Europa droht zwischen globalen Technologieblöcken an Einfluss zu verlieren

Weltweites Wachstum der KI-Technologien verschiebt Macht, Infrastruktur und Wertschöpfung.
© Acredia / M. Draper
Europa droht zwischen globalen Technologieblöcken an Einfluss zu verlieren
Michael Kolb, Vorstand der ACREDIA.

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Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant zu einem neuen Machtfaktor im Welthandel. Eine aktuelle Analyse von ACREDIA Group und Allianz Trade zeigt: KI verändert nicht nur Technologien, sondern ganze Lieferketten, Handelsströme und geopolitische Abhängigkeiten.

Vor allem Europa läuft Gefahr, im Spannungsfeld der globalen Technologieblöcke an Bedeutung zu verlieren.

KI und der Welthandel

Der weltweite Handel mit KI-relevanten Gütern hat sich laut Studie innerhalb von zehn Jahren von rund USD 1 Billion auf USD 3,8 Billionen nahezu vervierfacht. Mittlerweile entfallen bereits rund 15 Prozent des globalen Warenhandels auf KI-nahe Produkte und Infrastruktur.

Asien kontrolliert dabei große Teile der Wertschöpfung – von Halbleitern über Speichertechnologien bis hin zu Rechenzentren.

Europa droht zwischen globalen Technologieblöcken an Einfluss zu verlieren
© Allianz Research

„Der globale Wettlauf um künstliche Intelligenz ist längst auch ein Wettlauf um Infrastruktur, Daten und wirtschaftlichen Einfluss. Wer die Chips, Rechenzentren und Plattformen kontrolliert, kontrolliert künftig auch wesentliche Teile der globalen Wertschöpfung“, verdeutlicht Michael Kolb, Vorstand der ACREDIA.

Situation Europas

Besonders kritisch sieht die Studie Europas Position im internationalen KI-Wettbewerb. Während die USA Milliarden in Cloud-Infrastruktur, Rechenleistung und digitale Plattformen investieren, bleibt Europa deutlich zurück. Die operative Rechenzentrums-Kapazität Europas liegt laut Analyse rund viermal unter jener der USA.

Gleichzeitig wächst Europas Abhängigkeit von amerikanischen Technologieanbietern.

© Allianz Research

Bereits heute dominieren US-Hyperscaler große Teile der europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur. Mit zunehmender Nutzung von KI-Services könnten künftig jährlich Milliardenbeträge aus Europa an US-Anbieter abfließen.

„Europa läuft Gefahr, vom Industriestandort zum digitalen Mieter zu werden. Die Abhängigkeit betrifft nicht nur Technologie, sondern zunehmend auch Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und wirtschaftliche Souveränität“, warnt Michael Kolb.

Lieferketten werden zum geopolitischen Risiko

Die Analyse zeigt zudem, wie stark die globale KI-Wertschöpfung auf wenige Regionen konzentriert ist.

Europa droht zwischen globalen Technologieblöcken an Einfluss zu verlieren
© Allianz Research

Taiwan, Südkorea, China und die USA spielen Schlüsselrollen bei Halbleitern, Hochleistungsspeichern und KI-Infrastruktur. Politische Spannungen oder Handelskonflikte könnten daher massive Auswirkungen auf Preise, Verfügbarkeit und Produktionsketten haben.

Parallel dazu nimmt die staatliche Einflussnahme weltweit deutlich zu. Exportkontrollen, Technologie-Sanktionen und milliardenschwere Förderprogramme verschärfen den globalen Wettbewerb zusätzlich. Laut Studie sind mittlerweile weltweit mehr als 3.600 industriepolitische Maßnahmen im Zusammenhang mit KI-Technologien in Kraft.

„AI-Lieferketten werden zunehmend zur geopolitischen Nervenzone der Weltwirtschaft. Unternehmen müssen Risiken heute viel breiter denken – von Rohstoffen und Lieferanten bis hin zu Datenflüssen und digitaler Infrastruktur“, so Michael Kolb.

Welthandel vor tiefgreifendem Umbau

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich der globale Handel strukturell verändert. Effizienz allein verliert an Bedeutung, während strategische Resilienz, technologische Souveränität und politische Stabilität zunehmend zu zentralen Standortfaktoren werden.

Lieferketten werden regionaler, Technologie politischer und digitale Infrastruktur zu einem strategischen Machtinstrument.

„Die Zeit rein effizienter Globalisierung geht zu Ende. Unternehmen brauchen heute nicht nur stabile Lieferketten, sondern auch belastbare Risiko- und Technologiestrategien, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben“, ergänzt Michael Kolb.

Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.

https://acredia.at

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