Arnulf Rainer & Hermann Nitsch – zwei gleichzeitig pulsierende Positionen

Rund 120 Werke beleuchten die Berührungspunkte im Schaffen von Arnulf Rainer und Hermann Nitsch.
© Arnulf Rainer Museum
Arnulf Rainer & Hermann Nitsch – zwei gleichzeitig pulsierende Positionen
Ausstellung Arnulf Rainer & Hermann Nitsch im Arnulf Rainer Museum in Baden.

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In der neuen Ausstellung widmet sich das Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien ab 24. Oktober 2026 zwei prägenden Künstlerpersönlichkeiten der österreichischen Kunstgeschichte: Arnulf Rainer und Hermann Nitsch.

Erstmals sind diese beiden Ausnahmekünstlern in einer gemeinsamen Schau zu sehen.

„Was längst überfällig war, wird hier nachgeholt. Die Schau zeigt Rainer und Nitsch nicht als aufeinanderfolgende Kapitel der österreichischen Kunstgeschichte, sondern als zwei gleichzeitig pulsierende Positionen“, fassen die Kuratoren – Nikolaus Kratzer, Leiter der Kunstsammlung des Landes Niederösterreich, und Kunstsammler Helmut Zambo – die Ausgangsidee der Ausstellung zusammen.

Im Dialog ihrer Werke wird Gemeinsames sichtbar: Prozess und Transformation, Körper und Spur, Kreuz und Wunde sowie die Verschiebung von Kunst vom Objekt hin zur Erfahrung.

Pioniere der abstrakten Malerei

Arnulf Rainer (1929-2025) und Hermann Nitsch (1938-2022) zählen zu den weltweit bekanntesten Künstler:innen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Obwohl sie unterschiedliche Wege beschritten, verbindet sie die radikale Erweiterung des Kunstbegriffs: Nicht nur das vollendete Werk steht im Mittelpunkt, sondern auch der künstlerische Prozess und die Frage, was ein Bild überhaupt ist.

Heute sind die beiden insbesondere als Pioniere der abstrakten Malerei bekannt: Arnulf Rainers Übermalungen und Hermann Nitschs Schütt- und Rinnbilder sind fixe Bestandteile des kunstgeschichtlichen Kanons.

„Die Ausstellung beleuchtet bekannte und weniger geläufige Aspekte aus den OEuvres von Arnulf Rainer und Hermann Nitsch. Zwischen Proportionsstudien und Farbskalen, Face Farces und Schüttbildern, Kreuzen und Malhemden ergeben sich Harmonien und Irritationen“, so Nikolaus Kratzer und Helmut Zambo.

Arnulf Rainer & Hermann Nitsch – zwei gleichzeitig pulsierende Positionen
Arnulf Rainer, Ich brenne und strahle, 1970, Landessammlungen NÖ – Sammlung Zambo, Deutschland
© Arnulf Rainer

Arnulf Rainer gilt als Wegbereiter der informellen Malerei in Österreich. Mit seinen seit den 1950er-Jahren entstandenen Übermalungen erneuerte er die Malerei grundlegend und erlangte weltweit Anerkennung. Das Prozesshafte weitete sich dabei über unterschiedliche Bildträger aus, von Gemälden über Fotografien bis hin zu Büchern. Prägende Impulse erhielt Rainer ab 1951 durch die Auseinandersetzung mit dem europäischen und amerikanischen Informel.

In der Folge erarbeitete er seine charakteristischen abstrakten Malereikürzel, mit denen er innere Spannungszustände sichtbar machte. Zu den frühesten Beispielen dieser psychophysischen Malerei zählen die Vertikal- und Zentralgestaltungen.

Als Mitbegründer des Wiener Aktionismus und Schöpfer des Orgien Mysterien Theaters rief Hermann Nitsch eine Kunstform ins Leben, die Malerei, Musik, Performance und Ritual zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk verbindet. Sein frühes gegenständliches Werk ist von christlicher Ikonografie bestimmt und spiegelt ebenso Einflüsse von Künstlern wie Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Rembrandt van Rijn und Paul Cézanne wider.

