Internationale Kapitalmärkte zeigen sich resilient gegenüber dem Iran-Konflikt

Trotz geopolitischer Belastungen treiben KI-Euphorie und eine starke Berichtssaison die Kurse.
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Internationale Kapitalmärkte zeigen sich resilient gegenüber dem Iran-Konflikt
Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler.

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„Der Iran-Krieg hält die Märkte weiter in Atem – und dennoch haben Aktien in den letzten Wochen ein starkes Comeback hingelegt“, erklärt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler.

Während die Inflation steigt und die Konjunktur zunehmend unter Druck gerät, treiben KI-Euphorie und eine starke Berichtssaison die Kurse. Die Frage ist, wie lange sich die Märkte über die geopolitische Realität hinwegsetzen können.

Wachstumsprognosen und Zinssituation

Die wirtschaftlichen Folgen des seit Anfang März andauernden Iran-Kriegs – vor allem die Schließung der Straße von Hormus – machen sich zunehmend bemerkbar. Viele Unternehmen berichten von höheren Lieferzeiten und steigenden Kosten.

Internationale Kapitalmärkte zeigen sich resilient gegenüber dem Iran-Konflikt
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Der IWF hat seine Erwartung für das globale Wirtschaftswachstum 2026 gegenüber der Jänner-Schätzung um zwei Zehntel auf 3,1 Prozent zurückgenommen.

„Die Eurozone trifft die Energiepreiskrise besonders hart. Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes und der Ifo-Index deuten auf eine weitere Verlangsamung im Jahresverlauf hin. Für die USA und China fällt die Korrektur moderater aus“, informiert Daniel Briesemann, Portfoliomanager im Bankhaus Spängler.

Sowohl EZB als auch Fed haben bei ihren jüngsten Sitzungen Ende April die Zinsen unverändert gelassen. Die EZB hat jedoch für die Juni-Sitzung eine Zinserhöhung signalisiert – der Markt rechnet heuer noch mit insgesamt drei Anhebungen. Bei der Fed steht derweil ein Führungswechsel bevor: Jerome Powell übergibt Mitte Mai das Ruder an Kevin Warsh, der von US-Präsident Trump mit der Erwartung von Zinssenkungen ernannt wurde.

„Ob sich Zinssenkungen im aktuellen Inflationsumfeld durchsetzen lassen, ist mehr als fraglich. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Unabhängigkeit der Fed ernsthaft in Gefahr gerät“, unterstreicht Daniel Briesemann.

Anleihen und Aktien

An den Anleihemärkten haben steigende Renditen die Kurse belastet. Die zehnjährigen deutschen Bundesanleihen überstiegen im Zuge des Iran-Kriegs die 3-Prozent-Marke und kletterten zeitweise auf den höchsten Stand seit 15 Jahren.

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Auch zehnjährige US-Staatsanleihen bewegten sich in Richtung 4,5 Prozent – getrieben von wachsender Staatsverschuldung, veränderten Zinserwartungen und dem Abzug ausländischer Investor:innen.

An den Aktienmärkten wurden die Verluste vom März hingegen weitgehend aufgeholt: Emerging Markets und US-Aktien erreichten sogar neue Rekordhochs.

„Die Märkte schauen offenbar durch den Krieg hindurch – gestützt von einer wieder aufgeflammten KI-Euphorie und positiven Unternehmenszahlen“, konstatiert Markus Dürnberger.

Starke Berichtssaison

In den USA haben mittlerweile knapp zwei Drittel der S&P-500-Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt – und diese fallen überwiegend positiv aus: Rund 73 Prozent übertrafen beim Umsatz die Erwartungen, beim Gewinn waren es sogar 81 Prozent.

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In Europa präsentiert sich die Berichtssaison deutlich verhaltener, mit positiven und negativen Überraschungen zu etwa gleichen Teilen.

„Der Iran-Krieg hat sich in den Zahlen bislang noch kaum niedergeschlagen. Mit zunehmender Kriegsdauer dürften aber Bremsspuren sichtbar werden“, analysiert Daniel Briesemann.

Ausblick

Die Experten gehen von einem moderaten Wirtschaftswachstum, einer nur vorübergehend erhöhten Inflation in Europa, weiteren Zinssenkungen in den USA und gemächlich steigenden Unternehmensgewinnen aus. Als wesentliche Risiken nennen die Experten die Geopolitik, eine deutlich stärker anziehende Inflation, steigende Staatsschulden, den möglichen Verlust der Fed-Unabhängigkeit sowie ambitionierte Bewertungen.

Auf der anderen Seite stehen mögliche Chancen: ein Ende des Iran-Krieges, eine Entspannung in der Ukraine, sinkende Energiekosten und Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz.

https://www.spaengler.at

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