Das war das Erfindungsjahr 2021

© Mirjam Reither

Patentamtspräsidentin Mariana Karepova

05.05.2022 | 2 min

Das war das Erfindungsjahr 2021

Insgesamt wurden letztes Jahr 2.480 Erfindungen beim Österreichischen Patentamt angemeldet.

Patentamtspräsidentin Mariana Karepova: „In der Innovationsszene passiert ungebremst viel. So war auch letztes Jahr der Run aufs Patentamt so groß wie noch nie. Vor allem Marken und Beratungen waren bei uns stark gefragt. Patentanmeldungen von Österreicherinnen und Österreichern gingen hingegen zurück, sowohl beim Österreichischen Patentamt, als auch international.“

Dabei haben Patentprofis, wie große Unternehmen, weiter zugelegt. Bei KMU gab‘s Einbrüche beim Patentieren. Die Firmen haben geforscht, entwickelt und erfunden, aber häufig Patentanmeldungen hinausgeschoben. „Dass das Patentieren in Zeiten von Produktions- und Lieferproblemen auf der Strecke bleibt, ist zwar verständlich, aber auf lange Sicht problematisch. Vergisst man nämlich seine Ideen zu schützen, kann der Wettbewerbsvorteil schnell dahin sein“, zeigt sich Karepova besorgt.

Quelle: Österreichisches Patentamt

Das Österreich-Ranking

Das Bundesland Nummer eins ist, trotz 12%igen Rückgangs, weiterhin Oberösterreich – mit 561 (Vorjahr: 638) Erfindungen. Platz zwei und drei belegen die Steiermark mit 490 (522) und Wien mit 372 (436) Erfindungen. Eine Erfinderin oder einen Erfinder trifft man am ehesten in Vorarlberg – es liegt auf Platz eins bei der Anzahl an Erfindungen pro Einwohner*in.

Die Nummer eins in Österreich ist AVL List mit 205 angemeldeten Erfindungen, gefolgt von Julius Blum (70) und Zumtobel (34).

Start-ups optimistisch, KMU schwächeln

Gemeinsam mit dem Joanneum Research hat das Patentamt 500 Kund:innen, Unternehmen und Forschende zu ihren Strategien in der Krise und danach befragt. Die Pandemie ist an niemandem spurlos vorüber gegangen. Patent-Profis haben aber nach einem Corona-Knick 2020 sofort wieder aufgeholt – und sogar eine Steigerung an Patenten erzielt: Neben AVL List, mit einem Rekord in 2021, haben sich viele der Top-Anmelder, wie Siemens Mobility, Engel, MIBA, Plasser & Theurer und Trumpf Maschinen patentmäßig weiter verbessert.

KMU hatten hingegen mehrheitlich Probleme. Die Situation ist insofern ungewöhnlich, als die Firmen aktiv waren. Sie haben auch in der Pandemie weiterhin geforscht und entwickelt. Es gilt nicht nur in der Krise, dass KMU grundsätzlich am Anschlag arbeiten. Wenn man die typischen Aufgaben von Technologiefirmen nebeneinanderstellt, hat die Produktion oberste Priorität. Forschung und Entwicklung ist eine für jeden klar ersichtliche Notwendigkeit, aber beim Absichern der Innovationen mit einem Patent liegt der unmittelbare Nutzen noch in der Zukunft. Es wird von Unternehmen zwar als wichtig, aber in der Krisenzeit als nicht dringend empfunden.

Für 61% der Befragten ist die Pandemie auch ein Treiber für die Erschließung neuer Märkte und für neue, ganz bestimmte Patente auf Innovationen im Softwarebereich und mehr Marken für ihre digitalen Geschäftsmodelle. Am optimistischsten sehen Start-ups die Zukunft: 70% rechnen mit einem Anstieg ihrer Marken- und Patentanmeldungen.

Quelle: Österreichisches Patentamt

Österreichs Stärken im weltweiten Vergleich

Österreicher:innen melden am meisten Patente in Österreich (19,3 %), in den USA (21 %) und europäische Patente (20,9 %) an.

In Patentzahlen haben wir die EU-Innovation Leader überholt: Im Bereich der Kunststoffe mit den Firmen Borealis, Lenzing oder TU Wien. Im Bereich Halbleiter (Infineon, AMS), im Bereich Elektrotechnik (Tridonic, ZKW, Zumtobel, AVL List) bei Möbel (Blum), Maschinenbau, Werkzeuge und Spezialmaschinen (Austria, Trumpf, Fronius), Mikro- und Nanotechnologie (AMS, EV Group) sowie bei Werkstoffen und Metallurgie (Primetals Technologies).

Bei den grünen Gebäudetechnologien sind wir Europameister und weltweit Zweiter. Auch bei den klimaschonenden Verkehrstechnologien und Abwasserklärung und -recycling liegt Österreich bei Patentanmeldungen über dem EU-Schnitt.

Förderaktion für Patente und Marken

Auch das Österreichische Patentamt steuert gegen die Krise. Gemeinsam mit der Europäischen Kommission und dem EUIPO, dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum, hat das Österreichische Patentamt den Schritt zum Patent und zur Marke für KMU besonders günstig gemacht. „Unsere KMU und Start-ups sparen bis zu 50% bei nationalen Patenten und bis zu 75% bei Marken – die Förderaktion gilt das ganze Jahr“ so Karepova. Ein österreichisches Patent kostet ab 2022 nur 275 Euro. Das ist die Hälfte der üblichen Gebühr. Eine österreichische Marke kostet mit dieser Förderung 71 Euro.

Die Studie gibt es als Download hier.