Neue Impfstoffe, Krebstherapien oder Gentherapien haben eines gemeinsam: Sie müssen ihre Wirkstoffe sicher in menschliche Zellen bringen.
Lipid-Nanopartikel (LNPs) übernehmen genau diese Aufgabe und zählen damit zu den Schlüsseltechnologien der modernen Medizin. Trotz ihres großen Potenzials gelten ihre Entwicklung und Testung bislang jedoch als aufwendig, da einheitliche Methoden fehlen und zahlreiche Analysen teure Spezialgeräte voraussetzen.
Das erschwert die Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen und schränkt den Zugang für kleinere Labors erheblich ein.
Erleichterter Zugang zur LNP-Technologie
Mit dem Projekt „LNP Profiling“ entwickelt ein Konsortium bestehend aus der FH Wiener Neustadt, der Universität für Weiterbildung Krems und dem Tullner Start-up RNAnalytics in den kommenden drei Jahren ein modulares, praxistaugliches Analyse-Toolkit.

Dieses soll mit Standardlaborausstattung einsetzbar sein und es Labors unabhängig von Größe und Budget ermöglichen, LNPs nach einheitlichen, validierten Standards zu untersuchen – von physikalischen Eigenschaften bis hin zu biologischen Effekten und Sicherheit.
„Wir wollen die LNP-Forschung aus den hochtechnologischen Labors großer Pharmakonzerne heraus in die Breite trage. Wenn Labors mit denselben validierten Protokollen arbeiten, werden ihre Ergebnisse vergleichbar – das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die LNP-Forschung schneller in die Klinik kommt“, erklärt Agnes Grünfelder vom Biotech Campus Tulln.
Funktionen des Toolkits
Das Toolkit soll zentrale Aspekte der LNP-Analyse abdecken. Dazu gehören unter anderem Eigenschaften wie Größe und Ladung der Partikel sowie Untersuchungen dazu, wie sicher sie sind, wie der Körper darauf reagiert und wie gezielt sie Wirkstoffe in Zellen bringen.
Dabei kommen auch moderne Zellmodelle zum Einsatz, die menschliches Gewebe realitätsnah nachbilden.

Ergänzt wird dies durch molekulare und bildgebende Verfahren, mit denen sich nachvollziehen lässt, wie Lipid-Nanopartikel von Zellen aufgenommen und verarbeitet werden.
Rolle der Nachwuchsforschung
Eine wichtige Rolle im Projekt übernimmt die Dissertantin Claudia Pilloni, die im PhD-Programm „Regenerative Medicine“ an der Universität für Weiterbildung Krems eingeschrieben ist und ihre Forschung an beiden Standorten durchführt.
Dabei arbeitet sie mit menschlichen Zellmodellen, untersucht, die Wirkung von Lipid-Nanopartikel in Zellen, und wirkt an der Entwicklung des Analyse-Toolkits mit.
Bereits im Vorfeld haben zwei Studentinnen des Masterstudiengangs Biotechnology & Analytics am Biotech Campus Tulln im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten mit dem Start-up RNAnalytics wichtige Vorarbeiten im Bereich der LNPs geleistet.
„Abschlussarbeiten können bei uns den Startschuss für weiterführende Forschungsprojekte geben. Unsere Studierenden arbeiten früh an aktuellen Fragestellungen mit und lernen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen überführt werden“, ergänzt Birgit Herbinger, Standortleiterin am Biotech Campus Tulln.
Das Forschungsprojekt wird über eine Laufzeit von drei Jahren durch die Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich unterstützt.
