Die großen Aktienindizes erscheinen breit aufgestellt, werden jedoch zunehmend von wenigen Schwergewichten geprägt, sodass wichtige Vergleichsindizes zunehmend von einer kleinen Zahl von Aktien dominiert werden.
So sind etwa die zehn größten Unternehmen im US-Index S&P 500 technologieähnliche Titel und machen inzwischen rund 40% der Marktkapitalisierung des Index aus.
„Auch wenn sich die Aktienmärkte trotz der angespannten geopolitischen Lage weiterhin robust zeigen, erfordert diese hohe Marktkonzentration ein aktives Risikomanagement, um nicht übermäßig von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Märkten abhängig zu sein“, erklären die Experten Karl Freidl und Christian Sajowitz, Leiter Private Banking Graz sowie Wien, von der Steiermärkischen Sparkasse.
Grundprinzip der Diversifikation
Diversifikation gehört zu den Grundprinzipien der Geldanlage. Wer sein Kapital auf verschiedene Unternehmen, Branchen, Länder und Anlageklassen verteilt, reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Entwicklungen. Allerdings ist die Anzahl der Wertpapiere allein kein verlässlicher Maßstab für die Qualität dieser Streuung. Wer beispielsweise mehrere ETFs auf den S&P 500, den Nasdaq-100 und große US-Technologieunternehmen kombiniert, hält zwar zahlreiche Positionen. In der Praxis können sich die zugrunde liegenden Beteiligungen jedoch stark überschneiden. Die vermeintliche Vielfalt führt dann nicht zwangsläufig zu einer entsprechenden Verringerung des Risikos.
Entscheidend ist vielmehr, wie stark die einzelnen Positionen miteinander korrelieren, welchen Anteil sie am Gesamtportfolio haben und auf welche wirtschaftlichen Faktoren sie reagieren.
Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen können beispielsweise gleichzeitig unter steigenden Zinsen, einer schwächeren Konjunktur oder einer Neubewertung hoch bewerteter Wachstumsaktien leiden. Eine wirksame Diversifikationsstrategie muss deshalb über die bloße Vermehrung von Wertpapieren hinausgehen.
Weltweite Streuung und aktives Fondmanagement
Für viele langfristig orientierte Anleger bietet eine globale Orientierung einen sinnvollen Ausgangspunkt. Der Vorteil liegt in der geografischen und sektoralen Breite. Anleger müssen nicht selbst einzelne Länder auswählen oder entscheiden, welche Branchen künftig besonders erfolgreich sein werden. Die Zusammensetzung des Index passt sich zudem an die Entwicklung der Kapitalmärkte an.
Doch auch ein Weltindex ist kein vollständiger Schutz vor Konzentrationsrisiken. Da die meisten großen Indizes nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, erhalten Unternehmen mit besonders hohem Börsenwert automatisch ein größeres Gewicht. Die Dominanz großer US-Konzerne bleibt deshalb auch in global ausgerichteten Portfolios spürbar. Ein Welt-ETF diversifiziert somit vor allem über Länder und Unternehmen hinweg. Er beseitigt jedoch nicht zwangsläufig die Abhängigkeit von den größten börsennotierten Gesellschaften.
In einem solch zunehmend konzentrierten Aktienmarkt gewinnt das aktive Fondsmanagement an Bedeutung.
Während passive ETFs die Zusammensetzung eines Index weitgehend übernehmen, können aktive Fondsmanager gezielt entscheiden, welche Unternehmen sie im Portfolio stärker oder schwächer berücksichtigen. Dadurch lässt sich die Abhängigkeit von einzelnen hoch gewichteten Aktien reduzieren und das Portfolio stärker an fundamentalen Unternehmensdaten ausrichten.

„Aktive Manager suchen in der Regel gezielt nach Unternehmen, die abseits der großen Börsenschwergewichte attraktive Wachstumsperspektiven oder solide Bewertungen bieten. Auch die Berücksichtigung von Bilanzqualität, Geschäftsmodellen und Risiken kann dazu beitragen, ein Portfolio breiter aufzustellen. Entscheidend sind die Qualität des Investmentprozesses sowie die Konsequenz der Risikosteuerung“, analysiert Christian Sajowitz.
Verschiedene Anlagestile und Anlageklassen
Auch unterschiedliche Anlagestile können zur Diversifikation beitragen. Value-Strategien konzentrieren sich beispielsweise stärker auf Unternehmen, deren Aktien im Verhältnis zu bestimmten Fundamentaldaten günstig bewertet erscheinen.
Wachstumsorientierte Strategien setzen dagegen auf Unternehmen, von denen überdurchschnittliches Gewinnwachstum erwartet wird. Solche Ergänzungen sind jedoch keine Garantie für bessere Ergebnisse. Sie verändern vielmehr die Zusammensetzung des Risikos und können über längere Zeiträume hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.
Eine breite Streuung innerhalb des Aktienmarktes kann die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen reduzieren. Sie verhindert allerdings nicht, dass Aktienmärkte insgesamt unter Druck geraten.
In schweren Krisen können selbst Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen gleichzeitig an Wert verlieren. Deshalb kann es sinnvoll sein, weitere Anlageklassen in die Vermögensstruktur einzubeziehen. Hochwertige Staatsanleihen, kurzlaufende Anleihen oder liquide Rücklagen können die Schwankungen eines Portfolios reduzieren und finanzielle Flexibilität schaffen. Wie wirksam diese Komponenten sind, hängt unter anderem vom Zinsumfeld, der Laufzeit und der Bonität der Emittenten ab.
Auch Gold oder Rohstoffe in Form von Fonds kommen als ergänzende Bausteine infrage. Sie reagieren teilweise auf andere wirtschaftliche Einflussfaktoren als Aktien. Allerdings unterliegen auch sie Wertschwankungen und können Verluste verursachen.
Passende Strategie
Für Anleger mit einem langen Anlagehorizont und höherer Risikobereitschaft kann ein überwiegend aktienorientiertes Portfolio angemessen sein. Wer dagegen auf sein Kapital in absehbarer Zeit angewiesen ist oder starke Verluste nicht in Kauf nehmen will, benötigt möglicherweise einen höheren Anteil an liquiden Mitteln und risikoärmeren Anlagen.
Auch die regelmäßige Überprüfung des Portfolios ist geboten. Wenn einzelne Aktien oder Anlageklassen stark steigen, können sich ihre Gewichte im Laufe der Zeit erheblich verschieben.
