Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran blickt man an den Kapitalmärkten aktuell mit Sorge in den Nahen Osten. Entsprechend hoch ist die Nervosität.
„Grundsätzlich ist die Stimmung in den Unternehmen sowohl in der Eurozone als auch in den USA aber gut und die Inflation geht in die richtige Richtung“, sagt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler.
„Viele Aktienmärkte sind gut ins Jahr gestartet, wobei US-Aktien in den letzten Monaten abgehängt wurden“, ergänzt Portfoliomanager Daniel Briesemann.
Robuste Konjunktur
In der Eurozone hat sich die Stimmung verbessert. Besonders in Deutschland stützen die angekündigten Staatsausgaben die Industrie. In den USA zeigte die Wirtschaft im Schlussquartal deutliche Bremsspuren: Das BIP stieg nur halb so stark wie erwartet – um 1,4 Prozent.

„Die schwache Zahl lässt sich mit dem Government Shutdown erklären, der die Wachstumsrate um fast einen Prozentpunkt drückte. Dieser Sondereffekt sollte sich im ersten Quartal umkehren. Die Ausgaben für IT und Software legten um fast 20 Prozent zu, worin sich der KI-Boom widerspiegelte“, meint Markus Dürnberger.
Inflation fällt unter Zielmarke
Die Inflation hat spürbar an Dynamik verloren. In der Eurozone fiel die Teuerungsrate im Jänner auf 1,7 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent.
„Dies ist auf einen Basiseffekt bei den Energiepreisen und den starken Euro zurückzuführen”, erklärt Daniel Briesemann.
Viele Marktbeobachter:innen erwarten, dass sich die Inflation im Jahresverlauf unterhalb der 2-Prozent-Marke einpendelt. In den USA bewegt sich die Inflation mit 2,4 Prozent auf das Fed-Ziel zu. Nach dem Wechsel an der Spitze der Fed im Mai wird sich zeigen, wie stark diese bereits politisiert ist.
Europäische und asiatische Aktienmärkte im Aufwind
Zu Jahresbeginn konnten die meisten Aktienmärkte an ihre gute Performance anknüpfen und erreichten neue Rekordhochs. Europa, Japan und die Emerging Markets entwickelten sich dabei besonders gut.

„Sie profitieren davon, dass Anleger:innen wegen der unberechenbaren Politik Geld aus den USA abziehen“, verdeutlicht Markus Dürnberger.
Viele dieser Aktien sind gegenüber US-Werten weiterhin unterbewertet. Die Schwellenländer profitierten von der KI-Euphorie und dem schwachen Dollar. Der schwache Dollar ist auch der Hauptgrund, warum US-Aktien aus Euro-Sicht eine so große Lücke zu anderen Indizes aufweisen.
Vorsicht überwiegt bei Künstlicher Intelligenz
An den Märkten wird KI sowohl als Fluch als auch als Segen angesehen. Während anfangs Euphorie herrschte, hat sich mittlerweile Vorsicht breit gemacht. Viele Technologieunternehmen sind hoch bewertet. Einige Marktteilnehmer:innen haben Bedenken, ob die enormen Investitionen auf tragfähigen Geschäftsmodellen basieren.
„Sollte sich der Boom als Blase entpuppen, könnte dies die globale Konjunktur empfindlich treffen und zu einer starken Korrektur an den Aktienmärkten führen“, warnt Daniel Briesemann.
Ansteigender Ölpreis
Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist der Brent-Ölpreis auf über 82 US-Dollar je Barrel gestiegen. Seit Jahresbeginn hat er um über 30 Prozent zugenommen. Angebotsausfälle aus dem Iran können von anderen Ländern kompensiert werden. Das eigentliche Risiko besteht aber darin, dass der Iran die Straße von Hormus länger blockieren könnte.

„Durch diesen Seeweg werden täglich rund ein Viertel der weltweiten Öllieferungen transportiert und diese Menge könnte nicht ausgeglichen werden. Bei einem längeren Konflikt würde der Ölpreis weiter steigen, was Auswirkungen auf die Konjunktur und die Kapitalmärkte hätte“, unterstreicht Markus Dürnberger.
Ausblick
Die Experten erwarten weiterhin ein moderates Wirtschaftswachstum und eine kontrollierte Inflation in Europa.
„Risiken sehen wir weiterhin in der (Geo-)Politik, hohen Staatsschulden und den aktuell hohen Bewertungen“, fasst Daniel Briesemann zusammen.
Als Chancen werden ein stärkeres Wirtschaftswachstum, eine Entspannung im Ukraine-Krieg und Produktivitätssteigerungen durch KI angesehen.