Mit der Hinwendung zum Informel entstanden schließlich seine ersten gegenstandslosen Arbeiten.

Fotografien und Relikte aus Nitschs 6-Tage-Spiel aus dem Jahre 1998 finden sich neben Rainers Werkserien Face Farces und Body Poses der 1970er-Jahre. Gezeigt werden großformatige Kreuzbilder und eindrucksvolle Malerhemden, die Spuren von Nitschs Aktionen erfahrbar machen. Arbeiten aus Rainers Zyklus der Schwarzen Architektur werden dem druckgrafischen Mappenwerk Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters von Nitsch gegenübergestellt.

Hermann Nitsch, Schüttbild mit Malhemd, 2018 – Sammlung Berkson
© Arnulf Rainer
Arnulf Rainer, Selbstbegräbnis oder Christusleid, Christusfreud?, 1969–1974, Landessammlungen NÖ – Sammlung Zambo, Deutschland
© Arnulf Rainer

Highlights im ehemaligen Frauenbad sind ein Schüttbild mit Malerhemd von Nitsch aus der Sammlung Berkson sowie Rainers Werk Selbstbegräbnis oder Christusleid, Christusfreud?, in dem Fotografie, Malerei und der künstlerische Schaffensprozess untrennbar miteinander verschmelzen.

Proportionen & Farbskalen

Ein Schwerpunkt der Ausstellung widmet sich der Auseinandersetzung mit Proportion und Farbe.

Die Proportionsgestaltungen von 1953/54 zählen zu den frühesten abstrakten Werkgruppen Arnulf Rainers. Sie sind heute nur selten im musealen Kontext zu sehen, da Rainer einen Großteil aus Platzmangel bereits früh zerstörte. Auch in den Proportionsarbeiten wurden Farbkombinationen erprobt. Hier steht das Verhältnis von Farbe, Form und Proportion im Zentrum. Durch das Verschieben bemalter Papierstreifen entwickelte Rainer Kompositionen, in denen die Beziehungen der Bildflächen zueinander ausgelotet werden.

Arnulf Rainer & Hermann Nitsch – zwei gleichzeitig pulsierende Positionen
© Arnulf Rainer Museum

Sammlung Helmut Zambo

Im Rahmen einer großzügigen Schenkung übergab Helmut Zambo 2024 den Kernbestand seiner in rund 65 Jahren zusammengetragenen Kunstsammlung an die Landessammlungen Niederösterreich.

Er bezeichnet sich selbst als „Tiefensammler“ und konzentrierte sich auf wenige Künstlerpersönlichkeiten und Kunstrichtungen. Einen Schwerpunkt der Schenkung bilden rund 300 Werke von Arnulf Rainer, ergänzt durch bedeutende Bestände zu Hermann Nitsch, Art Brut und Günter Brus. Im Zwischengeschoss des Museums greift die Ausstellung die charakteristische Salonhängung auf, mit der Helmut Zambo über Jahrzehnte hinweg lebte.

Mit der Ausstellung Arnulf Rainer & Hermann Nitsch findet ein mehrjähriger Ausstellungszyklus seinen Abschluss. Den Auftakt bildete 2024 die Jubiläumsausstellung Arnulf Rainer. Das Nichts gegen Alles anlässlich des 95. Geburtstags des Künstlers. Es folgte 2025 die Schau Arnulf Rainer & Art Brut, die Rainers provokante Hand-, Finger- und Fußmalereien, seine expressiven Face Farces sowie kraftvollen Übermalungen in einen spannungsvollen Dialog mit Werken internationaler Art-Brut-Künstler:innen stellte.

Ausstellung: Arnulf Rainer & Hermann Nitsch
Datum: 24.10.2026 – 03.10.2027
Ort: Arnulf Rainer Museum / Baden

https://www.arnulf-rainer-museum.at

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