Die Mission „Artemis II“ stand über einen längeren Zeitraum hinweg unter ungünstigen Vorzeichen, da technische Schwierigkeiten die Vorbereitungsphase erheblich belasteten.
Umso größer fiel die Erleichterung bei der US Raumfahrtbehörde NASA aus, die nach einem bisher reibungslosen Missionsverlauf eine positive Zwischenbilanz zog. International fand der erste bemannte Flug in Richtung Mond seit vielen Jahren entsprechend große mediale Resonanz.

Am 6. April erreichte die Raumkapsel eine Entfernung zur Erde, die bislang kein Mensch zuvor zurückgelegt hatte. Damit wurde der bisherige Rekord der Mission Apollo 13 aus dem Jahr 1970 übertroffen, die eine Distanz von 400.171 Kilometern zur Erde erreicht hatte.
Die Besatzung von „Artemis II“ gelangte planmäßig auf eine maximale Entfernung von 406.771,35 Kilometern und setzte damit einen neuen historischen Maßstab in der bemannten Raumfahrt.
Offizieller Mondvorbeiflug
Die ersten Aufnahmen des Mondes, die von den Astronautinnen und Astronauten der Artemis II während ihres historischen Testfluges angefertigt wurden, zeigen Regionen, die noch kein Mensch zuvor gesehen hat, darunter auch eine seltene Sonnenfinsternis im Weltraum.

Die ersten veröffentlichten Bilder entstanden während des Vorbeiflugs an der Rückseite des Mondes und dokumentieren die Rückkehr der Menschheit in die unmittelbare Nähe unseres Trabanten, während sie zugleich einen reichen Fundus wissenschaftlicher Daten lieferten.
Die NASA-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der Astronaut der Canadian Space Agency, Jeremy Hansen, nutzten eine Vielzahl von Kameras, um mehrere tausend Aufnahmen anzufertigen. Die Raumfahrtbehörde veröffentlichte bereits eine Auswahl der Bilder – weitere sollen in den kommenden Tagen folgen.

„Unsere vier Artemis-II-Astronauten – Reid, Victor, Christina und Jeremy – haben die Menschheit auf eine außergewöhnliche Reise um den Mond mitgenommen und Bilder zurückgebracht, die von beeindruckender Schönheit sowie wissenschaftlicher Bedeutung sind und kommende Generationen inspirieren werden“, erklärte Nicky Fox, stellvertretende Leiterin der Wissenschaftsdirektion der NASA in Washington.
Bilder, Daten und Messwerte
Während des Mondvorbeiflugs dokumentierte die Besatzung Einschlagkrater, uralte Lavaströme und tektonische Bruchstrukturen, die Forschenden neue Einblicke in die geologische Entwicklung des Mondes ermöglichen sollen. Zudem untersuchten die Astronautinnen und Astronauten Farb-, Helligkeits- und Texturunterschiede der Oberfläche, beobachteten Erduntergang und Erdaufgang am Mondhorizont und hielten eine Sonnenfinsternis mit Sicht auf die Korona fest.

Darüber hinaus registrierte die Crew sechs Einschläge von Meteoriten, deren Lichtblitze auf der verdunkelten Mondoberfläche sichtbar wurden.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werten die zur Erde übertragenen Bilder, Audiodaten und Messwerte bereits aus, um Zeitpunkt und Ort dieser Ereignisse präziser zu bestimmen und sie mit Beobachtungen von Amateurastronominnen und Amateurastronomen abzugleichen.
Die neuen Aufnahmen sollen darüber hinaus dazu beitragen, die Geologie des Mondes besser zu verstehen und künftige Erkundungs- und Forschungsmissionen vorzubereiten, die den Grundstein für eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond legen und den Weg für spätere Astronautenmissionen zum Mars ebnen.

„Es war beeindruckend, der Besatzung zuzuhören, als sie die überwältigenden Eindrücke während des Vorbeiflugs schilderte. Anfangs stimmten ihre Beschreibungen nicht ganz mit dem überein, was wir auf unseren Bildschirmen sahen. Erst mit den nun eintreffenden hochauflösenden Aufnahmen können wir die Momente nachvollziehen, die sie zu vermitteln versuchten, und den wissenschaftlichen Ertrag dieser Bilder und der übrigen Forschung im Rahmen dieser Mission wirklich würdigen“, ergänzt Jacob Bleacher, leitender Wissenschaftler für Weltraumforschung bei der NASA.
Als Teil des „Goldenen Zeitalters der Innovation und Erforschung“ wird die NASA im Rahmen des Artemis-Programms Astronauten auf immer schwierigere Missionen entsenden, um weitere Regionen des Mondes wissenschaftlich zu erforschen, wirtschaftliche Potenziale zu erschließen und die Grundlage für die ersten bemannten Missionen zum Mars zu schaffen.
