Kein Ende in Sicht: Der Umbruch der Arbeitswelt reißt nicht ab

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Juliana Wolfsberger, New-Work-Expertin bei Deloitte Österreich

17.09.2022 | 2 min

Kein Ende in Sicht: Der Umbruch der Arbeitswelt reißt nicht ab

Das belegt eine neue Studie von Deloitte Österreich in Kooperation mit der Uni Wien und der Uni Graz.

Die aktuelle Umfrage unter knapp 600 Firmenvertreter:innen bestätigt: Der durch die Pandemie angestoßene Homeoffice-Trend hält an. Im April 2020 – der Hochphase der Pandemie – hatte in 90% der befragten Unternehmen mindestens die Hälfte der Belegschaft die Möglichkeit zum Homeoffice. Bis heute ist dieser Wert nur minimal auf 89% gesunken. Auch die Anzahl der Personen, die Homeoffice tatsächlich nutzen ist anhaltend hoch: 82% der Befragten berichten aktuell, dass ein großer Teil der Belegschaft gelegentlich oder regelmäßig remote arbeitet.

„Die Pandemie hat den größten Umbruch der Arbeitswelt seit Jahrzehnten angestoßen. Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Die angespannte Arbeitsmarktsituation und steigende Ansprüche auf Arbeitnehmerseite treiben zusätzlich weitere Veränderungen an. So werden auch Modelle wie die Vier-Tage-Woche immer lauter diskutiert“, analysiert Juliana Wolfsberger, New-Work-Expertin bei Deloitte Österreich.

Homeoffice im Urlaub

Immer mehr Mitarbeitende wollen Homeoffice und Urlaub verbinden bzw. für eine Zeit aus dem Ausland arbeiten. In 73% der befragten Unternehmen werden sogenannte Workations von Bewerber:innen verstärkt nachgefragt. Zwar werden Arbeitgeber:innen dahingehend immer offener, komplexe steuer-, sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Regelungen führen in der Ausgestaltung aber noch zu großer Unsicherheit. „Da der Druck von Arbeitnehmerseite hinsichtlich Flexibilisierung und Workation-Möglichkeiten steigt, braucht es dringend klare Regelungen der Rahmenbedingungen“, betont Juliana Wolfsberger.

Eine Selbstverständlichkeit

Christian Korunka, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Wien

© Fotostudio Wilke

Derzeit trifft der demografische Wandel die Wirtschaft mit voller Wucht. Qualifizierte Arbeitskräfte sind heute ein knappes Gut. Damit Unternehmen im „War for Talents“ bestehen können, spielt flexibles Arbeiten mittlerweile eine entscheidende Rolle: Bei 93% der befragten Unternehmen sind die Erwartungen von Bewerbenden hinsichtlich Homeoffice-Möglichkeiten deutlich gestiegen. Dementsprechend geben 79% an, dass sich das Angebot von Remote Work positiv auf die Arbeitgeberattraktivität auswirkt.

Es gibt jedoch auch Tücken: „Bei vermehrter Remote-Arbeit ist es besonders wichtig, auf das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden zu achten. Arbeitgeber:innen, die auf das Vermitteln der Unternehmenskultur und die Förderung des Teamspirits vergessen, werden schnell austauschbar“, warnt Christian Korunka, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Wien.

Balance und Spielregeln 

Die Herausforderungen in Zusammenhang mit einem hohen Homeoffice-Anteil sind für viele Unternehmen bereits spürbar: Fast drei Viertel geben an, dass der informelle Austausch und der Teamgeist in den vergangenen zwei Jahren gelitten haben. Zudem besteht die Gefahr, dass sich erschwerte Bedingungen beim Onboarding, der reduzierte Austausch von implizitem Wissen und weniger bereichsübergreifende Kommunikation negativ auf die Leistung auswirken.

Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Graz

© Uni Graz/Tzivanopoulos

„Zwar berichtet mit rund 60% die klare Mehrheit der Unternehmen, dass das vermehrte Remote Working zu einer gesteigerten Produktivität geführt hat, auf lange Sicht kann diese Intensität aber nicht gehalten werden. Nachhaltiger wäre eine ausgewogene Balance zwischen Remote und Büro. Außerdem braucht es klare Spielregeln“, so Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Graz.

Die Flexible Working Studie 2022 zum Download

https://www.deloitte.at