Fehlt der jungen Generation tatsächlich die Leistungsbereitschaft?

Jugendliche und Studierende sind durchaus bereit zu arbeiten, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
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Fehlt der jungen Generation tatsächlich die Leistungsbereitschaft?
Stephan Ifkovits, Initiator der Studie und Head of Marketing & Communications bei »OBSERVER«.

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Die Generation Z will möglichst wenig arbeiten, bevorzugt die Vier-Tage-Woche und lehnt klassische Vollzeitjobs ab. Diese Vorurteile halten sich hartnäckig, doch die aktuellen Ergebnisse einer »OBSERVER« Umfrage unter Studierenden in Österreich zeichnet ein deutlich anderes Bild.

Laut der Online-Umfrage unter österreichischen Studierenden sind 74 Prozent bereit, fünf Tage pro Woche zu arbeiten. Das entspricht einem Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

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Auch die klassische 40-Stunden-Woche ist für viele kein Ausschlusskriterium: 51 Prozent (+ 5 %) können sich eine Wochenarbeitszeit von bis zu 40 Stunden vorstellen, weitere elf Prozent wären sogar bereit, mehr als 40 Stunden zu arbeiten. Weitere 28 Prozent nennen bis zu 35 Wochenstunden.

Leistung bei fairen Rahmenbedingungen

Die Bereitschaft zu arbeiten bedeutet allerdings nicht, dass Studierende jeden Arbeitsplatz und sämtliche Arbeitsbedingungen akzeptieren. Vielmehr haben junge Menschen klare Vorstellungen davon, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht.

An erster Stelle steht ein gutes Gehalt mit 113 Nennungen (+13). Dahinter folgen ein gutes Team (75 Nennungen, +5), flexible Arbeitszeiten (53, +5), Homeoffice-Möglichkeiten (49, +16) sowie berufliche Aufstiegschancen (44, +8).

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Besonders deutlich zeigt sich der Bedeutungsgewinn von Homeoffice, das gegenüber dem Vorjahr um 16 Nennungen zulegen konnte.

Auch eine ausgewogene Work-Life-Balance hat für die Befragten einen hohen Stellenwert. Insgesamt 94 Prozent bewerten sie als wichtig oder sehr wichtig. Das steht jedoch keineswegs im Widerspruch zur grundsätzlichen Arbeitsbereitschaft. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass junge Menschen durchaus bereit sind, eine volle Arbeitswoche zu leisten, dabei aber Flexibilität, Planbarkeit und ausreichend Freizeit erwarten.

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine zentrale Erkenntnis: Nicht mangelnder Arbeitswille ist die entscheidende Herausforderung, sondern die Frage, welche Rahmenbedingungen junge Talente dazu bewegen, ihre Leistungsbereitschaft einzubringen.

Wertschätzung und Kommunikation

Neben Gehalt und Arbeitszeit rückt auch die Führungskultur in den Mittelpunkt. Die Ergebnisse zeigen, dass Studierende klare Erwartungen an ihre künftigen Vorgesetzten haben und zwischenmenschliche Fähigkeiten dabei besonders hoch gewichten.

Mit 133 Nennungen steht ein wertschätzender Umgang mit deutlichem Abstand an erster Stelle der wichtigsten Eigenschaften einer guten Führungskraft. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 24 Nennungen.

Auf Platz zwei folgt eine gute Kommunikation mit 101 Nennungen. Besonders auffällig ist hier die Entwicklung im Jahresvergleich: Mit einem Plus von 29 Nennungen verzeichnet dieser Aspekt den stärksten Anstieg. Auch ehrliches Feedback (83 Nennungen, +17), Empathie und Verständnis (60, +12) sowie die Übertragung von Verantwortung (60, +1) zählen zu den wesentlichen Erwartungen.

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Die fachliche Kompetenz einer Führungskraft wird hingegen 54-mal genannt und rangiert damit hinter den wichtigsten zwischenmenschlichen Eigenschaften.

Für Arbeitgeber:innen ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Finanzielle Anreize allein reichen nicht aus, um junge Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Ebenso wichtig ist eine Führungskultur, die auf Wertschätzung, offener Kommunikation und gegenseitigem Vertrauen basiert.

Flexible Arbeitszeiten und Weiterbildung als wichtigste Benefits

Auch bei den gewünschten Zusatzleistungen zeichnen die Ergebnisse ein deutliches Bild. Flexible Arbeitszeiten stehen mit 127 Nennungen an der Spitze und verzeichnen gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 27 Nennungen.

Auf dem zweiten Platz liegen Weiterbildungsmöglichkeiten (103 Nennungen, +16), gefolgt von Gesundheitsangeboten (84, +16) und einer betrieblichen Altersvorsorge (73, +16).

Der hohe Stellenwert von Weiterbildung zeigt, dass viele Studierende ihre berufliche Zukunft aktiv gestalten und großen Wert auf fachliche Entwicklungsmöglichkeiten legen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Frage nach dem beruflichen Erfolg. Am häufigsten verbinden die Befragten diesen mit einer Tätigkeit, die Freude macht (112 Nennungen, +8). Dahinter folgen ein hohes Gehalt (85, +8), eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit (73, +9) sowie die kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung (72, +11).

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Eine Führungsposition anzustreben, spielt mit 39 Nennungen (+4) hingegen eine geringe Rolle.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass junge Menschen beruflichen Erfolg nicht primär über Status oder hierarchischen Aufstieg definieren. Im Vordergrund stehen vielmehr eine interessante und erfüllende Tätigkeit, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine angemessene Entlohnung.

Fazit

Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Bereitschaft der befragten Studierenden, einer klassischen Fünf-Tage-Woche nachzugehen, ist nicht nur hoch, sondern hat gegenüber dem Vorjahr sogar weiter zugenommen. Auch ein wöchentliches Arbeitspensum von bis zu 40 Stunden können sich die meisten vorstellen.

Für Unternehmen bedeutet das, den Blickwinkel zu verändern. Statt eine vermeintlich mangelnde Leistungsbereitschaft der jungen Generation zu beklagen, sollten sie stärker hinterfragen, welche Rahmenbedingungen sie als Arbeitgeber attraktiv machen.

Eine faire Bezahlung, eine wertschätzende Führungskultur, eine offene interne Kommunikation und flexible Arbeitsbedingungen können dabei zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen werden, wenn es darum geht, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen und langfristig zu halten.

„Die Ergebnisse unserer Studie widerlegen ein weitverbreitetes Vorurteil: Junge Menschen sind keineswegs arbeitsscheu. Im Gegenteil – die große Mehrheit ist bereit, fünf Tage pro Woche zu arbeiten, und viele können sich auch eine klassische 40-Stunden-Woche vorstellen. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Bereitschaft im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen ist. Wir sollten daher aufhören, der jungen Generation mangelnden Arbeitswillen zu unterstellen. Vielmehr sind die Unternehmen gefordert, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn die Studierenden wollen arbeiten, erwarten dafür aber zu Recht ein faires Gehalt, Wertschätzung und eine gute Führungskultur“, ergänzt Stephan Ifkovits, Initiator der Studie und Head of Marketing & Communications bei »OBSERVER«.

https://www.observer.at

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