„In der All Electric Society steht Energie aus erneuerbaren Ressourcen jederzeit in aus-reichendem Maß & leistbar zur Verfügung“

© Phoenix Contact GmbH

Thomas Lutzky, Geschäftsführer Phoenix Contact GmbH

14.09.2022 | 4 min

„In der All Electric Society steht Energie aus erneuerbaren Ressourcen jederzeit in ausreichendem Maß und leistbar zur Verfügung“

Exklusivinterview mit Thomas Lutzky, Geschäftsführer Phoenix Contact GmbH.

Herr Lutzky, Sie sind gelernter Maschinenbauer und Betriebswirt und waren nach Abschluss Ihres Studiums hauptsächlich mit Vertriebsaktivitäten in der DACH- und CEE-Region beschäftigt. Seit Ende 2011 fungieren Sie als Geschäftsführer der Phoenix-Contact GmbH Österreich – was hat Sie an dieser Position gereizt?

Das Familienunternehmen Phoenix Contact mit global 20.000 Mitarbeiter:innen steht für hohe Innovationskraft und eine grundsolide, nachhaltige Unternehmensentwicklung. Mit unserem Produktportfolio im Bereich Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung für die Sektoren Energie, Industrie, Infrastruktur und Mobilität leisten wir einen wesentlichen Beitrag, große Herausforderungen unserer Zeit zu adressieren. 

Für mich ist es ein großes Privileg, den Weg der österreichischen Tochtergesellschaft mitgestalten zu dürfen. Und das, in einer sehr spannenden Zeit, die von dynamischen technologischen Entwicklungen in einem sehr volatilen Umfeld geprägt ist.

Ihr Unternehmen verfolgt die Vision der „All Electric Society“. Was genau steckt hinter diesem Konzept?

Auf den ersten Blick scheinen zwei große Themen unserer Gesellschaft – der Kampf gegen den Klimawandel und das Streben von Milliarden von Menschen nach Wohlstand und Entwicklung – widersprüchlich und unvereinbar zu sein. Die Herausforderung besteht darin, effizienten Verbrauch zuzulassen und trotzdem das Klima zu schützen. Aus technischer Perspektive ist die Antwort darauf die All Electric Society.  

Das Zukunftsbild der All Electric Society beschreibt eine Welt, in der Energie aus erneuerbaren Ressourcen jederzeit in ausreichendem Maß und bezahlbar zur Verfügung steht.

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Neben der konsequenten Erzeugung und Nutzung regenerativer Energie sind die Senkung des primären Energiebedarfs durch Effizienzmaßnahmen und die Schaffung von intelligenten und vernetzten Systemen die Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft.  

Wie sind zunehmender Energiebedarf und der Kampf gegen den Klimawandel unter einen Hut zu bringen?

Durch Technologie und die Sektorenkopplung. Energieerzeugung, -verteilung, -speicherung und -verbrauch müssen gesamtheitlich betrachtet werden. Dazu tauschen einzelne Sektoren Energie untereinander aus, sodass diese in der richtigen Form dort zur Verfügung steht, wo sie gerade benötigt wird. Auf Basis der Verbrauchs- und Erzeugungsdaten gilt es, den Energiefluss optimal zu steuern.

Um Energie künftig bedarfsgerechter einzusetzen, werden Lösungen zur Realisierung der Sektorenkopplung benötigt. Das bedeutet, dass die Sektoren nicht nur leistungstechnisch, sondern auch kommunikativ miteinander vernetzt werden müssen. Standardisierte Kommunikationsprotokolle innerhalb verschiedener Netzwerke ermöglichen dabei die notwendige Kommunikation, frei von Systemgrenzen. Das Prinzip der Sektorenkopplung funktioniert im Kleinen, z.B. innerhalb eines Unternehmens, genauso wie unternehmensübergreifend. Ein Beispiel, wie wir als Technologieunternehmen – immer im Zusammenspiel mit unseren Kund:innen – Industrie und Gesellschaft auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Welt unterstützen.

Wie ist Phoenix Contact selbst hinsichtlich Nachhaltigkeit aufgestellt?

Unternehmen haben einen großen Hebel als Erzeuger von CO2 und damit auch die gesellschaftliche Verpflichtung, sich auf eine nachhaltige Unternehmensführung einzurichten. Dem stellen wir uns. Wir haben daher unseren Anspruch formuliert, klimaneutral und nachhaltig zu werden, unseren Kundinnen und Kunden, aber auch unseren Mitarbeitenden und der gesamten Gesellschaft gegenüber. 

