Klicks bestimmen nicht den Wert der Homepage

© Peter Hinterhölzl

Top-Leader Stimme der digitalen Kommunikation: Maximilian Schwinghammer

08.10.2022 | 3 min

Digitale Kommunikation: Zurück auf den Bolzplatz 

Die Möglichkeiten im Internet sind beinahe grenzenlos. Und regelmäßig kommen neue Tasten zur digitalen Klaviatur hinzu.

Von Blockchain über NFT bis zum Metaverse. Doch zunächst einmal sollten die Basics stimmen. 

Cristiano Ronaldo hat es nicht zum Superstar geschafft, weil er für Real Madrid alle Torrekorde gebrochen hat. Er ist groß geworden, weil er in Santo António, einem kleinen Ort auf Madeira, Extrarunden lief und einnetzte. Und weil er anschließend zwei Jahre diese Leistung bei CD Nacional in Funchal bestätigte. Und in der Jugend von Sporting Lissabon. Und erst dann durfte er bei den Großen mitspielen. 

Große Pläne bringen großen Erfolg. Und zum Erfolg gibt es keine Abkürzungen. Die Kilometer müssen gemacht werden. Wer in der Champions-League Tore schießen will, muss vorher 10.000 Runden um den Bolzplatz gelaufen sein. Das gilt auch für die digitale Welt. Firmen können nicht erwarten, dass sie einen Videoproduzenten einstellen und schon haben sie einen erfolgreichen TikTok-Channel, über den Produkte verkauft werden. Nur, weil ein Programmierer im Unternehmen arbeitet, verkauft es nicht automatisch NFT im virtuellen Showroom. Deswegen sollten Firmen im Internet erst einmal zurück auf den Bolzplatz.

Für Erfolg im Internet müssen die Basics stimmen

Es ist toll, dass sich in Österreichs Geschäftswelt ein internetaffines Unternehmertum breit macht. Immer mehr Kund:innen wissen, welche Möglichkeiten Soziale Medien bieten. Wie wichtig ein ebenso guter wie ehrlicher Internetauftritt ist. Und immer öfter sind sie offen für neue Ideen und Trends wie TikTok, Metaverse oder NFT. Doch bevor Firmen sich solchen Projekten widmen, eine Frage: Was steht in Ihrer Google-Box?

Dort sollten auf den ersten Blick der Firmenname, das Geschäftsfeld und die wichtigsten Kontaktinformationen samt Öffnungszeiten stehen. Steht dort etwas anderes, gar nichts oder kann die zuständige Person die Frage nach dem Inhalt gar nicht beantworten, sollten andere, hochtrabende Pläne erst einmal hintangestellt werden. Bevor eine Firma NFT verkauft, sollten die Öffnungszeiten in der Google-Box stimmen. Bevor sie einen Showroom im Metaverse einrichtet, sollten der Seitenaufbau stimmen. 

© PantherMedia/Ronalds Stikans

Erst stehen lernen, dann laufen

Unternehmen sind im Internet nicht erfolgreich, weil sie einen populären TikTok-Kanal haben. Oder komplexe Social-Media-Kampagnen. Das sind lediglich die Früchte einer erfolgreichen Grundlagenarbeit. Unternehmen sind in der digitalen Welt erfolgreich, weil sie ein stabiles Fundament errichtet haben, auf dem diese Extras stehen können. Aller Anfang ist hier die eigene Seite. Nichts ist hier wichtiger als Authentizität. Die Gestaltung, der Aufbau, die Wortwahl… all das sollte bereits die Firma widerspiegeln. Wenn ein großer Vorteil des Unternehmens ist, immer erreichbar zu sein, muss es entsprechende Möglichkeiten auf der Seite geben. Beispielsweise eine Chatfunktion und umfangreiche Kontaktdaten. Ist die Kundschaft aufgrund der Produkte größtenteils in Pension, wäre es kontraproduktiv, die Seite mit aller Kraft jugendlich wirken zu lassen.

Stimmt die Basis, kommt der wichtigste Schritt. Die Seite muss für ihre Kund:innen im Internet auffindbar sein. Unternehmen müssen sich also überlegen, wer ihre Kund:innen sind und was sie im Web überhaupt von ihnen wollen. Nicht jede Firma muss unbedingt einen großen Internetauftritt haben. Vielleicht reicht es, wenn sich die Kund:innen für einen Newsletter anmelden können, sich Fachkräfte über das eigene Jobportal bewerben oder Interessent:innen den nächstgelegenen Ansprechpartner finden. Was für das Unternehmen ein Erfolg ist und was nicht, bestimmt nur das Unternehmen selbst. Klickzahlen sind es in vielen Fällen eher nicht. 

NFT, Metaverse und Social Media: Warum?

Sind all die Grundlagen geschafft, können Verantwortliche über den nächsten Schritt nachdenken. Es ist extrem konstruktiv, neue Trends und Techniken zu diskutieren. Zu erörtern, was diese Dinge zum Firmenerfolg beitragen könnten. Deswegen muss der erste Schritt auch immer sein, sich zu fragen, warum die IT-Abteilung die Technologie implementieren soll. Der Vorstand hat bereits definiert, was Erfolg ist. Bei allen Trends und Hypes ist die Folgefrage, ob sie helfen können, diesen Erfolg zu haben. Was hätte die Firma von einem NFT? Von einem Grundstück im Metaverse? Von einem TikTok-Kanal? 

© PantherMedia/Khosro1 (YAYMicro)

Denn oft wird die Arbeit hinter einem populären Kanal unterschätzt. Bis ein YouTube-Kanal durch die Decke geht, ein TikTok-Video viral wird oder sich ein Blog zum Trendsetter entwickelt, vergehen oft Jahre. Jahre, in denen Zeit und Geld in ein Vorhaben investiert werden muss, das wahrscheinlich gar nicht den erwünschten Erfolg liefert. Dennoch müssen Fachkräfte ihre Arbeitszeit investieren. Denn auch im Internet lässt sich Erfolg nicht nebenbei erzielen.

Grundtugenden im Internet: Geduld und Ausdauer

Auch, wenn das Internet als schnelles Medium gilt: Erfolg gibt es nicht auf Knopfdruck. Suchmaschinen und Soziale Medien steuern ihre Ergebnisse per Algorithmus. Mal gibt er, mal nimmt er. Neue Seite und Auftritte werden anfangs beispielsweise oft mit viel Aufmerksamkeit belohnt. Eine Art Dankeschön. Doch schnell werden dann auch andere Seiten ausgespielt und die eigene Präsenz erhält weniger Aufmerksamkeit. Hier müssen Firmen am digitalen Ball bleiben und hochwertigen Content schaffen, um langfristig erfolgreich zu sein. Irgendwann kommt der Algorithmus dann nicht mehr ohne diese Inhalte aus. Dann ist man in der erwähnten Champions League des Internets. 

Autor: Maximilian Schwinghammer