Finanzmärkte auf dem Weg der Besserung? Vorsichtiger Optimismus angebracht

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Chief Investment Officer Christian Nemeth (© Zürcher Kantonalbank Österreich AG)

16.11.2022 | 2 min

Finanzmärkte auf dem Weg der Besserung? Vorsichtiger Optimismus angebracht 

Christian Nemeth (CIO – ZKÖ) über abgefederte inflationstreibende Faktoren und bessere Investitionsmöglichkeiten.

Die Inflationsraten, insbesondere die fortwährende Kernteuerung, geistern wie ein Schreckgespenst durch die Schlagzeilen. Tatsächlich zeigt der Trend in fast allen Industrieländern nach oben. Doch der Ausblick kündigt nicht mehr nur Schatten, sondern auch Licht an: In den kommenden Monaten dürften sich die Inflationsraten abschwächen. Zum einen haben die Energie-, Rohstoff- und Frachtpreise seit Mitte 2022 bereits deutlich nachgegeben. Zum anderen lösen sich die noch pandemiebedingten Angebotsengpässe und Lieferprobleme allmählich auf. Unterstützt wird die Inflationslinderung durch die Notenbanken, welche die geldpolitische Straffung vorerst weiter fortsetzen werden, analysiert Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Züricher Kantonalbank Österreich AG. 

Investitionsmöglichkeiten im Aufwind 

An den Finanzmärkten hat sich die Stimmung bereits verbessert. Auch wenn die steigenden Leitzinsen die in Europa bevorstehende Rezession antreiben und die hohe Inflation die Aktienmärkte weiterhin belastet, gab es im Oktober einen kräftigen Rebound, nachdem die Monate August und September von negativen Aspekten geprägt waren. Es war zuletzt deutlich zu spüren, wie schnell der Aktienmarkt profitiert, wenn es positive Nachrichten gibt, auch wenn das Sentiment rasch schwankt. Vorteilhaft ist insbesondere, dass auf der Aktienseite die makroökonomischen Alarmzeichen bereits eingepreist sind, Investments werden daher attraktiver, meinte Nemeth. 

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Positiver Trend bei Anleihen 

Auch Anleihen erscheinen zunehmend attraktiv, nachdem Anleger hier einen tiefen Absturz hinter sich haben. Zum Höhepunkt der ersten High-Tech-Boom-Phase in den Neunzigerjahren lautete das landläufige Motto, dass man mit Aktien alles gewinnen kann und keine Anleihen benötigt. Als die Blase geplatzt ist, war jeder froh, der diesen Sicherheitspolster im Portfolio hatte. Nach einer langen Phase mit Negativzinsen, drängte sich die Frage auf, ob sich der Kauf bei negativen Renditen überhaupt noch lohnt. Die Lage hat sich zwischenzeitlich gebessert, auch bei den Anleihen wird viel vorweggenommen. Die Kurse preisen bereits ein ausgiebiges Maß an weiteren Zinserhöhungen ein. Anleihen sind derzeit aussichtsreich, daher haben wir die Untergewichtung bei Staatsanleihen weiter reduziert und die Laufzeiten verlängert, so Nemeth weiter. 

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Märkte sehr weit vorausblicken und der Ausblick insgesamt positiv interpretiert wurde. Wir sind jedoch keinesfalls euphorisch und wollen nicht zu offensiv agieren. Es gibt nach wie vor Unsicherheiten, eine Rezession in den USA ist nicht auszuschließen, Entwicklungen im Russland-Ukraine-Krieg können zudem rasch positive oder negative Auswirkungen haben. Der Tenor ist dennoch zuversichtlicher als in den vorangegangenen Monaten, erklärte Nemeth abschließend. 

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