihre Arbeitgeberattraktivität aktiv entwickeln und klare Angebote für Mitarbeitende formulieren, positionieren sich deutlich stärker im Wettbewerb um Talente.

Wer besonders betroffen ist

Besonders betroffen sind aktuell technische Berufe, IT, Pflege, Vertrieb sowie hoch spezialisierte Fachfunktionen. In kleinen und mittleren Unternehmen können einzelne personelle Abgänge besonders stark wirken, weil Schlüsselpersonen häufig zentrale Funktionen erfüllen. Großunternehmen verfügen zwar über größere Strukturen, stehen jedoch unter Druck, qualifizierte Spezialistinnen, Spezialisten und Führungskräfte langfristig zu halten.

Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen vieler Beschäftigter spürbar. Gerade die Generationen Y, Z und Alpha suchen nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern ein Umfeld mit Perspektive. Flexible Arbeitsmodelle, transparente Entwicklungspfade, attraktive Vorsorgeangebote und eine klare Unternehmenskultur gewinnen stark an Bedeutung. Klassische Vergütungssysteme stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen – bieten aber gleichzeitig die Chance, moderne Modelle für Bindung und Motivation zu entwickeln.

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Für Unternehmen beginnt der Weg zu einer nachhaltigen Fachkräftestrategie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Wie hoch ist die Fluktuation? Wie zufrieden sind die Mitarbeitenden? Welche Kompetenzen werden künftig besonders gebraucht? Und welche Schlüsselrollen sichern Know-how und Wertschöpfung im Unternehmen?

Was Unternehmen jetzt tun können

Auf dieser Grundlage lassen sich gezielte Maßnahmen entwickeln. Dazu zählen beispielsweise transparente Karriere- und Entwicklungsmodelle, moderne Vergütungs- und Vorsorgelösungen, Gesundheitsprogramme oder flexible Arbeitszeitmodelle.

Neben all diesen Faktoren ist aber eines entscheidend und hier wird das Thema zur Chefsache: Eine klare Führungskultur, die Orientierung gibt und Vertrauen schafft.

Ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor ist dabei die langfristige Mitarbeiterbindung. Ökonomisch betrachtet ist sie häufig deutlich effizienter als permanentes Recruiting. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden stärken, Perspektiven bieten und Schlüsselkräfte gezielt fördern, sichern nicht nur Know-how, sondern stärken gleichzeitig ihre Innovationskraft und Stabilität.

Der Fachkräftemangel ist daher nicht nur eine Herausforderung – er ist auch ein Impuls zur Weiterentwicklung. Organisationen, die Strukturen hinterfragen, Führung modernisieren und ihre Angebote für Mitarbeitende weiterentwickeln, gehen gestärkt aus dieser Transformation hervor.

Am Ende entscheiden sich Fachkräfte selten nur für eine Position. Sie entscheiden sich für ein Umfeld, für Perspektiven und für eine Unternehmenskultur, die Entwicklung ermöglicht. Dort, wo diese Perspektive klar sichtbar und glaubwürdig gelebt wird, entsteht ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um Talente – und ein wichtiger Baustein für den langfristigen Unternehmenserfolg.

Autor: Harald Luchs

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