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Wir reduzieren unsere eigenen CO2-Emissionen und beschäftigen uns in dem Zusammenhang auch mit unserer gesamten Wertschöpfungskette. Dazu gehört auch der verantwortliche Umgang mit allen Ressourcen und die generelle Vermeidung von Schadstoffen. Unser Weg, die CO2-Ausstöße im Unternehmen auf Null zu reduzieren, basiert auf vier Säulen: Energieeffizienz, Umstellung eigener Energiebezüge auf CO2-neutral hergestellte Energie, Ausbau eigener Ressourcen im Sinne von energieerzeugenden Anlagen sowie Kompensation noch vorhandener CO2-Ausstöße durch Investitionen in Solar- und Windanlagen.

Ebenso wird die Verantwortung für Mitarbeitende und ihre Familien, die Standorte und ihre Regionen als Verpflichtung verstanden. Unsere gesellschaftliche Verantwortung zeigt sich unter anderem in der Förderung von Bildungseinrichtungen und einem breiten Sponsoring von Sozialeinrichtungen. Im Unternehmen selbst können sich Mitarbeitende überall auf der Welt auf faire Arbeitsbedingungen, einen hohen Stellenwert von Arbeitssicherheit und Datenschutz sowie auf einen respektvollen Umgang miteinander verlassen. 

Was macht Phoenix Contact als einen der Weltmarktführer für Elektro- und Automatisierungstechnik zu einem attraktiven Arbeitgeber? Was bieten Sie Ihren Mitarbeiter:innen?

Ein spannendes, sinnstiftendes Aufgabengebiet, ein tolles, kollegiales Team, moderne, gut ausgestatte Arbeitsplätze, mobile Arbeit wo möglich, lebenslanges Lernen und eine langfristige berufliche Perspektive. Und ein bisschen Spaß darf natürlich auch nicht fehlen! Auch in Österreich schaffen wir laufend neue Arbeitsplätze und bieten Bewerber:innen aktuell eine Reihe interessanter Aufgabengebiete.  

Wie beschreiben Sie Ihr Leadership?

Ergebnisorientiert auf Basis vereinbarter Strategien. Ich vertrete die Interessen unserer Geschäftsbereiche, pflege einen kooperativen Führungsstil, suche den Ausgleich bei unterschiedlichen Zugängen und unterstütze meine Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Entwicklung und Zielerreichung.  

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Wie hat sich Covid-19 auf Ihr Business ausgewirkt?

Vor allem durch große Fortschritte in der Digitalisierung unserer internen Prozesse sowie durch die vielfach besprochenen Verwerfungen in den Supply Chains. Insgesamt sind wir heute viel besser auf die VUKA World eingestellt, die wir tagtäglich erleben und haben Möglichkeiten geschaffen, auf viele, zunächst nicht vorhersehbare Entwicklungen kurzfristig reagieren zu können.

Wie sieht der aktuelle Geschäftsgang in Ihrem Unternehmen aus? 

Schon die letzten 10 Jahre waren von dynamischem Wachstum geprägt, derzeit ist die Nachfrage nach unseren Produkten enorm. Um dem Rechnung zu tragen, tätigt Phoenix Contact laufend große Investitionen. Und wir strengen uns täglich an, alle an uns herangetragenen Anforderungen bestmöglich zu erfüllen.

Welche Ziele hat Ihre Firma bis 2025?

Wir wollen weiterhin ein bevorzugter Partner unserer Kund:innen auf dem Weg in die All Electric Society sein.

Wir würden Sie gerne auch als Privatpersonen etwas näher kennenlernen, abschließend daher noch ein paar persönliche Fragen:

Hatten auch Sie ein Vorbild, von dem Sie sich Dinge abgeschaut haben?

Kein singuläres Vorbild, aber ich hatte an allen beruflichen Stationen sehr gute Mentoren und Vorgesetzte, die mich und meine Entwicklung gefördert haben.

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Wie/woraus schöpfen Sie abseits Ihres Berufes Kraft?

Aus guten Gesprächen zu vielfältigen Themen.

Für welche drei Dinge in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?

Gesundheit, die Menschen die mich umgeben und in einem Land wie Österreich geboren zu sein.

Was bedeutet für Sie persönlich Glück?

Glück ist etwas, das man nutzen muss! Die Erreichung anspruchsvoller Ziele und die Entwicklung meiner beiden Söhne schaffen jedenfalls immer wieder Glücksmomente.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, wofür Sie aber bis jetzt noch keine Gelegenheit hatten?

Nein, denn wenn ich etwas probieren möchte, schaffe ich die Möglichkeit dafür.

Sie können EIN globales Problem lösen – welches wäre das?

Die Versorgung des Planeten mit ausreichend Energie aus erneuerbaren Quellen.