Wie leben und arbeiten wir morgen? Welche Chancen haben wir angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen? Und warum fallen wir im Wettbewerb mit anderen zurück, die technologisch weiter, strategisch besser orientiert, fleißiger und optimistischer sind als wir Europäer?
Man könnte angesichts dieser Fragen in Pessimismus oder Resignation versinken. Doch damit wäre keines unserer ohnehin zahlreichen Probleme gelöst.
Was also kann uns optimistisch stimmen?
Ein entscheidender Faktor ist aus meiner Sicht die Aus- und Weiterbildung unserer Bevölkerung. Ihre Qualifikation schafft die Voraussetzung für Qualität in Produkten und Dienstleistungen und bildet zugleich die Grundlage für Innovationen. Ich wage daher zu behaupten: Was Qualifikation und Innovation betrifft, muss sich Europa keineswegs verstecken. Beides zählt nach wie vor zu unseren Stärken und ist damit eine wesentliche Voraussetzung für unseren Erfolg. Allerdings muss man an Erfolgen kontinuierlich weiterarbeiten. Eine fundierte Aus- und Weiterbildung ist dafür unerlässlich.
Wenn es uns gelingt, die reichlich vorhandenen Begabungen zur Entfaltung zu bringen, haben wir bereits halb gewonnen – dies gilt für Wissen und Können ebenso wie für Soft Skills. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir uns nicht darauf beschränken, Lernstoff vorzugeben und abzuprüfen. Ein solches System läuft Gefahr, gerade den besonders Begabten den Durchbruch zu erschweren, wenn sie den vorgegebenen Anforderungen nicht ausreichend entsprechen. Leider ist das in unserem Schulsystem allzu häufig der Fall.

In der betrieblichen Ausbildung zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. Hier wird auf Begabungen, Talente und Geschicklichkeit geachtet und darauf aufgebaut, diese systematisch weiterzuentwickeln. Das Ergebnis ist eine Generation junger Fachkräfte von Weltklasse.
Erneut bewiesen hat sich das bei den WorldSkills in Shanghai, der Weltmeisterschaft der Berufe, bei der Österreich im Wettbewerb mit Teilnehmern aus aller Welt antrat. In der Nationenwertung erreichte Österreich den siebenten Platz. Damit waren wir das dritterfolgreichste Land Europas, hinter der Schweiz und Frankreich, aber noch vor Deutschland. Den Nationensieg holte allerdings China. Das zeigt, dass dem wirtschaftlichen Wettbewerb ein Wettbewerb um Qualifikation vorausgeht. Wenn wir an der Spitze bleiben wollen, müssen wir deshalb höllisch aufpassen.
Den Schlüssel zum Erfolg hätten wir also in der Hand, wenn wir die gezielte Förderung von Begabungen nicht nur in der beruflichen, sondern auch in der schulischen Ausbildung konsequent anwenden würden. Geben wir unseren Schulen dafür die nötige Autonomie! Das wäre zielführender als das fortwährende Herumbasteln an unzähligen Schulversuchen, die uns nicht entscheidend weiterbringen.
Einen weiteren Impuls könnte eine Initiative setzen, die Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, vorantreibt: die duale Akademie.
Die Verbindung beruflicher mit höherer schulischer Ausbildung wäre eine hervorragende Möglichkeit, beide Dimensionen der Bildung, die allgemeine und die fachliche, miteinander zu verknüpfen. Damit ließe sich ein solides Fundament für ein erfolgreiches Berufsleben und in weiterer Folge auch für ein gelungenes persönliches Leben schaffen.
Liebe Top-Leader, erhebt eure Stimme in diese Richtung! Ihr verfügt über praktische Erfahrung und die nötige Kompetenz. Vor allem aber erkennt ihr die Notwendigkeit, vorhandene Schlüssel zum Erfolg in die Hand zu nehmen und wirksam einzusetzen.
Das wäre ein wertvoller Dienst an unserem Land und seinen Menschen.
Autor: Christoph Leitl
