Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), eröffnete das 9. Deutsch-Österreichische Technologieforum in Wien, das von der DHK in Kooperation mit Fraunhofer Austria organisiert wurde.
Fast 200 Gäste waren der Einladung gefolgt – durch die „Tec-Night“ führte Wilfried Sihn, Senior Advisor bei Fraunhofer Austria.
„Wir treffen uns in einer Zeit, die vieles in Frage stellt, aber gleichzeitig enorme Chancen bietet. Das Deutsch-Österreichische Technologieforum ist der Ort, an dem Innovation und Wettbewerbsfähigkeit spürbar werden. Technologie muss als geopolitische Infrastruktur verstanden werden, dafür braucht es auch dringend eine Modernisierung in der Bildung“, verdeutlicht Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), in seiner Eröffnungsrede.
Vito Cecere, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, berichtete, dass sowohl in Berlin als auch in Wien bereits Schlüsseltechnologien definiert wurden, die künftig verstärkt gefördert werden sollen. Dazu zählen unter anderem Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien der klimaneutralen Mobilität.
Auch Henriette Spyra, Leiterin der Sektion Innovation und Technologie im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, verwies auf die zunehmenden Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien – entscheidend sei hierbei aber ein klarer Fokus statt breiter Streuung der Mittel. Weniger die Höhe der Investitionen, sondern vielmehr der Wechsel von einer reinen Input- zu einer Impact-Logik sei ausschlaggebend.
Zudem spiele Diversität eine wichtige Rolle für Projekterfolg und neue Ideen.
Gamechanger KI
Im Mittelpunkt des Forumstags stand die Rolle der Künstlichen Intelligenz als Gamechanger in der Industrie und insbesondere in der Mobilität.
Nikolai Ardey, Executive Director der Volkswagen Group Innovation, zeichnete ein Bild der Zukunft des Autos, in dem KI eine zentrale Rolle spielt. KI wird künftig zum elementaren Bestandteil des Fahrzeugs der Zukunft, insbesondere bei Fahrerassistenzsystemen und beim autonomen Fahren.
„Herausforderung ist die nötige Rechenpower. Was heute die PS sind, wird in Zukunft die Rechenleistung sein. Heute sprechen wir von 200 Tops (Trillion Operations Per Second – Anm. d. Red.), künftig von 1.000 oder 2.000“, analysiert Nikolai Ardey.
Es sei sinnvoll, nicht nur das autonome Fahren voranzutreiben, sondern das gesamte Fahrzeug mit KI zu betreiben – von Fahrwerksregelung oder Regelung des Interiors bis zur Interaktion mit dem Passagier. Dies zeichnet sich derzeit im Markt ab, man spricht hierbei von der Plattform Fusion. Endziel sei, laut Nikolai Ardey, die Entwicklung von Automotive Foundation Modellen, die auf großen Mengen an Fahr- und Sensordaten vortrainiert wurden, um komplexe Aufgaben im autonomen Fahren, in der Simulation und bei der Datenannotation zu bewältigen.

In der folgenden Podiumsdiskussion befasste sich Nikolai Ardey gemeinsam mit Henriette Spyra und Jens Poggenburg, Executive Partner for Management Board bei AVL List, unter anderem mit den Chancen, Potenzialen und Risiken der KI in der Industrie und der Mitarbeiter:innen-Akzeptanz.
KI überzeugt
Den inhaltlichen Bogen des Forumstags spannte Sandra Stein, Leiterin der Forschungskoordination am Center für Nachhaltige Produktion und Logistik bei Fraunhofer Austria.
Sie betonte, dass Unsicherheit Innovation fördere und die Gegenwart zu den innovativsten Zeiten der Menschheit zähle. Als zentrale Herausforderungen identifizierte die Expertin Energie, Lieferkettenunsicherheit und Investitionslähmungen. Fraunhofer setzt hier mit neuen Methoden an – wie mit der energieoptimierten Produktionsplanung oder KI-Tools zur Lieferketten-Analyse.
Christoph Knogler, Geschäftsführer der KEBA Group, verwies im Anschluss auf aktuelle Studien von Microsoft / Economica, wonach durch KI in den nächsten zehn Jahren das Bruttoinlandsprodukt um 18 % gesteigert werden kann, die Industriellenvereinigung spricht von 40 % Produktivitätssteigerung.
Als Use Case für KI im eigenen Unternehmen nannte der Experte den Bereich Prüfungen. Durch KI-gestützte Systeme lasse sich der manuelle Prüfaufwand um bis zu 70 Prozent reduzieren.
Gerhard Dimmler, CTO von Engel Austria, empfahl für den Weg von der digitalen Transformation hin zu KI fünf zentrale Schritte:
Anpassung der Organisation, Entwicklung geeigneter Schnittstellen, Weiterentwicklung der Systeme, Aufbau einer klaren Data Governance und Bottom-up-Einführung von GenAI.
Engel Austria setzt bei allen Phasen eines Kundenproduktes auf „inject AI“. EVA, der Engel Virtual Assistant, unterstützt Kunden im Arbeitsalltag.
Neue Perspektiven durch KI
Auch in traditionellen Branchen eröffnet KI neue Perspektiven. Michael Petschnig, Geschäftsführer von RPM Gebäudemonitoring, forderte, dass sich Handwerksbetriebe neu erfinden müssen, da Bauausschreibungen immer komplexer und datengetriebener werden. RPM sammle umfangreiche Daten und stelle sie den Kunden zur Verfügung, um bessere Entscheidungen zu ermöglichen.
Georg Schett von Fraunhofer Austria und Franz Zagler von Spar Österreich zeigten anschließend, wie datengetriebene Modelle entlang der Lieferkette neue Potenziale erschließen können, wobei der digitale Zwilling eine zentrale Rolle spielt.
Die Reinigungsbranche setzt laut Michael Lackner, Geschäftsführer Dr. Sasse Facility Management, auf humanoide Roboter wie den H1 von Unitree. Peter Amend, Global Head of Zeiss Digital Partners, erläuterte, wie digitale Transformation durch Generative KI und Advanced Analytics vorangetrieben wird und neue datenbasierte Erkenntnisse entstehen. Klaus Buchwald, COO von Siltronic, betonte die Bedeutung gemeinsamer Strategien und Partnerschaften, um Europa insbesondere im Chip-Markt als Technologiestandort zu stärken.
Den Abschluss bildete Rainhill Freitas von Airbus Defence and Space, der darlegte, wie gemeinsame europäische Initiativen Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern können.
