Die globale Konjunktur gerät zunehmend unter Druck. Der Krieg im Nahen Osten belastet den Wirtschaftsausblick für die kommenden zwei Jahre und verstärkt bestehende strukturelle Schwächen.
Nach Einschätzung der ACREDIA Group in Zusammenarbeit mit Allianz Research führt die Eskalation zu schwächerem Wachstum, höherer Inflation und steigender Unsicherheit. Besonders betroffen sind energieabhängige Regionen, exportorientierte Volkswirtschaften sowie Unternehmen mit bereits angespannten Margen.
Im Basisszenario wird das globale Wirtschaftswachstum 2026 nur noch bei +2,6 Prozent erwartet – um 0,5 Prozentpunkte weniger als vor der jüngsten Zuspitzung des Konflikts. Für die USA wird ein Wachstum von +2,1 Prozent, für die Eurozone nur noch von +0,8 Prozent prognostiziert.


Gleichzeitig steigt der Inflationsdruck auf 3,2 Prozent in den USA und 3,0 Prozent in der Eurozone.
„Die geopolitische Eskalation trifft auf eine ohnehin fragile Weltwirtschaft. Der aktuelle Schock verstärkt bestehende strukturelle Schwächen – von hohen Staatsdefiziten bis zu anfälligen Lieferketten“, erörtert Michael Kolb, Vorstand der ACREDIA Group.
Energiepreisentwicklung
Im Zentrum der wirtschaftlichen Auswirkungen stehen die Energiepreise. Die Straße von Hormus bleibt ein kritischer Engpass für den globalen Handel: Rund 25 Prozent der weltweiten Öl- und Gasströme passieren diese Route.
Im Basisszenario wird erwartet, dass sich der Ölpreis bis Ende 2026 bei rund 80 USD pro Barrel stabilisiert. Eine weitere Eskalation mit längerfristigen Unterbrechungen könnte jedoch massive Verwerfungen auslösen: Ölpreise von bis zu 180 USD pro Barrel sowie deutlich steigende Gaspreise wären möglich.

„Energiepreise entwickeln sich zunehmend zum zentralen Steuerungsfaktor für Inflation, Wachstum und unternehmerische Planung. Die Unsicherheit ist derzeit außergewöhnlich hoch“, unterstreicht Michael Kolb.
Ein solches Szenario hätte erhebliche Folgen: Die Eurozone würde in eine technische Rezession rutschen, während sich auch die US-Wirtschaft deutlich abschwächen würde. Gleichzeitig könnte die Inflation auf deutlich über vier Prozent steigen.
Unternehmen unter Druck
Für Unternehmen entsteht ein klassischer Kostenschock: Höhere Preise für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte treffen auf eine gleichzeitig schwächere Nachfrage und restriktivere Finanzierungsbedingungen. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen, Industrie, Transport und konsumnahe Sektoren. Margen und Liquidität geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Vor allem exportorientierte Volkswirtschaften, wie Österreich, leiden unter diesen Entwicklungen. Diese Wirtschaftsräume sind direkt von globaler Nachfrage, stabilen Lieferketten und berechenbaren Handelsströmen abhängig.
In diesem Umfeld erwartet die ACREDIA Group einen weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen: Für die Eurozone wird 2026 ein Plus von 2,5 Prozent prognostiziert, für die USA ein Anstieg um 8,6 Prozent.
Welthandel und Märkte – Zunahme struktureller Unsicherheit
Auch der globale Warenhandel wird durch die geopolitische Lage spürbar gebremst und dürfte 2026 nur noch um +1,5 Prozent wachsen.

Besonders betroffen sind energieabhängige Regionen sowie exportorientierte Volkswirtschaften, während das Umfeld in Europa insgesamt angespannt bleibt. Bei einer weiteren Eskalation droht eine deutliche Verschlechterung:

Das Wachstum im Welthandel könnte auf +0,5 Prozent sinken, im Extremfall wäre sogar ein Rückgang möglich.
Gleichzeitig zeigen die Finanzmärkte bereits klare Reaktionen auf das veränderte Umfeld. Investoren stellen sich zunehmend auf eine Stagflation ein, Renditen steigen, Aktienmärkte geraten unter Druck und sichere Anlagen gewinnen an Bedeutung. Notenbanken stehen dabei vor einem schwierigen Balanceakt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung.
Fazit
Der aktuelle Konflikt ist Ausdruck eines tiefergehenden strukturellen Wandels: Die globale Wirtschaft entfernt sich zunehmend von einer effizienzgetriebenen, regelbasierten Ordnung hin zu einem Umfeld, das stärker von geopolitischen Interessen, staatlichen Eingriffen und strategischer Autonomie geprägt ist. Lieferketten werden diversifiziert, Handelsströme politisiert und wirtschaftliche Abhängigkeiten reduziert.
„Volatilität ist heute kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein permanenter Faktor unternehmerischer Planung. Unternehmen müssen Risiken früh erkennen, Szenarien mitdenken und ihre Strategien entsprechend flexibel ausrichten“, ergänzt Michael Kolb abschließend.
Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.
